Sonntag, 7.Oktober 2002
Die WISE GUYS in der Festhalle, Elsdorf

Mit dem Ort “Elsdorf” hatte ich irgendwie Probleme. Der Name kam mir vertraut vor, darum glaubte ich, dass er ganz in meiner Nähe lag und bestellte einfach Konzertkarten, ohne vorher einen Blick in den Auto-Atlas zu werfen. Allerdings sprach ich danach immer wieder von “Sindorf” und grübelte schließlich sogar, ob es nicht doch “Alsdorf” war, das ganz woanders lag. Kurz vor dem Konzert informierte ich mich endlich mal genauer, denn es hätte glatt sein können, dass es ein Dorf irgendwo in Südbayern war und ich entsprechend früher von zu Hause hätte starten müssen, aber dann war es doch in der Nähe von Köln. Puh, Glück gehabt!

Elsdorf lag am Rand des Tagebaugebietes und ich erwartete vor den Einfahrten ein paar geparkte Braunkohlebagger zu sehen, aber es sah alles ziemlich normal aus. Etwa so, wie ich mir eben Elsdorf, ein Dorf am Rande des Tagebaus vorgestellt hatte. Vor der Festhalle war nichts los, nur ein großer Feuerwehrwagen stand dort, umringt von mehreren Feuerwehrmännern in dunkelblauen Overalls. In der Festhalle gab es ein genau durchdachtes Bestuhlungssystem. Die Eintrittskarten hatten eine aufgedruckte Reihennummer, jedoch keine Stuhlnummer. Das war genial. Jeder Besucher konnte sich in seiner Reihe einen freien Platz aussuchen, die Stühle waren vor dem Konzert mehrfach durchgezählt worden und es musste alles aufgehen. Tat es aber nicht. Wenn eine Reihe voll war, aber trotzdem noch zwei Leute mit dieser Reihennummer ratlos davorstanden, gab es Chaos. Schließlich ließ sich sogar eine Art Kontrolleur die Eintrittskarten vorzeigen, um Falschsitzer aufzuspüren, aber am Ende mussten doch einige Stühle dazugestellt werden, mit denen die kleinen Fehler im perfekten System geschickt kaschiert werden konnten. Die Feuerwehrmänner saßen inzwischen übrigens auch alle am Rand und warteten auf einen gemeinsamen Einsatz.

Kurz nach 20 Uhr ging das Saallicht aus, das Bühnenlicht an, und sofort trat Dän aus der Mitte des schwarzen Vorhanges heraus auf die Bühne. Das war so überraschend, dass die Zuschauer verwundert guckten und ganz still blieben. War das der Anfang? So ohne Tusch einfach auf die Bühne kommen? Erst als noch drei weitere Wise Guys hinter ihm zu sehen waren, ging der Applaus los und es war klar, dass das Konzert begonnen hatte.

Mit ‘Showtime’ ging es los, das Licht war sehr schön, der Klang am Anfang noch etwas hallig (obwohl ich ganz am Rand saß und es damit nicht richtig beurteilen kann), und Ferenc hatte schon wieder ein neues Hemd an. Dunkelkariert und offen getragen über einem dunklen T-Shirt. Gefiel mir noch besser als die beiden davor und ich freue mich schon darauf, was er in Zukunft hemdmäßig noch zu zeigen hat. Ein Blick in seinen Kleiderschrank wäre zwar schneller, aber nicht so spannend. Das Publikum lauschte während meiner Überlegungen dem Opener und war tot. Total ruhig, ohne jede Bewegung und es war fast unheimlich. An der Stelle “heut simma hier!”, die sonst oft jubelnd beantwortet wird - Totenstille. Erst gegen Ende des Liedes setzte ein Mitklatschen ein, das in einen starken Applaus überging. Die Stimmung war also grundsätzlich gut, aber trotzdem etwas seltsam.

Dän begrüßte das Publikum und wünschte sich ein ganz schönes, gemütliches Sonntagskonzert in Elsdorf. “Ganz entspannt - schön!” Er erwähnte das Vortagskonzert in Wermelskirchen: “Das war ein Stehkonzert. 800 Leute in einem Raum, der kleiner war als dieser hier, viel los, laut und Regen auf der Bühne.” Er blickte ins stille Elsdorfer Publikum und grinste süffisant: “Sie sitzen alle hier. Manche mit Kravatten, manche mit verschränkten Armen - wundervoll!”

Das zweite Lied war das “Frühlingslied” und während der Anmoderation gab es plötzlich lautes, vergnügtes Gelächter im Publikum. Gab es etwas Unerwartetes auf der Bühne? Lief jemand im Hintergrund mit einem Schild herum? Die Wise Guys guckten verwirrt um sich, kontrollierten dann ihre Kleidung und Dän fragte sogar: “Sind die Hosenställe zu?” Es war kein Grund zu finden und etwas zögernd moderierte er weiter, während es immer wieder neue spontane Lachanfälle gab. Scheinbar war der Grund der Heiterkeit einzig und allein die Mimik von Clemens, der sich programmgemäß auf ‘leidend’ einstellte. Er war schon sehr vorsichtig und sparsam, nachdem er die Heiterkeit bemerkt hatte, aber als Dän auf ihn hinwies und seinen Namen nannte, platzen die Zuschauer sofort laut lachend los. Dän guckte amüsiert und sagte: “Dann haben wir uns doch getäuscht. Die Leute saßen nur SCHEINBAR so entspannt und ruhig.”

Das ‘Frühlingslied’ wurde bei der Hauptzeile im Refrain von einem Teil des Publikums sanft mitgesungen, während vereinzelt laute, überraschte Lacher zu hören waren. Allerdings waren das meistens kräftige, weibliche Lacher, wie sie vorwiegend bei Frauen über 40 auf Damensitzungen oder bei Kegelclubausflügen zu hören sind. Ich vermute auch in Wolfgang Petry-Fanclubs, aber da kenne ich mich nicht so aus. Jedenfalls sind diese lauten Lacher schon humorvoll gemeint, die betreffenen Frauen amüsieren sich auch sehr, aber ich persönlich empfinde sie immer als unangenehm, dominant und ... eben einfach brrrr. (Wahrscheinlich bin ich nur so motzig drauf, weil ich jetzt selbst in dem Alter bin, in dem ich so eine Lache bekommen müsste und panische Angst davor habe, dass es plötzlich damit losgeht. Und wenn ich erstmal so lache, gehe ich auch bald zu Damensitzungen, in den Kegelclub der Mitvierzigerinnen und zu Wolfgang Petry Treffen. Es ist nicht schön älter zu werden, wenn solche schrecklichen Dinge auf einen warten!)

Unerwartet gab es schon nach dem zweiten Lied die Zuschauerbefragung und Dän bat das Technikerteam, das inzwischen “Kompetenzteam” genannt werden wollte, um das Saallicht. Was er nicht wußte, war, dass ein noch kompetenterer Mann am Saalrand dafür zuständig war und eifrig den Finger auf den Schalter an seinem Fernsteuer-Gerät drückte. Erstzuschauer und Mehrfachtäter waren etwa gleich oft vertreten, die weiteste Anreise hatte ein Bremer, der aber auf Nachfrage zugab, dass er nicht nur wegen der Wise Guys aus Bremen gekommen war. Und, obwohl ich es in Elsdorf nie erwartet hätte, es gab zwei Düsseldorfer!

Das Licht sollte wieder ausgehen, aber der kompetente Lichtschalter- Fernbedienungs- Mann reagierte zu spät, was Dän veranlasste das Kompetenzteam zu kritisieren. “Das ist doch jetzt Schikane!”, motzte er. “Psychospielchen. Da gehen Dinge ab im zwischenmenschlichen Bereich, da ahnen Sie nichts von!”

‘Deutscher Meister’ begann wieder wunderschön. Dieses sanft gesungene “Uuuuuh” am Anfang und dazu die leise Stimme von Dän - wow! Allerdings lachte eine der Kegelschwestern ihr dominat-penetrantes Lachen ausdauernd vor dem ersten, leisen Refrain. “Hahahahahahahahaha...!” Ohje.
Beim Refrain gab es lautes Gelächter und spontanen Beifall und nach dem Wort “Karnevalsverein” einen sehr kräftigen Applaus, der eine kurze Pause erzwang, ehe es an die zweite Strophe gehen konnte. Die letzten Zeilen wurden sehr temperamentvoll mitgeklatscht und das Lied endete unter Jubel und Pfiffen. Eddi grinste überrascht ins  plötzlich ganz lebendige Publikum.

Bei ‘Das wär’s gewesen’ war es wieder schön still, nur bei “alter Sack und Besen” gab es kurzes Gelächter bevor wieder die totale Ruhe eintrat. Dafür durfte bei ‘Kinder’ getobt werden und das tat das Publikum auch. Trotzdem reagierte es seltsam. Entweder ganz laut oder überhaupt nicht. Eine Mischung zwischen sehr lebendigem Ausflippen und Totenstarre.

Eddi sagte das nächste Lied an, beleidigte die Elsdorfer ein bißchen, erwähnte Wermelskirchen und bekam einen drohenden Zwischenruf aus dem Publikum, der ihn sofort kapitulieren ließ: “OK, nichts gegen Wermelskirchen.”






Halblaut rief er danach allerdings: “Ordner!!” 




 

 

‘Was für eine Nacht’ fetzte auf der Bühne los, Sari sang temperamentvoll: “Mit euch zu feiern ist ein explosiver Mix” und das Publikum saß wieder wie tot auf den Stühlen. OK- explodieren war vielleicht etwas viel verlangt, aber leichte Anzeichen von Leben wären doch nett gewesen.





‘Du bist dabei’ war locker swingend, ein richtig schönes Stück mit sehr liebevoller Aussage. Sehr, sehr schön. Das Elsdorfer Publikum kam aus dem Starrezustand und begann mitzuklatschen, aber als alle gerade dran waren, hörte das Lied auf.

Ohne Ansage ging es mit den ‘Sonnencremeküssen’ weiter. Es kam mir einen Tick langsam vor, aber die Stimmung war entspannt, sonnig und wunderbar lässig. Fasziniert beobachtete ich Eddi, der seine Nebenstimme so glücklich lächelnd und intensiv sang, als würde er die Situation gerade in diesem Moment mit seiner Traumfrau erleben. Sehr überzeugend und superschön.

Die ‘Powerfrau’ kam natürlich klasse an. Leicht, witzig und locker gebracht, war sie genau richtig für das Elsdorfer Publikum. Dän warb noch etwas für Eddi’s Songbook: “Ein übles Machwerk, Sie werden nicht viel Freude haben”, dann gab es noch ‘Mädchen lach doch mal’, die Känguruh-Beutelfell-Trommeln zogen mit, und die ersten Zuschauer verließen noch während des Liedes den Saal, um schnell an die Getränketheke zu kommen. Die restlichen Besucher klatschen begeistert auf die 1 und die 3, und am Ende gab es Jubelpfiffe und großen Applaus.


Nach der Pause saßen alle wieder auf ihren Plätzen, das Saallicht ging aus und die Wise Guys standen plötzlich auf der Bühne. Huch? Da sie immer nur durch die Mitte des Vorhanges im Hintergrund der Bühne gehen mussten, waren sie sofort da und hätten das gut mit einer kleinen Zaubershow verbinden können. Zack! Der Clemens ist weg. Zack! Jetzt ist er wieder da! - aber so richtig gut hätte ich es wohl nicht gefunden. Oder doch. 

Bei schönem, blauen Licht gab es ‘Wenn sie tanzt’, und außer einigen Hustern und Niesern blieb das Publikum ruhig. Die ‘Chocolate Chip Cookies’ wurden diesmal sogar auf 2 und 4 beklatscht, der “luftdichte Behälter” von Ferenc löste Begeisterung aus und noch im letzten Akkord begann knalliger Applaus.

‘When I’m 64’ kam besonders in der kölschen Strophe gut an, ein Dialekt, der den Elsdorfern vertraut war. Am Ende klatschten die Zuschauer wieder rhythmisch mit und diesmal sogar bis zum Ende vom “Plem-plem”. Danach gab es einen richtigen Beifallssturm mit Jubelrufen und Pfiffen.

Als Kontrast war es bei ‘Sing mal wieder’ dann ganz still. Viel Bewegung auf der Bühne und ein absolut bewegungsloses Publikum im Saal. Wie eingefroren. Also ich verstand das nicht. Die Stimmung war eigentlich ziemlich gut, aber dieser Totalabfall während mancher Lieder und das darauffolgende heftige Klatschen paßte überhaupt nicht zusammen.

“Das folgende Lied eignet sich nicht zum mitsingen” betonte Dän und ‘Träum vom Meer’ begann. Schon nach den ersten Tönen bemerkte ich wieder die absolute Entspannung bei mir, die sich in langsamen Atemzügen, Kribbeln in den Blutbahnen und sehr warm werdenden Händen zeigte. Keine Ahnung woran das liegt, ich bemerke nur immer mit Erstaunen, dass ich völlig ohne eigenes Zutun sehr stark auf dieses Lied reagiere. Nur einschlafen könnte ich nie dabei, denn dazu ist es viel zu schön. Dän sang sehr zart und ruhig, der Background war schön leise, und es hörte sich alles so nah und fast wie ohne Mikrofone an. Wunderschön. Allerdings hatte ich nicht mit einer der Kegelschwestern gerechnet. Gegen Ende sang Dän “Du schläfst - “ und genau in die kleine Pause der absoluten Stille hinein seufzte eine lustige Dame sehr theatralisch ein lautes “Ooooooh!” Boah! Ich war so sauer!! Und ich war nicht nur auf die Frau sauer, sondern mindestens genauso auf die vielen Leute, die daraufhin sofort loslachten. Ey, das war nicht lustig!! Da singen Menschen ein sehr intimes Lied, das tief in die Seele geht, zeigen dabei viel von ihren Gefühlen und sind sehr ernsthaft - und da zerstört jemand das durch einen billigen Witz. Unglaublich! Diese Reaktion bei so einem Lied würde bei mir zur sofortigen Disqualifikation führen - mit der Folge Elsdorf aus dem Tourkalender zu streichen. Und das meine ich jetzt nicht witzig. Da kann man sich dann bei der Kegelschwester bedanken. (Keine Panik, ICH bin nicht für die Tour zuständig und habe da nichts zu sagen!)

Nach dem Applaus lächelte Dän betont lustig ins Publikum, hatte dabei aber sehr harte, blitzende Augen und war nicht wirklich amüsiert: “Danke auch für diesen Seufzer in die Pause hinein. Ist schön, so ganz alleine einen Lacher zu bekommen.”

Beim ‘Root Beer Rag’ könnte ich wetten, dass die Jungs Kopfwackeln geübt haben! Es war auffällig synchron und kein Vergleich mit vorherigen Ausführungen. Viel besser und dadurch noch witziger. Kann natürlich sein, dass sie nicht geübt haben und es zufällig klappte, aber ich bleibe mal bei meiner Behauptung: Da steckte gemeinsames Üben hinter. Egal, war jedenfalls sehr gut. Allerdings überraschte Eddi die Zuschauer, seine Kollegen und am meisten sich selbst, als er am Schluß aus dem Text kam. Zugegeben, es war sehr schnell, aber dass er bei “Wabbeliggerummeniggelegge....” den Faden verlor, nur noch “liggedaggelagabdedigga...” grummelte und erst punktgenau das “dong!” wieder an den Schluß setzte, war ungewohnt und neu. Er lachte sofort los und fand es selber so witzig, dass er immer wieder lachend den Kopf schüttelte.

Vor ‘King of the road’ motivierte Dän die Zuschauer zum Off-Beat-Schnippen: “Sie klatschen ja auch gern.” Allerdings wurde das Schnippen im Verlauf des Liedes immer magerer, und im hinteren Teil verlegten sich einige Restschnipper auf das vertrautere 1 und 3. Dafür war der Schluß extrem gemein. Ferenc setzte zum Ende an: “Ich bin der ... King of the road./ Ich bin der..... “ und Dän knallte seinen lauten Abschluß “Badumbadumbadum...!” rein. Mitten im Satz, viel zu früh und auch noch EXTRA !! Nichts mit viel zu langer Schleife, diesmal völlig unerwartet frühzeitig abgebrochen. Ferenc’ Augen warfen glühende Blitze zu Dän, der betont unschuldig hinter die Bühne abging, und während Ferenc nach außen lächelnd den großen Applaus des begeisterten Publikums entgegennehmen musste, brach Dän wahrscheinlich hinter der Bühne lachend und schenkelklopfend zusammen. Ich mußte laut lachen und hing schräg auf dem Stuhl. Der arme Ferenc, aber es war wirklich superlustig! Übrigens klasse, wie alle Wise Guys sofort reagierten und mitzogen, so dass es manchen Zuschauern wahrscheinlich nicht mal aufgefallen ist, dass das Ende etwas sehr plötzlich kam.

Bei der nächsten Ansage lachte das Publikum wieder laut auf, ohne dass ein Grund dafür zu erkennen war. Dän war etwas irritiert und sagte zu seinen Kollegen: “Ich glaube, wir kommen mal tagsüber nach Elsdorf, wenn die hier immer alles so lustig nehmen.” Als Beispiel gab er an: “Auf dem Weg zum Bäcker. “Ein Brötchen, bitte!” Haaahaahahahaha!” Dabei  klopfte er sich betont lustig auf den Schenkel und bog sich vor gespieltem Lachen. Er wurde wieder ernst, bedankte sich beim “Kompetenzteam”, den vielen Helfern und der Feuerwehr: “die war hier mit einem ganzen Löschzug!”. Dann wies er auf den Afterglow hin: “Leute, die schon mal hier waren wissen, dass es in Elsdorf keine Getränke mehr gibt. Ein Afterglow ohne Getränke also.”  Am Schluß sagte er: “Informieren Sie sich im Internet über unsere Nord-Amerika-Tour, die wir nächste Woche beginnen”, und hatte damit viele gute Lacher. “Das war jetzt kein Witz!” warf er noch schnell hinterher, aber ich hatte das Gefühl, dass es ihm eigentlich egal war, ob ihm das die lachenden Elsdorfer nun glaubten oder nicht.

‘Schlag mich baby’ war sehr eindrucksvoll, besonders auch durch den Nebel, der am Ende zischend von der Seite kam und die Illusion erzeugte, dass die Wise Guys auf der Bühne beim Tanzen dampfen. Es gab sehr viel Applaus nach dem Abgang und laute Zugaberufe, die noch eine Weile anhielten, als die Wise Guys schon längst wieder auf der Bühne standen. Der Auftritt war eben immer viel zu schnell und überraschend. Im Prinzip konnte die Zugabe erst begonnen werden, als die Zugabe-Rufer endlich mit den “Zugabe”-Rufen aufgehört hatten. ‘Rasier dich’ wurde umjubelt und natürlich mitgeklatscht, danach gab es Standing Ovations, die völlig unüblich hinten im Saal begannen. Normalerweise gehen die vorne los, so dass die Zuschauerreihen nacheinander aufstehen müssen, um noch was von der Show zu sehen, aber in Elsdorf ging die Begeisterung von hinten los, was immer das jetzt auch aussagt.

Die Wise Guys gingen umjubelt ab, die Zugaberufe erschallten, und plötzlich standen sie wieder auf der Bühne, warteten, bis das Geklatsche der etwas verspätet reagierenden Zuschauer aufhörte und fingen sofort mit ‘GoldenEye’ an. Als Eddi seinen Haargummi entfernte, johlte ich erstaunt mit, denn seine Haare waren inzwischen wieder ziemlich lang gewachsen. Schön.

Als Abschluß gab es ‘Jetzt ist Sommer’. Die Leute, die sich schon hingesetzt hatten, standen wieder auf, um was zu sehen, und es wurde laut mitgeklatscht. Irgendwie aber nur mit den Händen, die Körper blieben ruhig stehen. Nichts mit Hüftwackeln oder mal kurz die Schulter anheben. Bewegungsarme Stimmung sozusagen. Noch im Endapplaus fuhr der kompetente Lichtschalter-Fernbedienungs-Mann das Saal-Licht wieder hoch, und mit steigender Helligkeit ließ der Applaus nach und die Zuschauer griffen nach ihren Taschen und Jacken. Übrigens hatte der Mann die Fernbedienung das ganze Konzert über in der Hand gehalten - hätte ja noch eine plötzliche Umfrage kommen können.

Der Afterglow war trocken, schnell vorbei und paßte irgendwie zur Stimmung des Konzertes. Bei der Nachhausefahrt nutzte ich dann endlich mal das Navigationssystem der Wise Guys. Ich warf keinen Blick in die Karte, sondern fuhr ihnen einfach hinterher und vertraute darauf, dass sie mir den richtigen Weg zur Autobahn zeigen würden. Hätten sie allerdings als Ziel zufällig Hamburg gehabt, hätte ich das wohl erst bei Bremen gemerkt, aber es zeigte sich, dass ich mich auf sie verlassen konnte. Auf halber Autobahn-Strecke trennte sich unser Weg, sie bogen in Richtung Köln ab und waren wahrscheinlich froh, den lästigen Fan, der sich hinter sie geklemmt hatte, endlich abgeschüttelt zu haben. *grins*

Fazit zu Elsdorf: Naja. Totes Publikum, das gerne klatschte, eigentlich gute Stimmung, aber trotzdem sehr seltsam. Ich bin prinzipiell gerne auf einem Wise Guys Konzert, darum hat es mir gefallen, aber über die “Oooooh”-seufzende Kegelschwester und ihre Mitlacher bin ich immer noch sauer. Darum werde ich persönlich wohl nicht mehr nach Elsdorf auf ein Konzert gehen und den Ort ganz knallhart von meiner Tourliste streichen. Was für Elsdorf genauso wichtig und bedeutend ist, als wenn in China ein Sack Reis umfällt.


Showtime
Frühlingslied
Deutscher Meister
Das wär’s gewesen
Kinder
Was für eine Nacht
Du bist dabei
Sonnencremeküsse
Powerfrau
Mädchen lach doch mal

Wenn sie tanzt
Chocolate Chip Cookies
When I’m 64
Sing mal wieder
Träum vom Meer
Root Beer Rag
King of the road
Schlag mich baby
Rasier dich
GoldenEye
Jetzt ist Sommer
 

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