Donnerstag, 9.Mai 2002
Die WISE GUYS im Albertus-Magnus-Gymnasium, Bensberg

Mein letztes Wise Guys Konzert war im März gewesen. Im März! Für viele Leute wird die Zeit von Ende März bis Anfang Mai zwischen zwei Konzerten als sehr kurz vorkommen, aber mir kam es so vor, als wäre eine halbe Ewigkeit vergangen. Inzwischen hatten die Wise Guys die ersten neuen Songs im Programm, ich las Kommentare darüber in ihrem Gästebuch und wünschte mich ins Konzert. Das war ja alles nicht mehr normal. Die Konzerte fehlten mir richtig und meine Freude auf den Konzerttermin zeigte mir, dass sich meine Begeisterung immer noch nicht abgekühlt hatte. Aber anstatt jetzt mit aller Willenskraft gegen diese Abhängigkeit anzukämpfen, ließ ich mich ganz einfach widerstandslos in den Konzertsessel fallen und freute mich nur. Yeah! Ein Wise Guys Konzert und ich war dabei! 

Die Aula des Albertus-Magnus-Gymnasiums war mit etwa 650 Leuten gefüllt und warm. Aber sowas von warm. Es war der erste richtige Sommertag gewesen und die Resthitze hatte sich sehr schwül in der Aula versammelt und drückte fast die Luft weg. Trotzdem war das Publikum gut gelaunt und begann schon eine Minute nach 20 Uhr mit forderndem Applaus die Wise Guys auf die Bühne zu rufen. Als das gelungen war (ich könnte ja fast wetten, dass sie auch von alleine gekommen wären!), gab es einen superlauten Begrüßungsapplaus und der Abend fing damit richtig gut an. Besonders natürlich, weil ich mittendrin saß und endlich mal wieder ein Konzert hatte.

Mit ‘Showtime’ ging es los, die Stimmen klangen fast etwas zu hallig und irgendwie bis kurz vor eine Rückkopplung hochgedreht, aber ich fand es eigentlich noch in Ordnung. Lieber mal etwas zu viel Klang, als so schwache, kleine Stimmen, die wie von einer Amateur-Gesanggruppe klingen. Es gab einen vollen Sound, alle Stimmen waren gut zu verstehen und ich war eigentlich ganz zufrieden damit. Insider wissen, dass ich schnell über den Klang mecker, wenn der meiner Meinung nach nicht die Qualität der Gruppe zeigen kann, aber Bensberg würde ich ohne großes Klagen durchgehen lassen. *grins*

Das Einsteigerlied animierte das lockere Publikum zum Mitklatschen und ließ damit die warme Luft von rechts mit der warmen Luft von links verwirbeln. Es blieb warm, und Dän versprach den Anwesenden bei der Begrüßung grinsend “einen heißen Abend”. Eine laute Stimme aus dem Publikum rief: “Ausziehen!”  und Dän fragte: “Ausziehen?” Ganz verwundert drehte er sich zu seinen Kollegen um :”Das war eine Männerstimme! Das wird ja immer schöner!”

Das Frühlingslied wurde anmoderiert und schon vor dem ersten Ton löste der Blick auf Clemens’ Gesicht Gelächter aus. Im Publikum superlockere Stimmung und viel Lachen während des Liedes. Klasse! Sofort danach ging es mit dem ‘RTL-Lied’ weiter und beim ersten Refrain platzte die gute Laune der Zuschauer richtig los und zeigte sich in lautem Mitklatschen auf die 1 und die 3. Von allen Seiten hörte ich irgendwo Gelächter im Publikum und keiner wartete bis sein Nachbar auch lachte, sondern lachte los, wenn er etwas witzig fand. Im letzten Refrain klatschte der Großteil des Publikums weiter temperamentvoll auf 1 und 3 und ich freute mich die ganze Zeit auf Däns Bemerkung über die Konsequenz, die dann auch gebracht wurde und erneutes Gelächter auslöste.

‘Das Leben ist zu kurz’ kam mir etwas zu hektisch vor, aber dem restlichen Publikum gefiel es so. Danach die Ansage vom Singleleben und ich grinste genüßlich über die Art, wie Dän sie vortrug. Mit lächelnder, samtweicher Stimme schwärmte er ausgiebig von den Vorzügen als Single und ringsherum gab es mehr oder weniger unterdrücktes Gelächter. ‘Oh Scheiße’ wurde dann sehr schön langsam und verhalten gesungen und war wieder mal ein kleines Sahnestückchen im Programm. Das neue Lied ‘Das wär’s gewesen’ kam gleich hinterher. Ich hatte nicht so hohe Erwartungen, weil ich noch nicht viel darüber gelesen hatte, und war sehr überrascht. Clemens sang die Leadstimme, alles war sehr leicht und sanft, und als alle zusammen “Vielleicht im nächsten Leben...” sangen, lief mir eine Gänsehaut über den Rücken. Ein ruhiges, feines Lied, das am Schluß auch noch ein wenig sentimental traurig war und mir wirklich sehr gut gefiel.

‘Was für eine Nacht’ war dazu ein guter Kontrast und irgendwie hat mich dieses Lied sofort angesprochen und ist zu einer Art persönlicher Hymne geworden, die mir tief aus dem Herzen spricht. Das Gefühl nach nur zwei Stunden Schlaf wieder aufstehen und irgendwie durch den Tag kommen zu müssen, erkannte ich in den aneinanderreibenden Tönen der Strophen wieder. Superklasse! Genauso klingt es dann morgens in meinem Kopf, genauso eierig bewegen sich meine Knie und gleichzeitig schwingt ein glückliches ‘Das war’s wert’ durch die Hirnzellen. Später im Leben werde ich mich bestimmt kaum an all die Abende erinnern, an denen ich pünktlich im Bett lag, sondern eher an die durchgemachten und durchgelachten Nächte, die ich mit netten Freunden verbrachte, auch wenn mein Wecker wenige Stunden später unerbittlich klingelte oder ich sogar ganz ohne Schlaf in den nächsten Tag gehen musste. Von den Harmonien her fand ich das Lied sehr stark und freute mich, dass die Leute um mich herum besonders an den ‘reibenden’ Stellen leise lachten und sehr aufmerksam zuhörten. Der Refrain setzte sich sofort im Ohr fest und wird in Zukunft an den entsprechenden Morgen zuverlässig in meinem Gehirn auftauchen. Auch wenn ich ihn dann vielleicht nur sehr müde brummen kann. *grins*

Das nächste Lied war auch neu: ‘Kinder’. Nach einem unglaublich provokativen ersten Satz ging es in der gleichen Richtung weiter und es war der Knaller! Die Zuschauer lachten laut los, ringsherum ganz viel Bewegung im Publikum und ich hatte alleine über die Reaktionen im Saal Lachtränen in den Augen. Unglaublich wie es bei diesem Lied abging! Im Publikum saßen viele Eltern, die sofort wußten, um was es ging. Und ehrlich gesagt bin ich froh, dass Dän mich nicht kannte, als ich kleine Kinder hatte, sonst würde ich mich jedesmal sehr unwohl fragen, ob er auch von mir sprechen könnte. Wahnsinn! Das Lied scheint ein Publikumshit zu werden.
TIPP: Zu kaufen übrigens ab dem 25. Mai beim Tanzbrunnenkonzert und ab dem 27. Mai im Geschäft auf einer Maxi-Single zusammen mit “Was für eine Nacht”.
Nach dem Lied ein Riesenapplaus, gemischt  mit einer großen Unruhe im Saal, weil sich alle nochmal gegenseitig die besten Sprüche erzählen oder eigene Kommentare abgeben mussten.

Die Show in der Show bei ‘Meine heiße Liebe’ war noch etwas mehr ausgebaut und einfach superklasse. Mir tat Clemens ja wieder leid, weil er gegen Schluß des Liedes zur singenden Randfigur wurde, die ganz nebenbei noch die Leadstimme beisteuern musste, aber ich würde nicht auf den Blödsinn der anderen verzichten wollen, der einfach nur großen Spaß machte. Am Schluß gab es rhythmischen Extraapplaus für die Show. Auch ‘Die Frau hat Rhythmus’ zog ab, war mitreißend und temperamentvoll und erhielt viel Applaus. ‘Mädchen lach doch mal’ brachte dann alle an den Rand der Kraft, die Erwachsenen lachten laut bei den über die Bühne hüpfenden Känguru- Beutelfell- Trommel- Spielern und die Kinder quietschten vergnügt. Aber dann war ich richtig froh, dass die Pause erreicht war, weil ich unbedingt frische Luft brauchte und der Saal kurz vor der Kochtemperatur war. Hätten sich die Wise Guys etwas mehr zurückgehalten und nur langweilige Lieder gesungen, hätte ich nicht so aufmerksam zuhören, laut lachen und wild klatschen müssen und wäre wesentlich entspannter und nicht so verschwitzt in die Pause gegangen. Zum Glück kamen sie nicht auf diese Idee.

Nach der Pause ging es mit ‘Wenn sie tanzt’ weiter und es erstaunte mich, wie sehr ich mich freute, es wieder zu hören und wie sehr ich es eigentlich vermisst hatte. Hey, ich war nur ein paar Wochen nicht auf einem Konzert gewesen! Jedenfalls war ich gleich ziemlich weg als es begann und versank ganz in der eigentümlichen Stimmung. Schon komisch: Erst als ich es hörte, habe ich gewußt, dass es mir gefehlt hat.

Die ‘Atmo-Ballade’ forderte dann die Wise Guys ebenso wie das Publikum und besonders die Vorbereitungen dazu waren mit viel Gelächter unterlegt. Es machte großen Spaß und eine Dame hinter mir bekam einen kaum zu stoppenden Lachanfall. Da ich mal wieder bei den Eulen saß, die ich ja bekannterweise nicht kann, entschied ich mich für die Produktion von Nebel durch meine Vorstellungskraft. Tja, war dann etwas viel, ich konnte Ferenc kaum noch erkennen, was ich eigentlich nicht vorgehabt hatte, aber das zeugte eben von meiner gewaltigen Phantasie. Allerdings beschäftigte mich am Schluß die Frage, ob der Nebel auch von den anderen Zuschauern gesehen wurde, oder nur von mir.

Danach ‘Willst du mit mir gehen’ und obwohl Sari richtig losfetzte, blieb das Publikum zuerst viel zu ruhig. Auch ich fühlte mich etwas abgeschlafft nach den Anstrengungen der ‘Atmo-Ballade’ und hätte lieber etwas zum Zuhören gehabt, als laut auf Saris blöde Sprüche zu reagieren. Schade, denn das Stück lebt auch vom Gelächter. Im Verlauf des Liedes schafften es die Wise Guys aber trotzdem die Reaktionen des Publikums wieder zu aktivieren und spätestens bei ‘When I’m 64’ waren alle wieder da. Ferenc begann mit der Bass-Stimme und klang wunderbar tief, voll und sehr kräftig. Wow, das knallte rein! Sonderapplaus und Eddi mußte mit seinem Einsatz warten. Auch Dän bekam mit seiner Strophe Extraapplaus, verbeugte sich leicht und grinste Ferenc frech zu. Einziger Nachteil: Hinter mir sang ein Mann nicht ganz textsicher und noch weniger notensicher, dafür aber mittellaut und sehr begeistert mit. Das “Plem-Plem” am Schluß ging im tosenden Applaus unter. Na, das sagt doch alles zur Stimmung im Saal.

‘Sensationell’ begann wie immer mit dem Schlafliedteil und eine Kinderstimme fragte verwundert: “Warum schlafen die jetzt?” Dann fetzte es los und Dän brachte Ferenc noch schnell das vergessene Handmikro vorbei, damit auch der Bass etwas verspätet loswummern konnte. Inzwischen ist es ja zu spät da jemals noch einen vernüftigen Schluß einzubauen, aber trotzdem finde ich das Lied total klasse und genieße alle kleinen Einwürfe und Extras.

Nach dem fetzigen ‘Root Beer Rag’ wurde das neue FC-Lied ‘Deutscher Meister’ angekündigt. Dän redete vom Schunkeln und ich guckte etwas ungläubig, da das ja noch die Steigerung zum Klatschen auf 1 und 3 war. Kaum ging das Lied los, wurden in den vorderen Reihen zwei FC-Schals hochgehoben und ich grinste los. Schön! Durch den mir seit meiner Kindheit vertrauten Rhythmus kam ich dann auch fast selbst ins Schunkeln, fühlte mich wie auf einer Karnevalssitzung und lachte immer wieder los. Ein sehr witziges Lied, geschrieben von einem enttäuschten, aber trotzdem zu seiner Mannschaft haltenden Fan, das bei FC-Fans sicher klasse ankommt, von den Verantwortlichen des Vereins aber eher heimlich gehört werden wird. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass der FC Köln davon eine offizielle Single machen wird.

Ein wunderbares ‘King of the road’ folgte, bei dem Ferenc sehr lässig und kraftvoll seine Leadstimme sang. Seine Stimme war mal einschmeichelnd sanft, dann wieder hart und rücksichtslos und er zog eine überzeugende Show ab, die ihm sichtlich Spaß machte. Mir auch. Locker und selbstbewußt gebracht und mit viel Applaus belohnt.

Bei ‘GoldenEye’ gab es zuviel Nebel (ich war’s nicht!) und es war zu dunkel. Die Gestalten waren damit nur schwach zu erkennen, aber wenn das Licht dazukam, sah man nur noch Nebel ohne Gestalten, was noch blöder war. Der Lichtmensch reagierte richtig, indem er das Licht weitgehend runterdrehte und wartete, bis sich der Nebel etwas gelegt hatte. Während des Liedes wurde an passender Stelle plötzlich ein großer, strahlendgelber Kreis auf den Hintergrund gestrahlt, und Dän und Ferenc spielten sehr verwundert und griffen zur Freude des Publikums erstaunt in das Licht. Danach kam gleich die Stelle, an der sie rückwärts aufeinander zugehen mussten und während Ferenc das programmgemäß machte, hatte Dän etwas zu lange gewartet und blieb dann einfach auf seiner Bühnenseite stehen und sah interessiert und frech grinsend zu, wie Ferenc rückwärts lief und lief und lief, bis er fast am Rand der Bühne endlich an ihn rempelte. Als Ferenc beim Umdrehen Däns breites Grinsen sah, guckte er zuerst empört und mußte dann loslachen. Am Ende des Liedes ging das Licht wieder an und Ferenc schickte einen langen Blick zu Dän, der aber demonstrativ nicht zurücksah. Tobender Applaus, Lachtränen bei mir und die Wise Guys kamen mit ‘Jetzt ist Sommer’ auf die Bühne zurück. Bei der Temperatur im Saal eigentlich das Lied des Abends, aber trotzdem oder auch deshalb blieben alle sitzen und klatschten nur laut mit. Auch mir war es eigentlich zu heiß zum Aufstehen und die Jeans klebte sommerlich in den Kniekehlen. Danach viel Gejubel und Gepfeife und eine Trampelwelle rollte gewaltig von links unter meinen Füßen vorbei nach rechts. Ein irres Gefühl.

‘Schlag mich, baby’ setzte nochmal eins drauf und der Beifall danach war riesig und wirklich begeistert. Ein supergutes Publikum! Außerdem ein tolles Konzert von den Wise Guys. Noch einmal kamen sie auf die Bühne und kündigten ihr letztes Lied an. ‘Träum vom Meer’, ein Schlaflied und nicht lustig, wie Dän extra betonte. Ich war sehr gespannt. Das Lied begann mit einem ganz ruhigen, tiefen, fast brummenden Akkord und schon der warf mich fast um. Ein absolut beeindruckendes Lied, unglaublich schön, sanft, zärtlich und mir fehlen einfach die Worte meine Empfindungen zu beschreiben. Es war von vorne bis hinten nur schön und ging tief in die Seele. Unglaublich. Ich saß völlig gebannt da und hatte das Gefühl noch nie so etwas Schönes gehört zu haben. Selbst jetzt, am nächsten Morgen, bewegt es mich immer noch sehr und ich höre lieber auf darüber zu schreiben. Gut, dass ich im langen Applaus nach dem Lied noch etwas Zeit hatte, denn es hatte mich ziemlich aus der Fassung gebracht.

Fazit: Ein wirklich heißes Konzert, ein tolles, begeistertes Publikum, neue Lieder, die alle eine Bereicherung des Programmes waren und mittendrin eine glückliche Anette, die sich in einem Wise Guys Konzert wie endlich nach Hause zurückgekehrt fühlte.

 

Showtime
Frühlingslied
Ich war noch nie bei RTL
Oh Scheiße
Das wär’s gewesen
Was für eine Nacht
Kinder
Meine heiße Liebe
Die Frau hat Rhythmus
Mädchen lach doch mal

Wenn sie tanzt
Atmo-Ballade
Willst du mit mir gehen
When I’m 64
Sensationell
Root Beer Rag
Deutscher Meister
King of the road
GoldenEye
Jetzt ist Sommer
Schlag mich baby
Träum vom Meer

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