18.Dezember 2000
Die WISE GUYS im Pantheon, Bonn   

Montagabend im Pantheon. Es geht in die Schlußkurve. Noch Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag - dann ist das Konzertjahr 2000 für die WISE GUYS abgeschlossen. Nach mehr als 120 offiziellen Konzerten ein arbeitsreiches Jahr. Obwohl...?

Wenn ich jetzt mal so nachrechne: Bei 360 Tagen, geteilt durch 120, macht das 3. Da haben die ja nur jeden dritten Tag gearbeitet! Und dann nur immer drei Stunden lang. Mit Pause! Also, wenn ich mir das so vorstelle: Bis Mittags im Bett liegen, dann im Café frühstücken und Zeitung lesen, Sauna, Solarium, Tennisplatz, und nur jeden dritten Abend mal eben in ein Theater fahren und ein bißchen singen. Und meistens die gleichen Lieder - da muß man ja nicht mal üben. Ist ja ein Traumjob!! Fast unglaublich, dass sie dann im Sommer auch noch einen ganzen Monat Urlaub machen. Reich, berühmt, schön und kaum was zu tun..... (Wenn jetzt ein lauter Plums zu hören war, ist einer der WISE GUYS beim Lesen vom Stuhl gekippt! Eigentlich gut, dass ich so weit entfernt von ihnen an meinem Computer sitze. Internet hat viele Vorzüge!!)

Also nochmal: Es war Montagabend im Pantheon. Die WISE GUYS schlichen abgearbeitet und sichtlich ausgemergelt... (Quatsch! Ich sollte auch nicht übertreiben!!) 

Jetzt ganz richtig: Es war Montagabend im Pantheon. Das erste von fünf Abschlußkonzerten und ebenso wie die anderen vier, schon lange ausverkauft. Der Saal füllte sich zügig, nur die reservierten Plätze für die Teilnehmer dreier Firmen-Weihnachtsfeiern blieben bis kurz vor acht frei. Beneidenswert. Kein Anstellen, einfach kommen, hinsetzen, genießen. Also, irgendetwas mache ich falsch!

Die Bühne sah schon ohne WISE GUYS sehr schön aus. Zwei silbern glitzernde Stoffbahnen drapierten sich elegant und sehr dekorativ vor dem schwarzen Bühnenhintergrund und es fehlte nur noch die Showtreppe. Auf die musste aber vermutlich aus Platzgründen verzichtet werden. Als Ersatz gab es für die Künstler auf dem kleinen Beistelltisch schöne Wassergläser mit dem Pantheon-Symbol darauf. Immerhin!

Der Abend begann mit einem schwungvoll auf die Bühne springenden Clemens, der ins Publikum strahlte und somit klar bewies, dass er mit den wenigen Konzert-Terminen nicht ausgelastet war. Das “Frühlingslied” brachte das erste vorsichtige Lachen ins Publikum und löste schon sehr positiven Beifall aus. Insgesamt war aber der erste Teil in der Zuschauer-Stimmung zwar gut, aber etwas gedämpft. Das ist aber fast normal, wenn viele (noch nicht alkoholisierte) Teilnehmer einer Firmenveranstaltung dabei sind. Die brauchen meist etwas länger, bis sie vor den Augen ihrer Kollegen hemmungslos lachen. Außerdem sind ja vielleicht nicht immer alle freiwillig da. (“Wo hat Frau Müller die Weihnachtsfeier angesetzt? Bei Weis-Geis? Was ist das denn???”  oder auch: “Ja, ist die denn verrückt geworden???!!”)

Dän erläuterte den Zuschauern, warum das Programm im Winter bei der Präsentation anders heißt, als im Sommer, wenn es gebucht wird, und staunte dann bei der Zuschauerumfrage, denn es waren viel mehr “Ersthörer”, als “Mehrfachtäter” da.  Das war besonders bei den Moderationen zu merken, denn viele Gags waren typische “Sickerwitze”. Zwei Sekunden nach der Pointe fing leises Gelächter an, das sich quer durch den Saal ausbreitete, bis es aus allen Ecken laut zurückklang. Angekommen. Sehr schön!

Das neue Lied wurde sehr gut gesungen, und brachte natürlich wieder Stimmung. Besonders der Mitsing-Teil. (Jetzt bin ich ja fast schon bereit zu sagen wie es heißt, da fällt mir auf: Ich weiß es gar nicht! Muß ich doch mal fragen! Sorry, aber das stimmt jetzt wirklich!)

Sari war supergut in “Genurjanie Indiebarda” und einfach sehr bühnenpräsent. Aber auch die Begleitung war klasse und mir hat es wieder sehr gefallen. *schmacht* ...essis einfach wunderbaaarrrrr...

Kurz vor der Pause gab es diesmal keine virtuellen Sambatrommeln aus dem Internet, sondern irgendwelche Zebratrommeln, die zwar bestellt waren, aber nie ankamen. Es war aber trotzdem mitreißend wie immer.

In der zweiten Halbzeit gab es bei manchen Liedern mehr Hall (von der Technik), und bei allen mehr Beifall (vom Publikum). Die Stimmung war plötzlich viel besser und es wurde heftiger geklatscht. “When I’m 64” brachte dann die erste Riesenwelle Applaus und der Bann war gebrochen. Dän redete ganz gemein über den Bass (das wird wirklich immer schlimmer!), da kam der bei “Sexbomb” plötzlich mit Schwung auf die Bühne geschlittert, was unheimlich gut aussah. Zosch! und er stand da in seinem Glitzerfrack. Super! Läßt sich leider nicht auf jeder Bühne machen, wirkt aber sehr! Das Lied war sehr klasse und kam dementsprechend an. Natürlich wieder Riesenjubel für den Bass ‘mit Sexappeal’.

Danach gleich Sari mit “Willst du mit mir gehen”. Auch sehr gut, in der direkten Folge auf ”Sexbomb” aber problematisch, weil die Zuschauer sofort dem nächsten Helden zujubeln müssen. Das ist etwas schwierig, weil man doch emotional noch völlig dem Bass verfallen ist, die charmante Anbaggerei von Sari aber an einen sofortigen Wechsel denken lässt. Harte Zeiten für die weiblichen Zuschauer, was man daran merkt, dass der Applaus nach Sari’s Lied kleiner als verdient ausfällt. Eindeutig eine gefühlsmäßige Überforderung! War aber ein Versehen in der Reihenfolge, das nicht mehr vorkommen wird, wenn endlich jemand die ABM-Stelle zum Programmzettelschreiben angetreten hat.

Bei der Vorstellung der Internetadresse konnte man von Dän lernen, dass es Wörter gibt, die ‘in einem Wort’ UND ‘zusammengeschrieben’ werden. War auch mal interessant.

Als letzte Zugabe gab es “GoldenEye”. Ich finde Eddi dabei völlig faszinierend, denn er wird für das Lied ein ganz anderer Mensch. Wenn er seinen kalten Blick durch das Publikum gehen lässt, ist das fast erschreckend. Eiskalt und hart. So gar nicht der nette Eddi. Das Bühnenlicht war dafür von rechts stark rot und von links schwach blau eingestellt, so dass es für die Zuschauer sehr effektvoll aussah, die WISE GUYS aber wahrscheinlich einäugig erblinden ließ. Trotzdem sang Eddi supergut und alle Zuschauer starrten gebannt auf das Schauspiel. Ein sehr beeindruckendes Ende des Konzertabends. (Übrigens sahen die WISE GUYS nicht so ausgepowert und zombiemäßig aus, wie auf dem Abschlußfoto. Da kann man ja kaum hingucken! Ich wollte auch mehr auf die Schönheit der Glitzervorhänge hinweisen!)


Der Afterglow brachte ein weiteres Erlebnis, als die WISE GUYS im Foyer ein ‘Nach-Glüh-Wunsch-Lied’ anstimmten. “Liebe im Internet”, ein Klassiker, der trotzdem ganz neu gebracht wurde. Musikalisch war es nicht so das Problem (es war zu erkennen), aber der Text hatte sich stellenweise aufgelöst. Es war sehr lustig für die verbliebenen Zuschauer, und auch die Interpreten hatten ihren Spaß.

Eddi kam nach dem ersten Stranden auf die Idee am Artikelstand einige Skandal-CD’s aus dem Karton zu kramen und die CD-Hefte mit dem Text zu  verteilen. So sangen sie dann lachend, mit extrem unsynchronen Bewegungen und zur Freude der begeisterten Zuschauer die ‘Internetliebe’. Hat wirklich viel Spaß gemacht!

Und ich habe mir in meiner Begeisterung während des Konzertes ein Stichwort notiert, zu dem ich unbedingt was schreiben wollte. Jetzt habe ich nur noch ein Problem: Was in aller Welt soll “Chigay Kees” bedeuten?! So ist es eindeutig  zu lesen. Am besten werde ich in den nächsten Tagen alle in Frage kommenden Cafés, Saunen, Solarien und Tennisplätze abklappern, um die WISE GUYS mal zu fragen, was ich mir damit sagen wollte.

In diesem Sinne:

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Hier übrigens noch eine Auswahl der schönsten Glitzervorhang-Motive.
Die WISE GUYS habe ich weggeschnitten, weil die nicht so gut aussahen.
(Das liegt aber, ehrlich gesagt, an meiner blöden Digital-Kamera, die Belichtungszeiten von etwa 17 sek hat.)