Montag,22.Dezember 2003
Die WISE GUYS im Pantheon, Bonn
(Da einige Browser Probleme mit den eingefügten Bildern haben, gibt es auch die NUR-TEXT-VERSION. Allerdings ohne Bilder. Ist ja klar. KLICK HIER! )

Das letzte Konzert des Jahres 2003 wollte ich unbedingt besuchen. Einmal, weil es im Pantheon meistens eine schöne Stimmung gab, dann auch, weil ich das in den letzten Jahren immer so gemacht hatte und außerdem, weil ich eben einfach gerne dabei sein wollte. Der Abschluß des Wise Guys Konzertjahres war auch für mich immer der Abschluß eines Jahres, das zu großen Teilen mit den Wise Guys zu tun gehabt hatte. Gegen Ende des Abends wurde ich darum auch immer ein wenig sentimental, dachte daran, was das vergangene Jahr gebracht hatte und fragte mich, was das nächste bringen würde.

Mit etwas Glück hatte ich beim Pantheon zwei der heißbegehrten Karten bekommen, was eigentlich eine Geschichte für sich war, denn beinahe hätten mich ausgerechnet die Wise Guys daran gehindert, an Karten für ihr Konzert zu kommen. Sie machten nämlich genau am Vorverkaufstag einen Termin mit mir aus und verhinderten damit, dass ich nach Bonn fahren konnte. Wahrscheinlich ein raffinierter Plan von ihnen, um mich vom letzten Konzert fernzuhalten, aber ich war noch einen Tick raffinierter. Ich stand den ganzen Tag unter Wise Guys Bewachung, aber als ich 20 Minuten nach Beginn des Vorverkaufs ganz alleine an einem Telefon vorbei kam, rief ich schnell beim Pantheon an, kam sofort durch, hörte, dass schon fast alles ausverkauft war und reservierte zwei der letzten Karten für meinen Wunschtermin. Hah! Die Wise Guys fuhren am Abend zufrieden nach Hause, und ich holte am nächsten Tag meine Karten beim Pantheon ab und piekte sie grinsend an meine Pinwand. Die Jungs würden gucken, wenn ich beim letzten Konzert plötzlich vor ihnen stehen würde!
 

Zunächst einmal guckte aber ICH, denn als ich am Morgen des 22. fröhlich pfeifend aufgestanden war, erfuhr ich, dass das Konzert am Vorabend nach dem zweiten Lied abgebrochen werden musste, weil Sari krank geworden war. Nach Zeugenaussagen war er sofort nach ‘Ruf doch mal an’ von der Bühne gestürzt und hatte “unter den Kühlschrank gekotzt”. Wie er in seinem Zustand noch unter dieses schwere Möbelteil kommen konnte, blieb mir ein Rätsel, unterstrich aber seinen hoffnungslosen Zustand.

Was war nun mit dem letzten Konzert? Sollte wegen Sari’s Krankheit mein persönlicher Jahresabschluss ausfallen? War ich damit schon vorher auf meinem letzten Konzert des Jahres 2003 gewesen und hatte es nicht mal gemerkt? Nein! So konnte es nicht enden! Ich würde ohne einen richtigen Abschluss wochenlang orientierungslos durch die Konzerte wandern und verwirrt und depressiv werden. Vielleicht würde ich sogar vor lauter Verzweiflung unter einen Kühlschrank kotzen! Zum Glück erfuhr ich rechtzeitig, dass es Sari schon wieder ganz gut ging und das Konzert wahrscheinlich stattfinden würde. Trotzdem war es mir den ganzen Tag über im Magen komisch und mir wurde leicht übel, sobald ich an Sari dachte. Das lag aber nicht an Sari persönlich, sondern eher an meinen Assoziationen zu unangenehmen Magen-Darm-Viren, die ich bei den Gedanken daran schon fast selber spüren konnte.

Als ich im Pantheon ankam, war ich noch voller Zweifel, ob das Konzert wirklich wie geplant ablaufen würde. Ich erwartete auf einen kalkweißen Sari zu treffen, der schwankend vor mir stehen und mit geisterhaft aufgerissenen Augen und eingefrorener Mimik versichern würde, dass er das Konzert bestimmt durchhalten könne. Stattdessen kam er gut gelaunt und eindeutig topfit wirkend auf mich zu und sprang zum Beweis seiner völligen Gesundung testweise mehrfach auf und ab, wobei er fröhlich grinste. Diese körperliche Bewegung hatte bei ihm am Abend zuvor das Fass zum Überlaufen gebracht, wenn ich es mal so ausdrücken darf. Tatsächlich: Er war wieder gesund! Dafür schlich in diesem Moment Ferenc vorbei und wirkte etwas angeschlagen. “Halsschmerzen”, krächzte er auf meine besorgte Frage und sah dabei so aus, als wäre er lieber im Bett. Ich rückte im Backstagebereich heimlich den Kühlschrank zur Seite, atmete tief durch und begann mich auf das Konzert einzustellen.

Natürlich war das Pantheon wenige Minuten vor Konzertbeginn randvoll und die Zuschauer unterhielten sich freudig angeregt. Die meisten Besucher waren Fans, ein nicht unbedeutender Teil davon musste zur Extrem-Fanzszene gerechnet werden. Einige von ihnen hatten vorher nichts von den Geschehnissen des vorherigen Abends erfahren und den Tag darum beneidenswert sorglos verbracht. Als das Saallicht ausging, stoppten die Gespräche sofort, die Blicke wandten sich der Bühne zu, auf der die Wise Guys erschienen und mit langem Applaus begrüßt wurden. Sie stellten sich nebeneinander auf, warteten etwas länger, bis sich die Zuschauer beruhigt hatten und begannen schließlich mit Weil ich ein Kölner bin. Das Publikum lachte an vielen Textstellen freudig auf und wirkte, als ob ein Menge Neuhörer darunter wären. Das waren oft aber langjährige Fans, die nur seit dem Sommer nicht mehr auf einem Konzert gewesen waren und viele der seither dazugekommenen Stücke noch nicht kannten. Die schöne intime Atmosphäre im Pantheon sorgte dafür, dass man sich fast wie bei einem privaten Wohnzimmerkonzert fühlte. OK, ein ziemlich großes Wohnzimmer, aber das soll ja auch nur eine ungefähre Atmosphären-Angabe sein, keine Architekten-Berechnung.


Am Ende des Stückes gab es viel Applaus, es blieb dunkel und die Wise Guys stellten sich auf die Positionen für Ruf doch mal an. Wie Sari nachher erzählte, war das am Vorabend der Moment gewesen, in dem er kurz überlegt hatte, ob wirklich das Licht ausging, oder ob ihm schummrig würde. Sein Kreislauf zeigte da schon bedenkliche Probleme und die folgenden Drehungen und Hüpfer gaben seinem Magen dann den Rest.

An diesem Abend jedoch überstand Sari alles munter und sprang herum, als wäre er nie krank gewesen. Er lachte, klatschte auffordernd und war ständig in Bewegung. Das Publikum klatschte fröhlich mit und gab am Ende lauten Applaus. Dän guckte aufmerksam grinsend zu Sari und fragte, als es wieder ruhig war, mit besorgter Stimme: “Ist alles OK?”, lachte dabei aber unterdrückt “Hihi.”


Danach begrüßte er das Publikum “zum letzten Konzert im Jahre 2003” und erklärte: “Der vierte Abend hier im Pantheon, oder der dreieinhalbste. Gestern Abend hat unseren Sari hier genau nach diesem Lied, an genau dieser Stelle eine heftige Darm-Viren-Attacke niedergestreckt und wir mussten das Konzert dann leider abbrechen. War zum ersten Mal. Der Sari ist dann nach nebenan gelaufen,” kurze Pause, Dän guckte ihn aufmerksam an und sprach weiter: “und dann ist ihm so einiges durch den Kopf gegangen. War schön - wir haben dann noch ein bißchen zu viert gemacht. Aber heute abend alle wieder topfit.” Mit Blick auf Ferenc: “Oder fast, soweit eigentlich.”

Mit Kinder ging es weiter, die Zuschauer hatten Spaß, und Dän erzählte danach private Dinge. Zum Beispiel, dass der Sari im April Vater geworden wäre, woraufhin ihn Sari sofort korrigierte, dass das im März gewesen sei. Clemens war inzwischen dreifacher Vater, und Eddi hatte eine neue Brille, die er stolz abnahm und vorzeigte. Leider war sein Hamster, der sonst immer als Sensation herhalten musste, gestorben. Über Ferenc gab es “wie immer nichts Neues”. Dabei hatte der Halsschmerzen!

Bei der Zuschauerbefragung stellte sich heraus, dass es nur wenige Neuhörer gab (“Das ist fast keiner mehr”), viele Mehrfachtäter (“Ja, gut, OK, das sind fast alle”) und wenig Bonner (“Ja, die ziehen alle weg”). Die weiteste Anreise hatte eine Zuschauerin aus Potsdam. Dän: “Echt? Für dieses Konzert??” Er klatschte anerkennend, fragte sie höflich: “Dürfen wir Ihnen einen Schokoriegel anbieten?” und schickte Sari mit einer kurzen, aber bestimmten Armbewegung hinter die Bühne. Der eilte sofort los und servierte ihr den Riegel kurz danach auf seiner ausgestreckten Hand.

Eddi machte weiter und sagte den Oldie der Woche an. Es war der Root Beer Rag, der ziemlich schnell losraste. Clemens beeilte sich, mit seinen Rhythmus hinterher zu kommen. Ich fand es klasse den alten Titel mal wieder zu erleben und lachte über die immer noch sehr vertrauten Bewegungen. Sehr gute Idee mit den ‘Oldies der Woche’, fand ich! (*grins* Der letzte Satz war für Insider.) Dän erläuterte anschließend, dass der Titel nicht mehr im Programm wäre, weil sich viele Zuschauer über den Text geärgert hätten, da er inhaltlich unpräzise wäre. Das gab ihm Gelegenheit über weitere Pläne zu sprechen: “Wir haben uns vorgenommen, wenn ein Konzertbesucher sich beschwert, nehmen wir das Stück aus dem Programm.” Er erklärte ganz ausführlich: “Wenn Sie heute abend ein Lied bemerken, das Ihnen irgendwie nicht gefällt, also musikalisch, oder inhaltlich, oder textlich, dann schreiben Sie bitte eine e-mail an Sari! Der Sari beantwortet die und freut sich sehr, wenn die sehr ausführlich sind. So ungefähr eine DinA4-Seite, ausgedruckt, dann kriegen Sie auch garantiert Anwort!” Sari wehrte energisch ab.
 

Was für eine Nacht war der nächste Song, und das Publikum feierte laut klatschend mit. Danach gab es Applaus und begeisterte Pfiffe, und es ging sofort mit Sonnencremeküsse weiter. Sehr schön war’s, und ich kam kurz vor Weihnachten in Sommerurlaubs-Stimmung. Auch diesmal hatte sich Ferenc wieder eine neue Variante für das Anbringen seines einzelnen “Dum” überlegt. Er lief um Dän herum und drängte sich einfach zwischen Dän und den drei anderen hindurch, so dass diese ihre Hände zurückziehen und ihm Platz machen mussten. Die Zuschauer kicherten, als er ganz cool eine zweite Runde um Dän drehte und dann zu seinem Platz zurückkehren wollte. Doch da hängte sich Eddi wie bei einer Polonaise an seine Schultern. Ferenc musste überrascht lachen und liess dabei zwei Töne aus. Sari lief hinter den beiden her, und alles war etwas konfus, aber gut, da sie rechtzeitig wieder an ihrem richtigen Platz ankamen.

Wie ein langsam gezogenes, elastisches Gummiband kam Das war gut rüber. Es gab keine schnellen oder hektischen Bewegungen, alles sah genauso gedehnt aus, wie die Töne klangen. Supergut! Ich fand das Tempo gut, aber es war wohl etwas verzögert gegenüber anderer Aufführungen, denn Dän kommentierte danach: “Das war gut, heute im sehr besinnlichen Pre-Chrismas-Beat.” Nach Schlechte Zeiten, die mir so gefielen wie immer, (also nett, aber nicht zum Begeistert-vom-Stuhl-fallen), kam Powerfrau, bei der es danach einen dicken Extra-Jubel für Sari gab.

Dän grinste: “Ja, Sari kommt auch zu Ihnen nach Hause. Anfragen mit ausführlicher Auflistung, was im Haushalt gemacht werden muss, bitte an Sari.” Er versprach eine mehrseitige Antwort von seinem Kollegen, der wieder verzweifelt abwinkte, und ging zu Deutscher Meister über. Ganz sanft fing es an, im Zuschauerraum wurde leise mitgesungen und die ersten Schals wurden hochgehalten. Nicht nur FC-Schals, aber das übersah Dän großzügig. Die Schunkler setzten zuverlässig ein, der Refrain-Chor schallte laut, und sogar Ferenc, der zwischendurch doch etwas angeschlagen und ziemlich ruhig gewirkt hatte, lachte am Schluß fröhlich und gut gelaunt. Es gab donnernden Applaus und eine von den Wise Guys animierte La-Ola-Welle zog blitzschnell durch den Saal. Als Spielmannszug marschierten sie pfeifend und trommelnd von der Bühne ab, machten dabei aber einige Extra-Schlenker, so dass es etwas dauerte, bis sie den Ausgang erreicht hatten. Sari sprang vor dem Verschwinden noch einmal trommelschlagend hoch und überzeugte damit die letzten Zweifler von seiner knallharten Gesundheit.

(Es war Pause und ich bekam die erste Ausgabe des mokka-Magazins. Wow! Fakten, Informationen, Rezepte und Bestellformular - der mokka-Fanclub hatte ganze Arbeit geleistet. Dass es von “Plüsch-Anette - plüschige Anette zum Kuscheln, Knuddeln und Liebhaben - 16 Euro” kein Foto auf der Shopseite gab, gab mir allerdings zu denken. Sollte es diesen Artikel vielleicht gar nicht geben?? Hallo, Fanclub, vielen Dank - ich leihe euch bei Gelegenheit gerne mal meine komplette PUR-Sammlung aus! Bevor ich alles durchgelesen hatte, war die Pause schon beendet.)

Das Saallicht ging aus, die Wise Guys kamen in festlichem Schwarz auf die Bühne und wurden vom Publikum jubelnd begrüßt. Sie stellten sich eng zusammen, Clemens wurde von den anderen im Halbkreis umringt, und der Ohrwurm begann. “Halloo, hallooo, ich bin dein Oooohrwurm, dein Oooooohrwurm...” sangen sie ihm lautstark ins Ohr, und während die Zuschauer noch über sein gequältes Gesicht lachten, setzte sich der Ohrwurm auch in ihren Gehörgängen hinterhältig fest. Die Auswirkungen waren nicht sofort zu merken, denn wie ein echter Virus wirkte er erst Stunden oder Tage nach dem Konzert, dafür aber umso heftiger. Zum Glück ging er dann nur etwas auf die Nerven, hatte aber nicht so unangenehme Folgeerscheinungen wie etwa Sari’s Virus, der Konzerte abbrechen liess und ... na, ich sage nur ‘Kühlschrank’.
Bei den letzten Refrains klatschten die Zuschauer laut mit und applaudierten danach jubelnd. “Sie hätten da auch gerne mitsingen können am Ende,” informierte Dän vorsichtig, “aber vielleicht war Ihnen die Melodie noch nicht ganz geläufig.”
 

Es folgten:

Chocolate Chip Cookies, bei denen der Saal ausflippte, weil Ferenc etwas von einem “luftdichten Behälter” sang, und die anderen sich unverschämt lasziv bewegten,

Zu spät , eines meiner Lieblingslieder, weil es so wunderbar zeigt, wie schwer es Stars haben, die sich ein Leben im Showbereich doch etwas anders vorgestellt hatten, (nein, es ist überhaupt nicht zu frech!)


Die Bahn kommt, bei der ich auch ohne Fernbeziehung Trennungsschmerzen spüre,

Zu schön für diese Welt, eigentlich auch ein Oldie, und so gut wie früher,

Du Doof, mit einem Eddi-Gesicht, das zum Text paßt.

(Da die Lieder sehr schön waren, das Publikum jubelte, und nichts Besonderes passierte, habe ich die letzten 5 Songs mal etwas gerafft beschrieben. Sollte ich mir für das neue Jahr vielleicht generell für Berichte vornehmen, um Zeit zu sparen.)
 

Sing mal wieder startete superschnell. Eddi raste los, der Rhythmus von Dän und Ferenc hämmerte in Wahnsinnstempo mit, wobei Ferenc es noch schaffte staunende Augen über diese Geschwindigkeit zu machen und einen ‘Vogel’ an der Stirn kreisen zu lassen. Zum Glück wurde alles langsam abgebremst, bis es wieder in Normaltempo lief. Eddi zeigte sich sehr kreativ bei manchen Melodieschöpfungen im Mitsingteil und sang sogar ein kleines “Jingle Bells” vor, das vom Saalchor fröhlich nachgesungen wurde. Das Publikum sang laut und klatschte am Ende begeistert über die eigene Leistung. Dän kommentierte trocken: “Sing mal wieder. Heute ein bißchen schneller als sonst. Aber nur ein bißchen.”

Die nächste Ansage ging über drei Ecken und ich kapierte erst am Schluß, auf welches Lied Dän hinaus wollte. “Wir möchten jetzt ein Lied singen, das ursprünglich aus dem Arabischen kommt. Es hieß früher ‘Der König von Beirut’, dann haben es sich die Amerikaner unter den Nagel gerissen, wie immer, dann hieß es ‘King of Beirut’. Und jetzt heißt es ‘King of the road’. Ich lachte laut auf, hatte dabei aber ein schmerzverzerrtes Gesicht. War aber trotzdem gut und schön schräg. Dän zeigte das richtige Schnippen auf 2 und 4 und erklärte: “...dann haben Sie schon direkt ein Gefühl von Leichtigkeit, von Freiheit, von Geschwindigkeit, von Männlichkeit,...” Ferenc guckte ihn ernst an, begann aber schon zu grinsen, “....von tiefen Stimmen, von wenigen Haaren - Ferenc Husta, King of the road !!” Sofort setzte Dän mit den ersten Tönen ein, ehe Ferenc, der inzwischen lachen musste, ihm irgendwie antworten konnte. Wie gewohnt, benahm sich Ferenc am Steuer total daneben, blitzte dabei aber charmant ins Publikum und wurde umjubelt.

Im langen, donnernden Endapplaus brachte ihm Dän einen Schokoriegel und Eddi holte sich ein Autogramm und freute sich sehr darüber. Dän versuchte im immer wieder aufbrausenden Applaus zu sprechen, wurde vom Publikum aber locker übertönt. La-Ola-Wellen rauschten vorüber und endlich kam er mit der Stimme durch: “Mittlerweile finden wir es total geil mit Ferenc singen zu dürfen!” Der Jubel donnerte wieder los, und Eddi reichte einen Schokoriegel durch, der am Ende von Clemens nachlässig und in hohem Bogen zu Ferenc geworfen wurde. Der fing ihn reflexartig, aber zirkusreif mit der linken Hand auf und warf ihn grinsend ins Publikum.
 

“Bevor wir zum letzten Lied kommen, möchten wir uns bei den Menschen bedanken, die das Konzert heute ermöglicht haben.” Dän blickte Sari, der neben ihm stand, grinsend ins Gesicht: “Zum Beispiel bei den Erfindern von VOMEX-Tabletten, meine Damen und Herren.” Sari grinste breit zurück und die Zuschauer jubelten lachend los. Es folgte Mädchen lach doch mal, diesmal allerdings ohne Kängurus und ohne Impro-Teil. Im langen Trommelteil hüpften Eddi und Sari etwas durch die Gegend. Eddi trommelte vor Ferenc herum und spuckte ihm bei einem kräftigen “Pffft” leicht ins Auge, was Ferenc empört gucken ließ und beide zum Lachen brachte. Sari hopste zu Clemens, beugte sich vor ihm mit aufgeblähten Backen kurz herunter, und Clemens konnte vor Lachen nicht weiter singen. Erst einige Zeilen später stieg er bei der Wiederholung des Refrains wieder ein. Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was diesen heftigen Lachanfall auslöste. Entweder hatte Sari am Vorabend kurz vor dem Weg zum Kühlschrank ähnlich ausgesehen, oder es war ein interner Wise Guys Witz. Ich habe aber auch nicht gefragt. War einfach lustig anzusehen. (Spätere Anmerkung: Wie ich inzwischen erfahren habe, spielte Sari hörbar nach, was er am Vorabend nach dem zweiten Lied gemacht hatte.)

Unter großem Jubel gingen die Wise Guys ab, diesmal aber nach links, was ungewöhnlich war, denn der Ausgang lag eigentlich rechts. Sari prallte fast mit Dän zusammen, weil er nicht daran gedacht hatte und in die gewohnte Richtung abmarschieren wollte, aber es ging ohne größere Verletzungen ab. Die Bühne wurde dunkel, das Publikum klatschte rhythmisch, trampelte, pfiff, johlte und verpasste fast den Anfang des nächsten Liedes. Als plötzlich gesungene Töne durch den Lärm drangen, wurde es sofort ruhig und alle sahen zu, wie die Wise Guys bei schwacher Beleuchtung mit langsamen Schritten und singend auf die Bühne zurück kamen. Live and let die war dran, und Ferenc war am Anfang zu laut eingestellt und döhnte etwas. Trotzdem kam alles gut und vor allem etwas unheimlich und sehr intensiv rüber. Das Publikum guckte fasziniert zu, auch als es mal ziemlich lange dunkel blieb. Eigentlich hätte da ein Stroboskop für flackerndes Licht sorgen sollen, aber es rührte sich nicht, so dass es für etwa 10 lange Takte dunkel blieb und nur die gesungene Musik zu hören war. Endlich ging ein Scheinwerfer an, die Wise Guys hatten sich neu drapiert und Clemens grinste breit in Richtung Technik. Später hörte ich, dass die Wise Guys Probleme hatten im Stockdunkeln an ihre neuen Plätze zu kommen. Hätte ich ja klasse gefunden, wenn ein plötzlicher Lichtstrahl die Szene erleuchtet und die Wise Guys beim Suchen ertappt hätte. Einer, der sich hilflos am Vorhang entlangtastet, ein anderer, der in völlig falscher Richtung auf allen Vieren über den Boden krabbelt, und einer, der gerade mit fragendem Gesichtsausdruck über den Rand der Bühne zu kippen droht. (Nein, ich freue mich nicht, wenn die Wise Guys lächerlich gemacht werden! Ich hätte aber trotzdem laut gelacht. Sorry.) Was mich aber etwas störte, war Eddi’s Gesichtsausdruck, den er zwischendurch hatte. Manchmal grinste er leicht oder guckte leidend, was von einigen Zuschauern als Anlass zu lustigem Gekicher verstanden wurde. Er muss da einfach total ernst bleiben, damit es unmissverständlich klar ist, dass kein Gag erkannt werden muss. Es ist einfach ein tolles, ernsthaftes Lied. Für die stark beleuchteten Gesichter, die schon eher Fratzen waren, gab es begeisterten Szenenapplaus, und trotz kleiner Probleme war es eine beeindruckende Vorstellung. Die Wise Guys gingen mit dem letzten, verklingenden Ton langsam nach hinten, und das Publikum reagierte nach einem Moment der Stille mit Jubel und sehr langem, donnernden Applaus. Klasse, klasse!

Nach einem kurzen Abgang kamen sie mit Rasier dich zurück, was am Anfang von flickernden Wunderkerzen im Publikum begleitet wurde. Ein superschönes Bild. Schade, dass Wunderkerzen nicht drei Minuten lang brennen.

Ferenc und Sari grinsten sich während der Nummer herausfordernd an, und die Stimmung war witzig, aber auch prickelnd - eben so, wie sie sein sollte. Nahe Berührungen, liebevolle Bewegungen, aber merkbare Spannung und blitzende Augen.

Am Schluß wurde Sari sehr übermütig und machte heimlich hinter Ferenc’ Rücken eine Grimasse, bei der er mit den Händen flatterige Ohren zeigte und mit hin und her wackelndem Kopf frech die Zunge rausstreckte. Als Ferenc sich umdrehte, zog Sari Hände und Zunge blitzschnell zurück und tat völlig unschuldig. Wie ein kleiner Junge, der mutig ist, solange das Opfer ihn nicht erwischt. Superwitzig! Das Publikum lachte hochvergnügt und Ferenc guckte etwas verwirrt, denn er hatte keine Ahnung, dass er das Opfer war. Na, er wird es nie erfahren und noch lange grübeln, mit welchen Aktionen sein Kollege das Publikum so amüsiert hat. Wäre nett, wenn ihm das keiner verraten würde!


Erneut gab es dicken Applaus, die Wise Guys gingen ab und kamen nach einer Weile wieder. Eigentlich wäre Jetzt ist Sommer dran gewesen, aber sie kamen komplett auf die Bühne zurück, ohne dass Clemens vorher mit seinem Rhythmus gestartet hätte. Ich wunderte mich schon, da legte er doch los, aber sehr langsam. Häh? Halblaut und sehr gebremst setzte Dän mit der Leadstimme ein, wanderte gemütlich zu einem seitlichen Monitor, setzte sich für die erste Strophe bequem darauf und sang lässig weiter. Hey, das war karibisches Feeling in halber Lautstärke. Sehr schön war, dass es sehr leise, aber trotzdem voller Energie und Spannung war. Auch die Zuschauer sangen nur leise mit und sobald es irgendwo zu laut wurde, setzte Dän die Lautstärke sofort mit betont sanfter Leadstimme wieder herunter. Ich fand es sehr klasse! Vielleicht noch nicht konsequent genug, denn das könnte man noch intensiver machen und damit eine ganz neue und supergute Interpretation des Songs haben.  Im Mittelteil gab es einen coolen Sprechgesang, und irgendwie war die ganze Nummer ein lässiger Carribean-HipHop, der mir sehr gefiel und von mir aus gerne als Kontrast zur CD-Aufnahme ins Programm kommen könnte. Der letzten, leisen Zeile “Sommer ist, wenn man trotzdem lacht” flüsterte Dän ein schnelles “Dankeschön!” hinterher, und das Publikum brach in lauten Applaus aus. 

Es gab mehrere Verbeugungen, zwei La-Ola-Wellen, ein begeistertes Publikum und ein von Clemens erneut gestarteter ‘Ohrwurm’. “Halloo, hallooo, ich bin dein Oooohrwurm, dein Oooohrwurm....” Natürlich wurde vom extrem fandurchsetzten Publikum lautstark weiter gesungen, auch als die Wise Guys die Bühne verlassen hatten. Nach einigen Minuten kamen sie plötzlich auf die Bühne zurück und setzten wieder ein. Clemens hatte zwar den Anfang seines Textes vergessen, verdrehte die Augen und lachte über sich selber, aber die Abschluß-Strophe war dann doch wieder da. Im Endrefrain setzten die Zuschauer wieder voll ein und hörten auch nicht auf, als die Wise Guys endgültig winkend verschwanden. Trotz Saallicht und leiser Dudelmusik ging der ‘Ohrwurm’ noch minutenlang kräftig weiter, aber es tat sich auf der Bühne nichts mehr. Irgendwann bröckelten die ersten Stimmen ab und etwas später hatten selbst die härtesten Fans keine Hoffnung mehr auf eine weitere Strophe. Ich freute mich, dass das Konzert bis zum Schluß stattgefunden, und auch Ferenc’ Stimme weitgehend durchgehalten hatte. Sari hatte sowieso so gesund gewirkt, als hätte er nie im Leben etwas mit Kühlschränken zu tun gehabt.

Der letzte Afterglow des Jahres war natürlich etwas voll. Die Wise Guys bauten sich geschickterweise am Ende der Bar-Sackgasse auf, so dass der Weg schnell verstopft war und viele Fans am Ende der Schlange warteten, ohne dass sich im Inneren der Sackgasse etwas rührte, weil dort viele Fans einfach stehen blieben. Sari war fit und leuchtete gesund rosig, dafür rechnete Clemens besorgt nach, wann der Virus ihn erwischen würde. Schon Heiligabend, oder erst in den Tagen danach? Dän freute sich auf seine Weihnachtsfeier, aber nicht auf den Weg dorthin. Ferenc freute sich über ein Geschenk von Sari und hatte eine krächzige Stimme, was ihm aber egal war, weil er nur noch unter dem Weihnachtsbaum singen musste. Eddi war müde, aber aufgekratzt.
Ich guckte sie mir alle nochmal an, dachte an das vergangene Jahr, an viele schöne Sachen, an eine Menge Arbeit, an Gelächter, Planungen, zu wenig Schlaf, Spaß und daran, dass ich die Wise Guys mit allem drum und dran noch immer als große Bereicherung meines Lebens empfand. Von mir aus konnte das so weitergehen. Auf ein wunderbares 2004!
 

Weil ich ein Kölner bin
Ruf doch mal an
Kinder
Root Beer Rag
Was für eine Nacht
Sonnencremeküsse
Das war gut
Schlechte Zeiten
Powerfrau
Deutscher Meister

Ohrwurm
Chocolate Chip Cookies
Zu spät
Die Bahn kommt
Zu schön für diese Welt
Du Doof
Sing mal wieder
King of the road
Mädchen lach doch mal
Live and let die
Rasier dich
Jetzt ist Sommer
 

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