WISE GUYS TOTAL-NACHT 2004
4. Teil  “Greatest Hits”

Unter Gladiatoren-Einmarsch-Musik kamen die Wise Guys auf die Bühne marschiert und wirkten damit eindeutig eindrucksvoller, als wenn sie dazu quäkige Wir-sind-die-lustigen-Schlümpfe- Musik gewählt hätten. Sie stellten sich in einer Reihe am Bühnenrand auf, warteten heroisch, bis die Musik abbrach, und stießen ihr “Niemals aufgeben! niemals kapitulieren!” aus. Dass die Arme nicht ganz synchron waren und die Perfektion damit etwas bröckelte, tat der Sache ganz gut. Sie waren ja trotzdem die Helden des Abends.
A-cappella-Marathon-Helden in bunten Hemden.

Es ging sofort mit Probier’s mal mit ‘nem Bass los. Ferenc sang: “Bist du enttäuscht von eingebildeten Tenören?”, und eine laute Frauenstimme antwortete: “Ja!” Leider kamen noch eine ganze Weile lang viele Leute in den Saal, denen das Ende der fünfzehnminütigen Pause zu schnell gekommen war. Es gab viel Unruhe, weil sie fast alle vor der Bühne entlang laufen mussten, um durch den Mittelgang zu ihren Plätzen zu kommen. Schade, aber eine längere Pause war im Zeitplan einfach nicht drin.












Das schon anwesende Publikum versuchte sich nicht stören zu lassen und sang kräftig mit. Die Wise Guys überspielten geschickt, dass sie keinen Stuhl auf der Bühne dabei hatten, und am Ende begann Ferenc mit einem tiefen: “Wohow.....” und das Publikum setzte mit :”Yeaaaaaaaah!” ein. Dän rief in den lauten Applaus: “Wir hängen!”, guckte sich dann aber noch schnell die auf der Bühne liegenden Fehler-Strichlisten an. Etwas ungenau zählte er auf: “Drei, eins, zwei, Sari hat noch’n weißes Blatt”.

Er begrüßte die Zuschauer zum vierten Block und erklärte: “Dieser Block hat das Motto: “Greatest Hits”. Im Rahmen dessen, was wir an greatest hits in den letzten Jahren fabriziert haben, möchten wir ein sehr nachdenkliches Lied singen zum Thema Genforschung.” “Uaaaa!” brüllte das Publikum begeistert und freute sich auf Julia.













Sari sang die Leadstimme und hatte gerade den Satz: “...heraus kam ein süßes, kleines Schaf” gebracht, als laute “Määäh!”’s aus dem Saal schallten und gleichzeitig mehrere kleine Stoffschafe auf die Bühne flogen. Völlig verblüfft musste er kurz lachen, während sich Eddi und Clemens bückten, um jeweils eines der Tierchen aufzuheben. Eddi stopfte seines nach kurzem Zögern in die Hosentasche, aber Clemens versuchte geduldig es irgendwie an seinem Hemdknopf zu befestigen. Singend fummelte er vor seiner Brust herum und gab es erst auf, als er eine Hand zum Schnippen brauchte.

Im Applaus nach dem Lied gab Sari den nächsten Ton an und startete mit Eddi und Clemens sofort die Einleitung zu Mädchen lach doch mal. Dän, der gerade die Schafe von der Bühne sammelte, wurde davon etwas überrascht und eilte zum Rand, um sie dort auf dem Tisch abzulegen. Gleichzeitig wummerte er aber schon die Begleitung ins Handmikro. Das Lied war wirklich einer der greatest hits von den Wise Guys. Die Zuschauer sangen und klatschten laut mit und viele hielt es nicht mehr auf den Sitzen. Sari und Eddi hüpften über die Bühne und erinnerten damit an alte Känguruh-Zeiten, und am Ende gab es tosende Begeisterung, die durch den Saal hallte.

Clemens grinste ins Publikum: “Ihr seid wohl noch gar nicht müde, was? Das ist ja sagenhaft!” Allerdings empfahl er auch: “Es ist eine gute Idee sich wieder zu setzen, denn das nächste Lied wird ein bißchen ruhiger und gemütlicher: Alles im grünen Bereich.”

Ferenc setzte mit den Basstönen ein und lachte dabei einem zufrieden grinsenden Dän ins Gesicht. Süß!
Viele Mädchenstimmen sangen sanft mit, und ich fand wieder mal, dass einige der alten Lieder sehr viel Charme haben und eigentlich viel zu wenig zu hören sind.

Eddi machte die nächste Ansage: “Meine Damen und Herren, beobachten Sie unsere tollen Tanzschritte im nächsten Titel ....äh, ...äh, wie heißt der?” Er blickte angestrengt auf den Zettel mit dem Programmablauf: “Ah ja, unser Frühlingslied.” Der Refrain: “Anna hat Migräne!” wurde vom Publikum sehr laut mitgesungen und natürlich wurde auch die Choreographie beobachtet und bewundert.

“Wir haben bei der letzten Total-Nacht etwas ausprobiert und das hat vielen Leuten total Spaß gemacht. Jedenfalls MIR”, begann Eddi und erklärte: “Es ist relativ einfach. Wir machen...”, er sang vor: “Bum, Bum, Bum...”, und ein großer Teil der Zuschauer setzte sofort laut ein: “Badabadabada!” Eddi sagte zeitgleich noch: “...und dann macht ihr: Badabadabada”, aber es hatte sich eigentlich schon erledigt. Er wiederholte: “Badabadabada, für die Leute, die es noch nicht kennen, aber... naja.” Es schienen nicht viele zu sein. “Ich mach es noch einmal vor”, sagte er, setzte mit “Bum, Bum, Bum” ein, und der komplette Saal antwortete: “Badabadabada!” “Super!”, lobte er. “So oder so ähnlich beginnt das folgende Lied.” In diesem Moment kam Sari als Marcello Sarini auf die Bühne gestürmt, hatte ein offenes Hemd an, aber leider noch ein T-Shirt darunter. Was war los? Waren ihm Brusthaare gewachsen, die er nicht zeigen durfte? Eddi startete mit: “Bum, Bum, Bum”, die Zuschauer antworteten ihm vorschriftsmäßig, und die Wise Guys setzten nach der dritten Runde mit ihrem Anfangsakkord zu Ich will keine a-cappella ein, der ziemlich schräg daneben lag. Clemens blickte etwas entsetzt zu Eddi, der sich nach vorne beugte und lachen musste. Sie fanden sich aber alle schnell in der gleichen Tonart wieder.

Sari klappte nach den ersten Sätzen ganz lässig die Sonnenbrille zusammen und wollte sie in die Brusttasche seines Hemdes stecken. Leider hatte das Hemd keine Brusttasche. Mit coolem Blick ins Publikum versuchte er in Brusthöhe einen Halt für die Brille zu finden und packte sie nach drei Versuchen umständlich in die Hosentasche. Das Publikum lachte vergnügt und gab Extra-Applaus. Am Ende des Liedes gab es wieder mal großen Jubel und irgendwie kein Anzeichen von Ermüdungserscheinungen bei den Zuschauern.

Clemens begann ziemlich flott das nächste Lied anzusagen, und hinter ihm knöpfte sich Sari das Hemd so schnell wie möglich zu und versuchte es eilig in die Hose zu stecken, wobei er nebenbei auch noch zu Clemens fuchtelte, dass der sich etwas mehr Zeit lassen solle. Die Zuschauer johlten, und Clemens drehte sich erstaunt um: “Was hat er euch gezeigt?”

“Das nächste Lied gehörte eigentlich in den Balladen-Block”, führte Clemens seine Ansage dann endlich aus, “Ich weiß auch nicht, warum das hier gelandet ist.”
Die Wise Guys standen fast bewegungslos nebeneinander und sangen Wie kann es sein. Es war sanft, traurig und superschön. Das Publikum war ganz ruhig, sang nicht mit, sondern genoß die fünf Stimmen, die durch den Raum klangen. Erst als das Bühnenlicht mit dem Schlußton langsam runtergefahren wurde, setzte lauter Applaus ein. Toll!

Vielleicht hätte die Einteilung der Lieder in die Blöcke vorher mal genauer besprochen werden müssen, denn Clemens sagte etwas verwundert: “Das nächste Lied ist eigentlich auch balladesk und hätte in den Block mit den Comedian Harmonists Liedern gehört.” Es war Die Comedian Harmonists , ein Lied, das sehr beliebt war und darum eine Ballade UND ein greatest hit war. Andererseits wäre es ja blöde gewesen einen Block “Balladen, die greatest hits waren” zu machen, und einen, der “Balladen, die keinen großen Erfolg hatten” hieß. Um jetzt aus dieser Nummer wieder rauszukommen: Im zweiten Block wäre dann ja kein Titel drin!

Das Lied über die Comedian Harmonists war immer noch klasse. Irgendwie auch rührend, weil die Wise Guys ja ein wenig die Nachfolger der Comedian Harmonists waren. Es gab da durchaus Parallelen im Erfolg, in der Umsetzung von neuen musikalischen Ideen, der Kreativität, der Leichtigkeit und dem Humor. Ganz abgesehen von den vielen weiblichen Herzen, die gebrochen wurden. 75 Jahre vorher hatte schon mal eine Vokal-Gruppe, die nur von einem Klavier begleitet wurde, große Säle gefüllt und das Publikum zum Jubeln gebracht. Ihr Einfluß war bis heute zu spüren und hatte auch die Wise Guys mitgeprägt.

Das Publikum applaudierte am Ende sehr laut, und Eddi guckte sich den Stand auf den Strichlisten an. Während des Liedes hatte Clemens einen kleinen Patzer gehabt, der sofort als dicker Strich vermerkt worden war. Eddi erklärte: “Clemens hat aufgeholt. Clemens und ich liegen jetzt gleichmäßig in Führung mit jeweils drei Texthängern.” Clemens protestierte: “Das war kein Texthänger!” Eddi: “Doch, war schon’n Texthänger!” Clemens wandte sich an das Publikum: “Das war kein Texthänger! Es heißt: ‘Man ZIEHT sich Wochenend und Sonnenschein’, ich hatte: ‘Man PRÄGT sich Wochenend und Sonnenschein’!” Eddi widersprach energisch: “Du hattest: ‘Man PRRRRRRRT sich...’!”, was die Diskussion mit Gelächter beendete.

Eddi bemerkte, dass die nächsten drei Lieder neu wären, aber vielleicht trotzdem einmal zu den greatest hits gezählt werden könnten. “Und das erste heißt: Du gehst mir..... Es ist ‘ne Uraufführung! Daniel? Ja, es ist ‘ne Uraufführung. Es heißt: Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf .” Sari hatte die Leadstimme, die durch extrem viel Text auffiel, der dazu an manchen Stellen auch noch extrem schnell gesungen werden musste. Mehrere Silben auf einen Schlag waren völlig normal. Der Rhythmus zog kräftig los, und das Publikum ging gut mit.













Nur einmal kam Sari ganz kurz aus dem Tempo, als er den Satz: “Ich sprech’ zu schnell und du zu laut” begann mit: “Ich sprech zu lau...”, und schnell weiterholperte mit: “schnellundduzulaut”. Da das ganze auf nur zwei Schläge verteilt werden musste, war es knapp und Sari lachte kurz auf. Aber trotzdem: Großes Kompliment! Ein süßes Lied und klasse ausgeführt!

In den Jubel hinein begann das nächste Stück: Wo der Pfeffer wächst. Die Strophen waren sanft, leise und fast balladenhaft und damit ein starker Kontrast zum Refrain, der mit gewaltigem Rhythmus abzog und ganz andere Emotionen zeigte. Enttäuschung, Wut und sogar Hass waren zu spüren, als Dän lossang, und obwohl ich normalerweise nicht begeistert bin, wenn ich einem wütenden Mann gegenüberstehe, gefiel mir der laute Ausbruch sehr gut. Es war heftig, aber immer noch nicht zu viel! In halber Kraft gesungen ist das lange nicht so überzeugend, wie mit voller Ladung Wut im Bauch.
Sehr beeindruckend, besonders weil man dem sonst so ruhigen, kontrollierten Dän einen solchen Ausbruch gar nicht richtig zutraut. Große Klasse!

Sofort ging es weiter mit Einer von den Wise Guys, das die Emotionswogen wieder glättete. Eine schöne Geschichte, die viel Gelächter auslöste. Bei der “Pinkelszene” gab es lautes Geschrei, als ob es gerade echt passieren würde, und aus dem Saal klang immer wieder fröhliches Lachen. Alle drei Lieder wurden sehr bejubelt und kamen wirklich gut an, so dass sie ihren Platz im “Greatest Hits-Block” durchaus bestätigten.

Clemens rückte den Ruf der Wise Guys etwas zurecht: “Die nächste Nummer ist ein wahrer Etikettenschwindel, weil wir nämlich immer behaupten, dass wir damit die Herzen der Frauen erreichen und von Angeboten überschwemmt werden. Das Einzige, was wir wirklich bekommen, in schöner Regelmäßigkeit, sind KEKSE!” Auch das Publikum bekam Kekse, nämlich die Chocolate Chip Cookies. Allerdings war ganz klar zu merken, dass es bei vielen weiblichen Zuschauern irgendwie nicht nur um’s Backen ging.

In den lauten Endapplaus hinein begannen die ersten Töne von Jetzt ist Sommer, die das ungeordnete Klatschen sofort in rhythmische Bahnen brachten. Die Zuschauer sprangen unter lautem Geschrei von den Stühlen hoch und feierten singend und klatschend mit. Superstimmung im Saal und keine Anzeichen von Erschöpfung, sondern donnernde Lautstärke. Dän forderte danach auf: “Bleiben Sie stehen”, denn es kam das Stück Sing mal wieder, bei dem man zum Abschluß des vierten Blockes  mitmachen konnte.

Schon von der ersten Zeile an wurde laut mitgesungen. Im Mitsingteil rief Eddi nach dem ersten Versuch: “Hinten auch! Nicht nur die Fans hier vorne!”, und ein sehr lauter Chor antwortete ihm auf jedes Vorsingen.













Abwechselnd sang Eddi auf der einen Seite des Saales und etwa 1000 Zuschauer auf der anderen Seite. Alle hatten Spaß, und am Schluß gab es lauten Jubel, die Wise Guys gingen zur Seite ab und das Publikum begab sich aufgedreht und sehr wach in die letzte Pause.


Probier’s mal mit ‘nem Bass
Julia
Mädchen lach doch mal
Alles im grünen Bereich
Frühlingslied
Ich will keine a-cappella
Wie kann es sein
Die Comedian Harmonists
Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf
Wo der Pfeffer wächst
Einer von den Wise Guys
Chocolate Chip Cookies
Jetzt ist Sommer
Sing mal wieder


 

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