WISE GUYS TOTAL-NACHT 2004
1. Teil  “Kreuz und Quer”

Die ersten Besucher der Total-Nacht standen um 13 Uhr vor der Halle. Immerhin wollten wesentlich mehr Leute in die erste Reihe, als es dort Stühle gab, darum musste man dem Glück etwas Zeit spendieren und früh genug anstehen. Der Eingang befand sich diesmal vor einer Nebentüre, zu der eine Rampe mit Geländer führte. Dadurch konnte nicht mehr so stark gedrängelt werden und es gab auch nicht mehr einen dicken Pulk von Leuten vor der Türe. Diejenigen, die sich sonst gerne einfach von der Seite dazustellten, mussten sich diesmal am Ende der Schlange anstellen, die sauber um die Ecke geführt wurde. Prima!

Alles lief ruhig und fröhlich ab, auch als der Eingang geöffnet wurde und kleine Gruppen ins Foyer gelassen wurden. Dort begann der Ärger dann aber doch wieder, weil die Saaltüren noch nicht geöffnet waren und sich alles unkontrolliert im Vorraum staute. Da wäre es wirklich besser gewesen mit dem Einlass noch zu warten, dann den Kleingruppen aber direkt den Weg bis in den Saal freizugeben. Für viele war es zudem ärgerlich, dass sie kostenpflichtig ihre Jacken und Picknicktaschen an der Garderobe abgeben mussten, wobei ich mich wunderte, dass jemand wirklich Essen in ein Konzert mitnehmen musste. OK, das Konzert war übernatürlich lang, aber ich esse normalerweise auch nicht die ganze Nacht lang durch.

Als die Saaltüren endlich aufgingen, war das Foyer gedrängelt voll und es wurde fast gefährlich, denn vorne liessen die Ordner nur langsam und sehr geordnet die Besucher durch, während von hinten angesichts der offenen Türen massiv gedrängelt wurde. Der Saal füllte sich schnell, aber das Konzert konnte nicht pünktlich losgehen, weil es Stau vor der Garderobe gab, bei der die Damen nicht schnell genug mit dem Einsammeln der Jacken hinterher kamen.

Die Wise Guys warteten während dieser Zeit im Backstagebereich auf den Beginn des Konzertes und liefen dabei immer hin und her. Ruhig auf dem Stuhl zu sitzen und vielleicht noch etwas zu essen, ging einfach nicht mehr. Die lange Total-Nacht stand bevor und machte die Atmosphäre prickelig. 















Etwa 10 Minuten später als geplant, saßen die meisten Zuschauer auf ihren Plätzen, das Saallicht ging aus und auf der Bühne strahlten zwei Scheinwerfer schräge Lichtkegel auf den Hintergrund-Vorhang. Laute Star-Wars-Musik erklang und plötzlich war eine tiefe, professionelle Ansagerstimme zu hören, die das Konzert ankündigte. Sie wurde mit Jubel begrüßt und viele erkannten nicht, dass es die Stimme von Ferenc war. Es war aber auch ein großer Unterschied zu seinem üblichen “Dum-Dum”. Leider war die untergelegte Musik etwas zu laut, aber das Publikum johlte los, sobald Namen verstanden wurden und verpasste damit einen großen Teil des Textes. Egal, es war ein sehr guter Anfang, der Stimmung machte. Die einzelnen Namen der Wise Guys wurden genannt und jedesmal sprang einer auf die Bühne. Donnernder Applaus schallte durch den Saal, der dann auch noch mit Fußgetrampel unterstützt wurde. Die Wise Guys hatten ihre normalen “Alltags- Bühnen-Klamotten” an, stellten sich nach einiger Zeit zusammen und starteten in den Lärm mit einem Ruf, der gerade noch zu erkennen war, weil es im Saal sekundenschnell leise wurde. “Niemals aufgeben!”, und die Kenner im Saal stimmten laut ein: “Niemals kapitulieren!”

Sofort ging der Wise Guys Opener los und ich freute mich, denn damit ging vor langer Zeit auch mal mein erstes Wise Guys Konzert los. Das waren die gleichen Töne, der gleiche Text und optisch fast haargenau die Jungs, die mich damals ganz unerwartet schwer beeindruckt hatten. Ein heute noch folgenreiches Erlebnis für mich.

Das Publikum klatschte mit und kannte den Text. Clemens sang über Ferenc: “Er ist ja fast schon dreißig” und musste dabei selber lachen, denn inzwischen lag Ferenc ja, ...nun, sagen wir mal knapp drüber. Nach dem Lied gab es Riesen-Applaus, was nicht anders zu erwarten war. Sofort folgte Das war gut, womit die Überschrift des ersten Blocks, “Kreuz und quer” bestätigt wurde. Da lagen Lieder zeitlich ganz schön auseinander und passten doch gut  nacheinander ins Programm. Sari bewegte sich geschmeidig und auch das Tempo des Liedes war genau richtig. Schön!

Nach langem Gejubel begrüßte Dän das Publikum: “Vielen Dank, meine Damen und Herren. Wir sind gekommen, um mit Ihnen die Nacht zu verbringen.” Das war ein nettes Versprechen, aber ich fürchte, dass sich das einige der Zuschauerinnen anders und vor allem lieber im kleineren Kreise vorstellen würden. Dän guckte ins Publikum: “In den Gesichtern Erwartungsfreude, Spannung, Panik, Entsetzen ..... aber warum sollte es euch besser gehen, als uns?”

Er kündigte für den Abend 70 Lieder an, “jetzt nur noch 68”, und erläuterte die Einteilung in 5 Blöcke zu je 14 Liedern. Dazwischen sollte es kurze Pausen geben, deren Ende durch eine laute Fanfare angezeigt würde. “Wenn Sie das hören, geht es hier zwei Minuten später weiter, egal, wer da ist.” Die Zuschauer lachten vergnügt, aber Dän mahnte: “Ich glaube, manche von Ihnen, die zum ersten Mal auf einer Total-Nacht sind, unterschätzen auch den Faktor: Anstrengung für das Publikum. Sie werden spätestens um 23 Uhr anders aussehen, als jetzt!”

Es gab enttäuschte Oooh’s, als er sagte, dass es nur 70 Lieder aus dem Repertoire von inzwischen etwa 140 bis 150 Stücken gäbe, und er grinste: “Wie gesagt, wir sprechen uns um 23 Uhr!” Außerdem sollte es keine Zugabe geben: “Letztes Lied - Feierabend! Falls dann noch jemand hier ist.”

Weiter ging es mit Wie die Zeit vergeht, passend zur Aussage von Dän, dass es an diesem Abend Lieder aus einem Zeitraum von 12 Jahren geben würde. Es war schön swingend-fetzig, und Clemens winkte den langen Schluß-Applaus ab. Dän erklärte: “Wie gesagt, die Zeit drängt!” Es ging weiter mit Ein Herz und eine Seele. Die Wise Guys standen ganz still nebeneinander auf der Bühne und es war sehr schön. Ein voller Klang, der sanft durch den Raum strömte. Nur an einer Stelle gab es Gelächter, als Eddi sang: “Inzwischen hab’ ich längst eine Andere gefunden”, und  Clemens die Hand hob und mit fünf Fingern wackelte. Mir sah das allerdings eher nach einem Missverständniss aus, bei dem Clemens zufällig an dieser Textstelle Igor am Ton etwas über den Monitor-Klang signalisieren wollte.

Charlie Razzamatazz jazzte los und Eddi hatte kurze Texthänger, die mal ein oder zwei Wörter betrafen. Hätte er an diesen Stellen einfach irgendein englisches Wort eingeschoben, wäre mir nichts aufgefallen und ich hätte die fehlende Verständlichkeit auf mangelnde Vokabelkenntnisse meinerseits geschoben. Aber die Lücken waren eindeutig kein Text! Es war aber wirklich nur kurz und Eddi immer sofort wieder drin, also kein wirkliches Problem.

Als nächster Punkt stand die Zuschauerumfrage auf dem Programm. Das Licht ging an und Dän las interessiert ein Plakat aus den ersten Reihen vor: “Sari, mach uns die Kuh!” Es gab eine kurze Besprechung auf der Bühne, dann verkündete Dän: “Es könnte sein, dass das die einzige Zugabe heute abend ist”, was sofort bejubelt wurde.

Bei der Umfrage ging es nicht um weite Anreisen, sondern um die Häufigkeit von Wise Guys Konzertbesuchen. Es gab tatsächlich wieder Leute, die an diesem Abend ihr erstes Konzert erlebten, manche waren schon öfter als fünf Mal dabei gewesen, andere schon bis zu fünfzig Mal. Einige Zuschauer hatten alle bisherigen Total-Nächte erlebt und saßen zum vierten Mal dabei. Allerdings bewertete Dän das mit Blick in den Saal: “Ach, das ist ja nur Familie.” Auch ich hatte an diesem Abend ein ganz besonderes Konzert, aber das wussten die Wise Guys nicht. Ich hatte es ihnen nicht erzählt, aus dem einzigen Grund, weil ich es an diesem Abend komplett vergessen hatte. Erst zu Hause fiel es mir wieder ein, aber da war es vorbei. Ein ganz besonderes Konzert, das eigentlich hätte gefeiert werden müssen, aber ich sag jetzt erst am Schluss des kompletten Berichtes, um was es sich handelte.

Sari legte mit Ich bin grumpig los und war für so schlechtes Wetter unverschämt gut drauf. Ohne weitere Ansage ging es dann mit Wenn sie tanzt weiter. Sehr ruhig sang Dän die Leadstimme und hatte plötzlich in der ersten Strophe zwei kleine Texthänger. Aus dem Saal setzte sofort ein sanfter, vielstimmiger Mädchenstimmenchor ein und begleitete ihn textsicher. Dän forderte mit einer Armbewegung zum Weitersingen auf und zeigte sich mit einem eingeschobenen: “Danke!” erkenntlich. Der Chor blieb fast durchgehend leise und wunderbar begleitend dabei, sicherte Dän textlich ab, so dass es keine Probleme mehr gab, und hörte sich dazu auch noch wirklich schön an. Das war die Total-Nacht. Ein Saal voller positiv eingestellter Fans, die sofort da waren und eingriffen, wenn ihre Helden strauchelten. Kein hämisches Lachen, sondern sofortiges Auffangen und liebevolle Unterstützung. Klasse!

Dän kommentierte danach: “Das Lied in der kompletten Textversion können Sie nachhören auf der CD “Ganz weit vorne.” Er versicherte, dass sie sich viel Mühe beim Textlernen gegeben hätten und drehte sich zu Clemens: “Das Gegenteil von gut? Gut gemeint.”

Auf das erste Solostück von Ferenc mussten die Zuschauer der Total-Nacht nicht lange warten. Bei Haarige Zeiten legte er voll und tief los und wurde im Refrain vom laut mitsingenden Publikum unterstützt. Der Schlußapplaus war lange und steigerte sich schließlich noch in Fußgetrampel, aber als Sari einen neuen Ton angab und Willst du mit mir gehen anfing, wandelte sich der Jubel in begeistertes Mitklatschen und -singen. Allerdings fehlte der berüchtigte Hinternwackler von Sari, der immer tosende Begeisterung ausgelöst hatte. War Sari älter und reifer geworden, wollte er seine Kollegen nicht so unglaublich übertrumpfen, oder hatte er es einfach vergessen? Am Ende warf er sich mit ausgestreckten Armen in seine “Powerfrau”-Pose, ließ den Bauch unter dem T-Shirt hervorblitzen und hatte es irgendwie ausgeglichen, denn die Zuschauer schrieen entzückt.

Der letzte Martini wurde von Eddi eine Oktave tiefer als normal gesungen, und mitten in der ersten Strophe ging Clemens plötzlich zügig nach rechts ab. Die meisten Zuschaueraugen folgten ihm und erkannten, dass er sein Percussion-Instrument, die Cabasa (Holzrumpf mit kleinen Perlenketten, die beim ruckartigen Bewegen in der Hand immer “rrrrtsch” machen) vergessen hatte. Gerade noch rechtzeitig zum Refrain stand er wieder an seinem Platz und konnte rhythmisch rrrrtschen. Eddi wechselte in der zweiten Strophe endgültig wieder in die höhere Oktave, auch wenn die Leadstimme so tief und irgendwie seriöser gesungen, auch gut geklungen hatte.

Lautes Singen und Klatschen begleitete Zur Lage der Nation. Die Stimmung war klasse und das Publikum lachte zuerst über den sehr aktiv trommelnden Clemens und dann über die blöden Gesichter der Hintergrundsänger. Dän vergaß völlig, dass er mit Ferenc eine Runde herumhüpfen musste, und als er auf Ferenc Aufforderung endlich kam, war es schon zu spät um mit dem Gesicht in der falschen Richtung stehen zu bleiben. Egal, das Publikum amüsierte sich lautstark. Auch ich fand es erstaunlich, dass die meisten Bewegungen noch wie von alleine kamen und irgendwie fest einprogrammiert waren.

“Wir haben die Verspätung fast schon wieder eingeholt”, verkündete Dän mit Blick auf die Uhr und sagte das “allererste, selbstgeschriebene A-cappella-Lied” an. “Ferenc war damals nicht dabei, aber er hat heute abend eine besondere Rolle.” Little sweet loving girl wurde nur von vier Wise Guys gesungen, während Ferenc lässig und abwartend ein Stück entfernt stand und leicht vor sich hin grinste. Auf einmal ging er gemütlich zu der Gruppe hin und warf an einer passenden Stelle ein schnelles “Bum-Bum” ein. Die Zuschauer jubelten, und Ferenc begab sich lässig wieder an den Bühnenrand. Etwas später wanderte er zum Tisch, um einen Schluck Wasser zu trinken, dann ging er wieder auf die Gruppe zu, wurde von Sari in die Mitte gezogen und warf an passender Stelle zwei “Bum-Bum”’s ein. Irgendwie verpasste er kurz danach aber den Einsatz zu einer weiteren Stelle, musste lachen und Sari schob ihn gleich nach hinten und stellte sich vor ihn. Sehr witzig.

Ohne dich zog kräftig ab, und Eddi änderte die Textstelle: “...Hab mir schon vorher Arabella,
Bärbel Schäfer und Hans Meiser reingeknallt” ganz aktuell in “die RTL-Dschungelshow” und bekam damit Extra-Lacher.

Dän beendete den Block: “Meine Damen und Herren, wir stehen am Ende des ersten Blocks. Die ersten vierzehn Songs sind gleich vorbei, danach kommen noch vier weitere Blöcke von gleicher Länge...,” er liess ein leichtes, etwas fassungsloses Lachen hören, weil noch ein so unglaublich hoher Berg vor ihnen lag, und ergänzte dann: “...und nicht unbedingt besserer Qualität.” Außerdem bat er darum, nett zu sein. “Wenn einer gerne alles mitsingt und sein Nachbar lieber das Konzert hören möchte, dann sollte man sich einigen. Ich höre zum Beispiel gerne zu, während der Eddi immer alles mitsingt. Aber wenn einer von uns den Text vergisst, zum Beispiel ich, dann bitte auf jeden Fall mitsingen!”

Superschön, leise und fein erklang das kurze Wenn ich ens nit mih existiere durch den Raum und das Publikum war superstill. Ein wunderbarer Abschluß des ersten Blocks! Nach dem letzten Ton gab es einen schnellen und stillen Abgang der Wise Guys von der Bühne nach rechts, die Zuschauer jubelten und standen auf, um so viel wie möglich von der kurzen Pause zu haben.


Wise Guys Opener
Das war gut
Wie die Zeit vergeht
Ein Herz und eine Seele
Charlie Razzamatazz
Ich bin grumpig
Wenn sie tanzt
Haarige Zeiten
Willst du mit mir gehen
Der letzte Martini
Zur Lage der Nation
Little sweet loving girl
Ohne dich
Wenn ich ens nit mih existiere

 

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