Sonntag, 28. Januar 2007
Die WISE GUYS im Millowitsch-Theater, Köln

Der Papst kütt!”, hieß das aktuelle Stück des Millowitsch-Ensembles und das Bühnenbild zeigte hohe Bogenfenster und wirkte sehr kirchlich. Leider war es komplett von schwarzen Vorhängen verdeckt, hinter denen sogar noch einige eng aneinander gerückte Möbelstücke standen, so dass die für die Wise Guys verbleibende Bühne noch kleiner als sonst war. Und weniger originell, als sie hätte sein können. Gleich hinter der Bühne hingen einige Kostüme des Papst-Stückes an einem Kleiderständer und die Wise Guys hätten die Möglichkeiten nutzen können, ein völlig außergewöhnliches Konzert auf die Bühne zu bringen. Tür auf, Tür zu, Papst rein, Sari raus. Nun ja. Für gutes Boulevard-Theater mit perfektem Timing muss man üben, und dazu war im Vorfeld vermutlich keine Zeit geblieben. An diesem Abend also nicht “Der Papst kütt und fängk an ze singe!”oder “Eddi wird Papst”, sondern “Die Wise Guys”.

Die kuschelige Atmosphäre im kleinen Millowitsch-Theater machte gute Laune. Weich gepolsterte, rote Stühle, ein hoher Raum, der Platz für eine schmale, umlaufende Galerie bot  und altmodisches Theaterambiente, das ich viel schöner, als moderne, kühle Architektur fand. Die erste Sitzreihe befand sich unmittelbar vor der hohen Bühne, und nachdem ich einmal dort gesessen hatte - damals noch, um ein Stück mit Willy Millowitsch zu sehen - wusste ich, dass die Kenner erst ab Reihe 3 sitzen, weil das für die Nackenmuskulatur besser ist.

Weil es ein Sonntag war, begann das Konzert um 18 Uhr, was viele Zuschauer als angenehm empfanden, was für mein inneres Gefühl aber trotzdem ungewohnt war. So als würde man um 10 Uhr 30 mittagessen. Das ging, war aber irgendwie falsch. Na, Hauptsache, es schmeckt, könnte man auf das frühe Mittagessen bezogen sagen.

Wie üblich kam Eddi zu Beginn des Konzertes allein auf die Bühne. Er wurde mit langem Applaus begrüßt, startete endlich mit seiner ersten Strophe vom Opener A und kam mir sehr entspannt und lässig vor. So als würde der Auftritt in diesem kleinen Saal gar nicht wie ein richtiges, großes Konzert für ihn sein, sondern ein fast privater Wohnzimmerbesuch. So beeindruckend auch für die Wise Guys Riesenhallen sein mögen, so ist es doch sicher auch wunderbar, dann mal wieder einen begrenzten Raum vor sich zu sehen und auch die Gesichter in der letzten Reihe zu erfassen.

Sari kam dazu, wurde ebenfalls mit viel Applaus begrüßt, und sie sangen zu zweit weiter. Melodisch sehr schön, allerdings mit textlichen Differenzen im vorletzten Satz, als Eddi “nicht ganz allein hier steh’n” und Sari gleichzeitig “nur zu zweit hier steh’n” wollte. Netterweise verstand man beides und es erschien logisch. Die hatten den gleichen Wunsch und drückten ihn nur etwas anders aus. Clemens grinste breit, als er danach die Bühne betrat und warf ihnen einen längeren, sehr amüsierten Blick zu, bei dem er nichts sagte, der aber deutlich: “Was habt ihr denn schon wieder gemacht, ihr Heios?” aussagte. Lippenlesen ohne Lippen sozusagen.

Riesenapplaus dann auch, als Ferenc zur nächsten Strophe dazu kam, und er stand jubelumbrandet, bevor er noch irgendeinen Ton gesungen hatte. Vermutlich hätte er stumm abgehen können und die Massen hätten begeistert getobt. So weit muss man es erstmal bringen. Er hatte allerdings auch eine neue Jacke an, so dass der Jubel vielleicht auch dem Kleidungsstück galt. Die Jacke war zwar Bühnenoutfit, sah in meinen Augen aber ein wenig so aus, als würde Ferenc jeden Augenblick nach einem Rucksack greifen und rausgehen. Sie passte mehr zur Trekkingtour in kühler Luft, als zum warmen Scheinwerferlicht auf der Bühne. Ich könnte mir gut vorstellen mit Ferenc, wenn er diese Jacke trägt, einen netten Waldspaziergang zu machen, aber die Chance habe ich mir mit dieser Kritik jetzt wohl endgültig verbaut. Naja, egal. Vermutlich habe ich einfach nur in Modefragen keine Ahnung. Soll er doch in Jacke singen, wenn es ihm gefällt. Vielleicht kommt mal einer der Wise Guys in Gummistiefeln auf die Bühne, wäre doch auch nett. Noch während des Ferenc-Begrüßungs-Applauses blickte Sari ihn an und gab mit einer anerkennenden Handbewegung zu verstehen, dass er toll gekleidet sei, woraufhin nicht nur das Publikum loslachte, sondern auch Ferenc.

Als Dän die Gruppe vollständig machte - natürlich auch wieder von Jubel begleitet - und es übergangslos in den Opener B ging, war klar, dass die gesamte Gruppe eine optische Erneuerung hinsichtlich der Kleidung durchgemacht hatte. Sah im Stil allerdings genau wie vorher aus, was auch gut war, denn das passte zu ihnen. Und ob Sari nun ein blaues oder ein braunes T-Shirt trug und Eddi ein kariertes Hemd über dem T-Shirt anstelle des T-Shirtes ohne Hemd, fand ich nicht so wirklich wichtig. Hauptsache, die Farben passten weitgehend zusammen und es wurde nicht schreiend bunt.




Das Publikum freute sich jedenfalls, vermutlich aber mehr über die Wise Guys als über die Klamotten, klatschte beim Refrain im Takt mit und war hörbar gut gelaunt. Die Scheinwerfer auf der kleinen Bühne strahlten hell und machten alles schön bunt, der Ton war sehr angenehm und es war völlig egal, dass es erst kurz nach 18 Uhr und damit ungewohnt früh war.

Dän musst nach dem Lied abwarten, bis das Geklatsche endlich versiegte und er die Zuschauer zum ersten der drei Millowitsch-Konzerte im Jahr 2007 begrüßen konnte. Er erzählte, dass das kleine Theater einer ihrer Lieblingsauftrittsorte war, weil es eine so familiäre Atmosphäre hatte und wies darauf hin, dass die Bühne noch kleiner als sonst war, weil die Techniker vorsichtshalber das Bühnenbild abgehängt hätten, “damit wir es nicht zerstören während des Konzertes - und um die außerordentlichen Effekte unserer zigtausend von Euro teuren Lichtanlage besser zur Geltung kommen zu lassen”. Es war übrigens ihr 40. Konzert im Millowitsch-Theater seit ihrem ersten Auftritt 1998, wie er später erwähnte.

Er wies darauf hin, dass sie neue Klamotten hätten, was vom Publikum mit jubelndem Applaus begrüßt wurde. Ich grinste vor mich hin, denn diese Klamotten hätten sie auch vor zwei Jahren neu haben können und dafür die vom letzten Jahr jetzt neu, und die Zuschauer würden keinen großen Unterschied sehen und trotzdem jubeln. War ein bisschen wie “Des Kaisers neue Kleider”. Alle staunten, aber es gab keinen richtigen Grund. Ich hatte zum Beispiel auch ein neues T-Shirt an, aber weil es so ähnlich war wie meine alten T-Shirts, jubelte mich auch keiner an, als ich durchs Foyer lief. Die Wise Guys wurden jedenfalls donnernd beklatscht, als hätten sie die Sachen auf stundenlangen Touren im Bus selbst genäht. Als Dän erwähnte, dass sie nicht alleine einkaufen waren, sondern eine Beraterin dabei hatten, wunderte ich mich allerdings doch etwas. Es sah ja gut aus, was sie an hatten, aber es war im Stil genau das, was sie auch sonst trugen. Was hatte die Beraterin gesagt: “Kauft ein wie immer” und “Ferenc, du siehst so verfroren aus, zieh doch mal eine Jacke über”? (Sorry, ich scheine den Ernst der Lage nicht zu verstehen.)

Dän erklärte, dass die Show mit einer Videokamera aufgenommen wurde, was nicht für eine neue DVD gemacht wurde, sondern weil sie die Choreographie ansehen und Fehler bearbeiten wollten. Er blickte zu Sari und Eddi und grinste: “Der Anfang hat ja schonmal super geklappt” woraufhin das Publikum laut loslachte und Eddi verschämt die Augen bedeckte.

Mit Denglisch ging es weiter und es zeigte sich, dass die neuen Klamotten - wie die alten - für alle Arten von ausholenden und akrobatischen Bewegungen geeignet waren.




“Thank you, thank you very much”, bedankte sich Dän nach ‘Denglisch’ unpassend zur Liedaussage, aber passend für seine renitente Art für den Applaus.

Die Zuschauerbefragung im Licht des alten Kronleuchters zeigte, dass es nur noch wenige Erstbesucher, dafür aber viele Mehrfachkonzertgänger gab. Ein weiblicher Zwischenruf unterbrach Dän mitten in einer Frage: “Kommt öfter nach Frankfurt!” Er starrte in den Saal, wiederholte bedächtig: “Kommt öfter nach Frankfurt”, setzte ein langsames “Jaaaa” dahinter, drehte sich zu seinen Kollegen um, guckte sie nachdenklich an und wiederholte erneut: “Kommt öfter nach Frankfurt”. Nach kurzem Überlegen stellte er fest: “Der Satz hat kein Subjekt”, was so unerwartet kam, dass es lautes Gelächter beim Publikum und auch bei seinen Kollegen gab. Etwas nachlässig drehte er sich zur Zwischenruferin, ließ ein abschmetterndes “Können wir nachher noch drüber reden” ab und machte mit der Befragung weiter.

Als er feststellte, dass es im eigentlich ausverkauften Theater vorne zwei freie Plätze gab, verteilte er die sofort, wurde zum Platzanweiser, wies die halbe Reihe an aufzustehen, damit ein Zuschauer aus den hinteren Reihen nach vorne kommen konnte und ermahnte: “Vertragt euch!” Dann konnte er sich die Chance nicht entgehen lassen, über die einzelnen neuen Outfits abstimmen zu lassen. Mit der Applausstärke sollte das Publikum bekunden, welcher Wise Guy die beste Kleidung hatte.

Bei Ferenc klatschen alle wild los, bei Eddi war es etwas weniger, bei Clemens dafür noch mehr und bei Sari auch so laut, dass Dän ermahnte: “Die Fragestellung war nicht, wer Sari allgemein süß findet! Es geht um die Klamotten!” Bei ihm selber wurde dann ähnlich wie bei Eddi geklatscht, was ihm genügte. Clemens begann unruhig zu laufen und hopste dabei fast auf und ab. Dän guckte ihn aufmerksam an und vermutete: “Du fühlst dich als Sieger?”, aber Clemens wollte nur, dass das Konzert endlich weiter ging und drängte ein wenig. Das Publikum hatte allerdings Spaß beim Abstimmen und fand es gar nicht so dringend.

Dän fügte schnell noch ein, dass Clemens hohen Blutdruck habe und immer weitermachen müsse, sonst würde ihm das Blut in die Adern hochpumpen... und er stellte mit leichten Handbewegungen dar, wie explosionsartig Fontänen aus der Schädeldecke kamen, und während Clemens noch lachte, rief Dän: ”Mädchen lach doch mal” und es ging los. Mitreißend wie immer und vielen Zuschauern bekannt. Danach kam Sie bricht mir das Herz, das von Sari so mitleiderregend gesungen wurde, dass man ihm den Seelenschmerz fast abnahm.








Es gab wieder langen Applaus nach dem Lied und als der aufhörte, trank Dän gerade Wasser aus der Flasche. Er setzte ab, machte “Ähm”, es würde ganz still im Saal und er schlug mit leicht vorwurfsvoller Stimme vor: “Tja, immer wenn Sie gerade merken, dass keiner redet, sondern nur einer Wasser trinkt, dann könnten Sie ein bißchen weiterklatschen!” Im aufbrandenen Applaus trank er demonstrativ noch einen Schluck aus der Flasche und nickte anschließend: “Sehr nett, vielen Dank.” Mit Chefton wandte er sich an seine Kollegen: “Wir hatten eigentlich vereinbart, dass vorher eingeschenkt wird in die Wassergläser.” Eddi kam auf ihn zu: “Mach doch die Flasche auf!” Gespielt gereizt antwortete Dän: “Mach ich doch gerade! Aber da ist ein Deckel drauf, der geht ziemlich schwer auf...” und er motzte über die Wassermarke, nannte aber sofort zwei andere Marken, die genauso schlecht wären. Währenddessen hatte er die Flasche geschickt an Eddi übergeben, der die Arbeit übernahm und am Tisch brav alle Wassergläser füllte, während Dän nach vorne zum Bühnenrand schlenderte und weiter moderierte.

Mit Reggaetönen wurde Jeden Samstag gebracht, wobei mir das diesmal eher “zickig”, wie es mein alter Saxophonlehrer bezeichnet hätte, vorkam, als karibisch lässig.



Dann doch lieber etwas langsamer und immer mit der Vorstellung gesungen, man hätte grün-gelb-rote Strickmützen auf dem Kopf, lange Rastalocken und säße bei Sonnenschein und mit endlos viel Zeit zwischen Palmen am Strand. Auf die Rauchwaren will ich dabei gar nicht eingehen. Und ich möchte jetzt nur auf die innere lässige Grundstimmung hinweisen und auf keinen Fall ein neues Outfit vorschlagen!



                     Oh, sorry!



Diesmal flitzte Dän nach ‘Jeden Samstag’ bei beginnendem Applaus los, um zu trinken, und da er sich beeilte und alles trinkfertig in Gläsern auf den Seitentischen stand, klatschte das Publikum sogar noch, als er schon wieder zurück zur Gruppe kam. Mit gutem Willen von allen Seiten war das schon zu schaffen.

Als plötzlich späte Zuschauer zu ihren Plätzen in den vorderen Reihen eilten, begrüßte Dän sie natürlich sofort, damit das Ganze nicht unauffällig ablaufen konnte. “Was war los bei euch?” erkundigte er sich zur Freude der anderen Zuschauer und wiederholte sofort die wichtigsten Details. “Theater nicht gefunden... Kölner gefragt... Anderhalb Stunden gebraucht... Autobahn. Von der Autobahn bis hierher wegen Stau... Und dann Kölner gefragt, der euch falsch geschickt hat...” Er stellte mitleidig fest: “Also alles richtig Scheiße gelaufen.” Nett lächelnd begrüßte er die beiden mit einem “Herzlich willkommen, ihr habt noch nicht so viel verpasst!” und schob mahnend hinterher: “Aber da müsst ihr beim nächsten Mal doch etwas früher los fahren!”, was beim Publikum sofort wieder einen Lachanfall auslöste.

Von 1997, also schon recht alt, aber immer noch wunderschön, war Wie kann es sein, bei dem es im Zuschauerraum andächtig still blieb.






Einige Sekunden blieb es nach dem letzten Ton noch ganz ruhig, er verklang leise, dann ging erst lauter Applaus los. Kompliment an das Publikum, bei dem nicht begeisterte Teenieschreie störend in den letzten Akkord gellten.

Clemens sagte das nächste Stück an und fand es gut, dass es wieder ein Lied über das Verlassen werden war, weil damit die traurige Teil des Programmes vorbei sei. Warum hast du das getan, oder Klinsi , manchmal auch genannt Klinsi, warum hast du das getan war wirklich dramatisch und löste tiefes Mitleid für Sari aus.








Ehrlich gesagt finde ich ja das synchrone Kopfschütteln bei “gewinn’n sie nicht mal gegen Österreich” ziemlich blöd, aber mich hat dazu nie jemand gefragt und da der Rest der Choreographie sehr schön ist, gucke ich an dieser Stelle einfach weg und tu so, als sei das Kopfschütteln nicht da. Ich finde, es sieht etwas albern aus und nimmt der Sache den Ernst.

Natürlich jubelte das Publikum am Ende los, und Sari spielte seine Hoffnungslosigkeit auch im Applaus weiter aus und war richtig bemitleidenswert und süß. Aber es durfte ja keiner klatschen, weil er süß war, wenn ich das richtig verstanden habe. Schließlich ging Sari augenreibend und sehr traurig zur Seite, während Eddi dem Publikum erklärte: “Ich bin sicher, dass es ihm nach heute abend viel besser gehen wird”, was beim Anblick von Sari überhaupt nicht sicher erschien und vom Publikum mit Gelächter quittiert wurde.

Buddy Biber war im Millowitsch-Theater auch darum klasse, weil die Mimik der Comicsänger endlich mal von allen Besuchern zu erkennen war. In großen Hallen ging da ein wichtiger Teil auf dem Weg nach ganz hinten verloren und kam bei der großen Entfernung nicht an. Merke: Mimik ist nur für Kurzstrecken geeignet, dann aber klasse.









Ohne weitere Ansage ging es mit Lebendig und kräftig und schärfer weiter.










Wo der Pfeffer wächst hatte eine schöne Mischung aus Sanftheit in den Strophen und Wut in den Refrains, und ich sagte mir, dass der Blick des sonst so netten Leadsängers, der bei seinem wütenden Schlußsatz eindeutig auf mir ruhte, nur so eindeutig schien, weil ich ziemlich mittig ganz am Ende des Saales saß. Der hätte jeden so angeguckt, der mittig saß.
 





Vielleicht sollte ich das mal austesten und mich bei einem Konzert ganz vorne an den seitlichen Rand setzen. Sollte der letzte Satz dann trotzdem genau in meine Richtung gesungen werden, könnte ich mir immer noch Gedanken machen.

Der lange, starke Applaus zeigte, dass das Lied immer noch sehr gut ankam, auch wenn es schon auf der vorletzten CD zu hören und damit nicht mehr neu war. Da es eines meiner Lieblingslieder war, freute ich mich, dass es immer noch im Programm war. Auch wenn das mit den “Lieblingsliedern” langsam unübersichtlich wurde, weil es immer mehr wurden. “Eines meiner 100 Lieblingslieder” kann ich vielleicht demnächst mal sagen, wenn das Repertoire der Wise Guys weiterhin in diesem Tempo vergrößert wird.

Dän wies mal wieder darauf hin, dass er niemanden bei der letzen Zeile bewußt angeguckt hätte... Ja, ja.

Um die außergewöhnlich schönen Kleidungsstücke zu zeigen, die es am Artikelstand gab, wurde Sari zum umjubelten Model, wobei ich befürchte, dass das Publikum größtenteils doch wieder klatschte, weil er so süß war und weil er einen sexy Hüftschwung drauf hatte und nicht, weil der Rucksack so schön schwarz war.






Das letzte Lied vor der Pause war Schunkeln, bei dem Clemens seinem Blutdruck freie Bahn ließ und die vorher von Dän so anschaulich gezeigten Fontänen kurz vor dem Losplatzen schienen.







Das Publikum schunkelte zu großen Teilen freudig mit und jubelte am Ende laut. Die Wise Guys gingen ab und Ferenc konnte endlich seine warme Survival-Jacke ausziehen - um sie gegen die noch wärmere Anzugjacke zu tauschen.

Zum zweiten Teil betraten die Wise Guys unter dem anerkennenden “Oh!” des Publikums die Bühne in ihren schwarzen Anzügen. Wenn schon neue Klamotten, dann richtig, schienen sie gedacht zu haben und hatten neue Hemden gekauft. Von meinem Platz aus konnte ich nicht erkennen, ob die Anzüge auch neu waren, auf jeden Fall sahen sie aus wie immer.

Die Beraterin schien bei der Hemdenauswahl allerdings keine genaue Richtung vorgegeben zu haben, so dass vom Bewerbungs-Style (Clemens: weißes Hemd), über cool (Sari: braunes Hemd), noch cooler (Dän: beige-graues Hemd) bis zu Back-to-the-roots-wir-mögens-knallig (Eddi: rot und Ferenc: gelb-orange) alles dabei war. Eine bunte Mischung, zum Glück nicht noch mit bunten Mustern.
(Es tut mir Leid, dass Ferenc bei mir optisch auch in der zweiten Hälfte nicht vorne landete, aber er hätte nur das beige-graue Hemd vom Dän anziehen müssen, und schon wäre er “noch cooler” gewesen. Und in der ersten Hälfte vielleicht das Hemd vom Clemens. Und die Jacke dann auf dem Nachhauseweg.)

Wäre ich Kleidungsberaterin, hätte ich allen Hemden die Farbe vom Dän-Hemd oder wenigstens ähnliche Farbtöne verpasst, die ich in dieser Kombination wirklich lässig und cool fand. Leute mit den Lieblingsfarben Rot und Gelb-orange mögen das anders sehen. Die Zuschauer jubelten auf jeden Fall laut und ausgiebig, und es war nicht zu erkennen, ob sie einzelne Hemdfarben oder die Gesamtheit der Palette beklatschten. Vielleicht auch nur den süßen Sari. Fiel in der Masse ja nicht weiter auf, was man genau meinte.

Aus Clemens, dem fast explodierenden Schunkel-Hasser war ein inzwischen ein melancholischer Mensch geworden, der bei Das wär’s gewesen über die verpassten Möglichkeiten sinnierte. Sehr ruhig und sehr schön.




Sofort danach Radio, das ja wieder eines meiner bekannt vielen Lieblingslieder war, wobei das wirklich sehr weit vorne in der Liste steht. Ich liebe die ruhige, ein wenig melancholische, fast müde Stimmung, die trotzdem Kraft, Mut und Energie zeigt.




Der sehr lange Applaus zeigte, dass das nicht nur mir so ging und dass das Lied auch bei anderen in den Top-100-Lieblingsliedern sein musste. Dän konnte ein Strahlen nicht unterdrücken und war sichtlich erfreut, dass das Publikum so deutlich seine Zustimmung zeigte. Natürlich konnte er es nicht lassen auf die neuen Hemden hinzuweisen, aber ER konnte sich das bei seiner Hemdfarbe auch erlauben. Er wies Eddi darauf hin, dass dessen Hemd schon “knüddelte”, und während der an seinem Oberteil herumzupfte, um es möglichst wieder faltenfrei zu haben, moserte Dän darüber, dass im neuen Designkonzept die Hemden in die Hose gesteckt werden mussten. Tja, fand ich auch nicht nötig. Die Anzüge war elegant genug, um ein lockeres Hemd zu vertragen, aber ich war ja schon froh, dass die schwarzen Hemden vorerst raus waren, die mich immer an das Messeoutfit von Geschäftleuten erinnert hatten. Aktentasche unter den Arm, ab auf die nächste Messe und die Wise Guys wären anonym in der Masse der Jungunternehmer verschwunden. Irgendwie beiße ich mich gerade in der Kleidungsfrage fest, stelle ich fest, aber ehe ich das aufhöre, muss ich noch loswerden: Ich finde Clemens’ rot glitzernde Gürtelschnalle, die er immer noch trägt, völlig geschmacklos, aber total witzig, cool und vor allem bühnengeeignet. Und jetzt warte ich den Aufschrei einiger Leserinnen ab und fahre dann fort im Bericht.

Auch Dän brach die Kleidungsfrage ab: “Ist ja alles sekundär, denn wir sind hier ja nicht zum Gutaussehen, sondern zum Singen”. Das taten sie mit Relativ , das nicht nur relativ gut, sondern sehr gut ankam. Was für ein süßes Lied. Dän erklärte danach sicherheitshalber: “Das war das Lied ‘Relativ’”, was vergnügtes Gelächter auslöste, weil dieses Wort im Text etwa hundermal vorkam.   




Mit Das bedeutet Krieg kam eine mächtige Lightshow mit flackernden Lichtern auf die kleine Bühne und danach wieder eines meiner inflationären Lieblingslieder: Paris. Ich grinste vor mich hin und freute mich jetzt schon auf mein baldiges Privat-Wochenende in Paris, bei dem ich versuchen würde im Grand Café dem Kellner auszuweichen und mich mit Chantal über den deutschen Lockenkopf zu unterhalten, der sie dort mal vollgequatscht hatte. Ich muss bis dahin dringend noch nachsehen, was ‘Lockenkopf’ auf französisch heißt!






Es gab wieder großen Jubel am Schluß, der dem Lied, aber auch der tollen Choreografie galt. Wunderschön! Beides. Und die Wise Guys sowieso. Trotz der Hemdfarben.

Den abrupten Stimmungswechsel gab es mit Das Allerletzte, was mir mit dem starken Rhythmus immer wieder sehr gefiel und mich nie ruhig auf dem Sitz sitzen ließ. Vor allem war es keine Musik, die man mit A-cappella in Verbindung bringen würde.




Es ging mit Sing mal wieder weiter, bei dem Eddi als Vorsänger viel vom willigen Publikum forderte. In diesem kleinen Raum hörte sich das ziemlich gut und vor allem kräftig an.




Wie immer tobten die Zuschauer nach diesem Lied los, obwohl, oder gerade weil?, sie es zu großen Teilen selber gesungen hatten. Ich wusste es inzwischen, aber ich grinste immer noch darüber. Die Wise Guys mit Publikumsgesang schienen erfolgreicher zu sein als alleine. Würden die Zuschauer noch tosender jubeln, wenn die Wise Guys gar nicht mehr mitsingen würden?

Um den Kick noch zu steigern mit der einzigen Möglichkeit, die es dazu gab, wie Eddi erklärte, war danach Ferenc mit seinem Lied Tiefgang dran. “Ferenc Husta!!” brüllte Eddi noch, da ging schon der Applaus los und Ferenc’ erste Zeile wurde komplett vom Lärm verschluckt. Schlagartig wurde es aber zur zweiten Zeile still, weil man SAH, dass Ferenc sang und es auch HÖREN wollte.










Trotz des gelb-orangen Hemdes war der Applaus für Ferenc lang und laut, was ein bißchen meine Theorie über den Zusammenhang von Coolness und Kleidungsfarbe über den Haufen warf. War Ferenc so beliebt, dass das Publikum TROTZ des Hemdes klatschte, oder klatschte es WEGEN der gut sichtbaren Signalfarbe? Wieso nutzte Dän die Zuschauerbefragung eigentlich nie, um solch wichtige Zusammenhänge zu klären?

Während Dän danach noch über die enthemmte Stimmung auf Stehkonzerten sprach, bei denen Kinderstimmchen den Refrain von ‘Tiefgang’ mitpiepsten, zog Eddi hinten auf der Bühne sein Jackett aus und legte es an die Seite. Im knallroten Hemd stand er da, und als Dän sich zu ihm umdrehte, stockte der sofort und klagte: “Ja, das ist jetzt natürlich doof, wenn du das Jackett schon aus hast! Das haben wir nicht durchgedacht.” Irgendwie schien es nicht in das weitere Programm zu passen.




Dän überlegte: “...Oder du musst schnell das schwarze anziehen...”, dabei fiel sein Blick auf Clemens und er sagte spontan: “Der Clemens erinnert mich total an Oliver Geissen”. Clemens guckte fragend. “Das ist ein Moderator bei RTL. Der ist ganz nett. Die Sendung ist scheiße, aber er ist OK.” Oliver Geissen?? Nur weil Clemens jetzt ein helles Hemd zum dunklen Anzug trug? Oder weil die Haare strubbelig nach oben standen? Ich als Oliver Geissen Fan hatte Clemens bis dahin nur für Clemens gehalten und wäre niemals auf diesen Vergleich gekommen. Vielleicht, weil Oliver Geissen immer verschmitzt lächelt und nie so trübselig in die Gegend starrt, wie Clemens, der das ja leider beruflich machen muss. “Warum gucken Sie so traurig?” “Ich singe bei den Wise Guys.” “Ahso.”

Der grandiose Abschluß des Konzertes war eine “Granate”, wie Dän ankündigte, “ein Welthit”, was angeblich nicht am Text und nicht an der tollen Choreografie lag, sondern an der Musik. “Urteilen Sie selbst!”, verlangte er, nahm seine Position auf der Bühne ein und das Licht wurde runter gedreht. Schiller war dran, mit Eddi in der Leadstimme und mit einem Zwischenteil, in dem Ferenc auf beeindruckende Weise einen Teil der ‘Bürgschaft’ rezitierte.








Eine wirklich spannende, witzige und sehr treffende Vorführung, die supergut war und bei der die Musik, die nicht von den Wise Guys war, an einen Welthit erinnerte. Bei den ersten Geräuschen gab es noch Lacher im Publikum, die aber schnell von konzentrierter Spannung ersetzt wurden, welche nur noch an passenden Stellen von kurzem Gelächter unterbrochen wurde. Für die Zombieschritte in gebückter Haltung gab es Szenenapplaus, genauso wie für den Moonwalk, der von Eddi inzwischen immer souveräner gemacht wurde, und ich selber lachte mich fast weg beim gemeinsame Griff in den Schritt. Also jeder griff selber in den eigenen, nicht alle zusammen in einen anderen Schritt, ehe es hier jetzt interessierte Nachfragen gibt!

Der Jubel nach dem Lied war extrem laut und extrem begeistert. Was für ein Abschluß! Eddis rotes Hemd sah bei diesem Lied übrigens richtig gut aus und passte perfekt zur Stimmung, was für mich aber kein Argument wäre, es dafür auch bei den zehn anderen Liedern zu tragen, wo es farblich nicht so überzeugend agierte.

Nach einem kurzen Abgang kamen die Wise Guys zurück, um Nur für dich zu singen. Clemens sah jetzt ganz sicher überhaupt nicht mehr wie Oliver Geissen aus und Dän erwähnte es auch nicht nochmal. Dafür verwandelte sich Clemens im Verlauf des Liedes plötzlich in eine Art Latin Lover, der zwar blond war, aber in schwarzer Hose und dem weißen Hemd irgendwie an einen Tangotänzer erinnerte. Mich jedenfalls, auch wenn ich so auf Anhieb gar nicht weiß, ob ich überhaupt einen Tangotänzer kenne. Wenn, dann steht der auf jeden Fall auch mit weit offenem, weißen Hemd, ausgebreiteten Armen und strahlendem Lachen da.






Der Sprühregen beim letzten Ton muss übrigens locker bis in Reihe 3 gereicht haben. Na, dafür waren die Karten da auch etwas preiswerter als in den Reihen dahinter.

Die Wise Guys gingen ab und im Applaus starteten plötzlich laute Zugaberufe im Publikum, die die Wise Guys auch sofort auf die Idee einer Zugabe brachten. Jetzt ist Sommer riss die meisten Zuschauer von den Sitzen und ich beopbachtete fasziniert die Lichtshow, die grüne, drehende Strahlenkreise auf den Bühnenhintergrund brachte. Ich fand die zwar irgendwie albern, aber sie erinnerten mich durchaus an im Wind wehende, zerfranste Palmenblätter und damit an Urlaub. War vielleicht doch gar nicht so schlecht. Seltsamerweise hatten Eddi und Clemens am Strand plötzlich ihre Jacketts wieder an, die sie doch vorher schon erleichtert abgelegt hatten. Vielleicht weil Eddi Angst vor Däns Bemerkungen hatte - und Clemens wollte vermutlich wieder wie Oliver Geissen aussehen.




Mit einer gemeinsamen Verbeugung verabschiedeten sich die Wise Guys, kamen aber dann doch nochmal zurück, um Ruf doch mal an zu singen.




Diesmal waren Sari und Eddi jackettlos und ich gab es auf, darin irgendeinen nachvollziehbaren Sinn zu sehen. Vermutlich war dem einen mal warm, dem andere nicht. Darum hatte Sari vielleicht auch als einziger Sänger nicht nur das Jackett ausgezogen, sondern inzwischen auch das Hemd nicht mehr in der Hose.






Am Ende gab es nochmal viel lautes Gejubel, Geschrei und Applaus vom begeisterten Publikum, und die Wise Guys gingen lächelnd und etwas müde ab, auch wenn es gerade mal halb 9 war. Um diese Zeit waren sie sonst erst in der Mitte der ersten Hälfte angelangt. 


Fazit: Auch ohne Papst war es ein sehr gelungenes Konzert in wunderschöner Atmosphäre. Ich würde die Survival-Jacke gegen eine dünnere und die kräftigbunten Hemden gegen dezent-coolere austauschen und finde den Rest optisch sehr schön. Sowohl Klamotten, als auch Wise Guys. Aber ich würde auch Spaß haben, wenn sie alle in Gummistiefeln auf der Bühne ständen.



Opener A
Opener B
Denglisch
Mädchen lach doch mal
Sie bricht mir das Herz
Jeden Samstag
Wie kann es sein
Klinsi
Buddy Biber
Lebendig und kräftig und schärfer
Wo der Pfeffer wächst
Schunkeln

Das wär’s gewesen
Radio
Relativ
Das bedeutet Krieg
Paris
Das Allerletzte
Sing mal wieder
Tiefgang
Schiller
Nur für dich
Jetzt ist Sommer
Ruf doch mal an


 

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