Montag, 25.November 2002
Die WISE GUYS im Feierabendhaus, Hürth

Zum viertenmal stand ich vor dem hellerleuchteten Feierabendhaus. Zweimal war ich zu Wise Guys Konzerten dort gewesen, das drittemal vor drei Wochen, als das geplante Konzert kurzfristig ausfiel, weil Clemens so gut wie sprachlos war. Jedesmal hatte ich mich über den Anblick des charmant-altmodischen Gebäudes gefreut, jetzt wurde es Zeit mal mehr darüber zu erfahren:

Das Feierabendhaus 
Das 1957 von dem Kölner Architekten Karl Hell geschaffene Kultur- und Veranstaltungshaus erinnert an die Berliner Kongresshalle, ist jedoch vor dieser entstanden und weist auch eine andere Dachkonstruktion auf.
Also wie die Berliner Kongresshalle, nur ganz anders. War doch gut zu wissen.

Ehrlich gesagt, erinnerte mich der ganze Bau jedoch weniger an die Kongresshalle, als an einen Kuchen mit Teiggitter. An so eine Art rheinischen Apfelkuchen, bei dem das Apfelmus appetitlich gelb durch das dunkel gebackene Teiggitter guckte. Es fehlte nur der Hagelzucker auf der Beton-Konstruktion. Wie hatte der Architekt eigentlich das regelmäßige Gitter am Gebäude hinbekommen? Bei mir zu Hause mußte ich die Streifen für so ein Teiggitter einzeln ausschneiden und mühsam auf dem Kuchen anordnen, was in Bezug auf die Regelmäßigkeit meistens klare Mängel erkennen und mich vorsichtshalber keinen pingeligen Mathematiker zum Tee einladen ließ. Ein Profibäcker konnte da auf seine spezielle Gitter-Schneiderolle zurückgreifen, die kurze Schlitze in eine Teigplatte ritzte, so dass diese nachher  zieharmonikaartig auseinandergezogen und als perfekt ausgerichtetes Gitter auf die Apfelschicht gelegt werden konnte. Und der Architekt? Hatte er die schmalen Betonstreifen mühsam einzeln geformt, oder konnte er dafür eine Betonplatte einritzen und auseinanderziehen? Ging das überhaupt? Mit vielen Fragen im Kopf betrat ich das Gebäude und ahnte, dass mir die Wise Guys auch nicht weiterhelfen konnten. Ich befürchtete eher, dass sie mich lange und ernst anblicken würden, wenn ich sie auf die Ähnlichkeit zwischen dem Feierabendhaus und einem Apfelkuchen ansprechen würde, darum vermied ich das Thema ganz einfach. Eventuell hätten sie mir mit sanfter Stimme von weiteren Konzertbesuchen abgeraten und das wollte ich nicht riskieren. Glücklicherweise bin ich seit frühester Jugend darin geübt, außen fast normal auszusehen und den Kopf dabei voll mit seltsamen Gedanken zu haben.

Da es in Hürth Sitzplatzkarten gab, musste nicht früh angestanden und gedrängelt werden. Es gab jedoch einen dicken Stau vor der Saaltüre, weil alle Leute mit Jacken zurück zur Garderobe geschickt wurden und es einige Diskussionen darüber gab, ob der Saal warm genug geheizt, oder die betreffende Person dick genug angezogen war. Da ‘Jacken abgeben’ meistens bedeutet: Vorher anstehen - Geld bezahlen - nachher anstehen, fanden das viele Leute natürlich nicht so toll. Ich überlegte kurz, ob ich das Gerücht verbreiten soll, dass Dän bei diesem Konzert nicht mitsingen, sondern den Abend beim FC-Spiel im Stadion (Köln gegen Freiburg) verbringen würde, aber es erschien mir zu glaubwürdig.

Um 20 Uhr setzten sich die letzten Leute im Saal hin, wenige Minuten später ging das Licht aus und vier Wise Guys kamen auf die Bühne. Wo war Dän?? Er würde doch wohl nicht.... aber da kam er noch hinterher. Puh, Glück gehabt! Es ging mit Showtime los und der Klang war knochentrocken. Gut verständlich, jede Stimme war zu hören, aber nicht richtig schön. So ein bißchen wie durch ein Telefon gesungen, wo die Nebenlaute verschluckt werden. Begeistert war ich nicht, manche Stellen hörten sich dadurch etwas seltsam an, aber es war hörbar. Das ist natürlich der Nachteil von häufigen Konzertbesuchen. Ich werde nicht so sehr von Text und Darstellung abgelenkt, sondern vergleiche auch den Klang der Konzerte und weiß, wenn es schon besser war. Na, OK, für den Klang in Hürth hätte ich ein ‘Befriedigend’ gegeben - ich will mal ein Auge zudrücken. Oder besser ein Ohr.

“Wir starten heute abend den zweiten Versuch hier im Feierabendhaus,” begann Dän die Begrüßung und wirkte auffällig gut gelaunt. “Vor drei Wochen war einer von uns krank, wir wollen keinen Namen nennen und ihn nicht bloßstellen. Es war der Clemens.” Er wartete das Gelächter ab und grinste: “Clemens steht nachher zu Ihrer freien Verfügung. Falls sie Unkosten wegen des Babysitters hatten und so. Er hat extra Geld von der Bank geholt. Nee, war nur Spaß, aber er wird Ihnen beim Afterglow erklären, was sich alles so in seinem Hals abgespielt hat.” Clemens lachte breit, das Publikum amüsierte sich und Dän hatte Spaß am Quatschen. Er erzählte über Röntgenbilder vom Hals, von kleinen Schläuchen, die man dabei schlucken muss, dass die Wise Guys jetzt alle im Stadion beim FC-Spiel sein könnten, und dass der Name Feierabendhaus sehr schön und das Gebäude “so’n bißchen retro” sei. Ganz ernsthaft sagte er: “Alle, die vor drei Wochen vom Parkplatzwächter sofort nach Hause geschickt wurden, haben leider das kleine Konzert im Foyer verpaßt”, woraufhin es zwar Gelächter im Publikum gab, aber die Unsicherheit deutlich zu spüren war. Haben die wirklich im Foyer gesungen??

Dän stimmte auf den Abend ein: “A-cappella ist singen ohne Musik”, und es gab nur ganz wenige Lacher. Sofort fuhr er fort: “Das scheinen einige von Ihnen auch gedacht zu haben.” Er war einfach gut drauf und es machte Spaß ihm zuzuhören. Grinsend wies er auf “unseren Krankheitsfall, den Clemens” hin, und erläuterte dessen Aussehen bei den Vorbereitungen zum Frühlingslied: “Wir erklären das gleich zu Anfang, damit Sie nicht denken, er sei immer noch krank.” Das brachte Clemens natürlich aus der Fassung und dem Publikum viel Spaß. Nach dem Lied, dessen Refrain im Publikum ganz leise mitgesungen wurde, trank Dän einen Schluck Wasser und reichte das Glas weiter. “Sie sehen schon, wir trinken alle Fünf aus demselben Glas. Wir denken, es ist einfach besser, wenn wir alle Fünf gleichzeitig krank werden.”

Da ein Eintrag im Wise Guys Gästebuch über zuviel CD-Werbung während des Konzertes geklagt hatte, sprach Dän das Thema extra an und machte damit noch viel längere CD-Werbung. Danach war Deutscher Meister dran, und es gab sofort vergnügt glucksendes Gelächter und fröhliches Kichern. Nach dem ersten “Wir sind nur ein Karnevalsverein” musste sogar eine Applauspause eingelegt werden, denn der Jubel über den Text war gewaltig. Geschunkelt wurde nur vereinzelt, aber um mich herum recht gut mitgesungen. Allerdings war mir die Melodie wieder etwas zu hoch und ich musste sie eine Oktave tiefer mitbrummen. Schade, denn da würde ich gerne laut mitgrölen. Am Ende gab es lauten Beifall und begeisterte Pfiffe.

Zur Umfrage ging das Saallicht an und Dän wies auf die Decke hin, die sie schon im letzten Jahr begeistert hatte. Ganz viele, weiße Felder gab es dort, die alle eine Vertiefung von vier Punkten hatten, angeordnet wie auf einem Würfel. “Ganz viele Viererwürfel - ein Riesenpasch,” freute sich Dän. “Wer ist zum ersten Mal bei einem Wise Guys Konzert, das auch stattfindet?” fragte er und es meldete sich eindeutig eine Minderheit. Bei der Frage: “Wer hat sich, als das Konzert ausgefallen ist, stattdessen einen hinter die Binde gegoßen?” konnte ich hochvergnügt aufzeigen und war nicht die einzige. *grins* Bei “Wer war richtig böse über das ausgefallene Konzert?” zeigten allerdings fast nur Kinder auf.

Nach Du bist dabei , was Eddi wieder richtig schön ‘erzählte’, kam Das wär’s gewesen. Zunächst war es etwas unruhig im Saal, dann wurde es richtig gut. Die erste “Sack und Besen”-Stelle wurde laut belacht, beim zweitenmal war die Stimmung schon ganz ruhig und es wurde nur noch sanft gelächelt. Klasse! Bei Kinder, das gleich danach kam, gab es dann überall vergnügtes und lautes Gelächter. Beim Umsehen konnte ich nur zuckende Schultern und offene Lachmünder im Publikum sehen. Der Beifall danach war riesig.

“Das nächste Stück ist ein völlig anderes Art von Stück,” setzte Dän souverän an und stutzte dann. “Super Satz. Ein völlig anderes Art von Stück. Wenn man in der Nacht feiert, hat man dann so eine Grammatik.” Was für eine Nacht klang nicht ganz nach Rockband, sondern eher wie eine A-cappella-Gruppe. Die Lautstärke war OK, der Einsatz auf der Bühne auch, aber der Klang war nicht kräftig und kompakt, sondern ... keine Ahnung. Eben wie von fünf Sängern. Nicht schlecht, aber es haute auch nicht wirklich um. Der Großteil des Publikums war nicht so empfindlich wie ich und begann auf alle Schläge mitzuklatschen. Gegen Ende des Liedes  wurde der Sound etwas besser, blieb vom Gänsehautfeeling aber deutlich entfernt.

Bei den Sonnencremeküssen sang Dän deutlich lebendiger, sprach das Publikum an und unterstützte viele Textzeilen mit Gesten und ausgeprägterer Mimik. Interessanterweise reagierten die Zuschauer sofort lauter und lachender als sonst, und das Lied wirkte anders. Gegen Ende war Dän wieder sehr ruhig und die Stimmung wurde sofort sanft. Es kam sehr gut an, aber mir persönlich gefällt es besser, wenn Dän sanft lächelnd und in Gedanken versunken singt, denn dann finde ich es eindrucksvoller und sehr berührend. Es ist ja nicht lustig, sondern eine traumhaft schöne Erinnerung, die eigentlich mehr mit Liebe, als mit Urlaub zu tun hat.

Sari zog bei der Powerfrau die Blicke auf sich - also zumindestens meine - aber das Gejohle am Ende und der superlaute Applaus zeigten, dass er auch anderen gefiel. Schnuckelig süß in seinem Bemühen um die Karrierefrau. Dän machte danach extra nochmal CD-Werbung, und wies auf das neue Songbook hin. Dazu stellte er Eddi vor: “Eddi, der Mann mit der weißen Hose” und ich musste lachen, weil Sari und Clemens ganz synchron ihre Köpfe drehten und ernsthaft interessiert auf Eddi’s Hose guckten, als wäre die völlig neu für sie. Witzigerweise war das nicht gestellt, sondern passierte einfach so.

Das letzte Lied vor der Pause wurde angesagt, es war Mädchen lach doch mal, und Dän stellte die Percussionisten vor: “McRib und Gemüsemac.” Sari und Eddi klappten lachend zusammen und das Publikum johlte los. “Möchten Sie die anderen Namen auch noch wissen?” grinste Dän. ”Sag ich aber nicht!” Er hörte Zurufe aus dem Publikum. “Big Mac? Ja. Scheiße. Na, wo wir mal dabei sind: Der Ferenc ist der FishMac, weil er aus Bremen kommt, und Clemens ist Mayo. Oder McFlurry? Nee, Mayo, das ist das Billigste.” Die vier anderen Wise Guys hielten die Hände vor das Gesicht, lachten sich schief und hatten total gute Laune. Sehr albern und hochvergnügt. Dän erläuterte noch die Kanguruh-Trommeln und warnte: “McRib und Gemüsemac hüpfen über die Bühne.” Natürlich ging die gute Stimmung im Publikum noch ein Stück höher, als das Lied dran war, und die Wise Guys konnten danach unter Jubel und Gepfeife in die Pause abmarschieren.

Im Foyer hörte ich einen jungen Mann sagen: “Wetten, dass er als erstes den Spielstand sagt!” und er zeigte damit, dass er ein Kenner der Wise-Guys-FC-Szene war. In der Pause kam außerdem die Frage auf, ob in den Kisten auf der Bühne der Liedtext wie beim Karaoke ablaufen würde, was ich für eine gute Idee hielt. Leider waren es aber nur popelige Monitorboxen. Obwohl es ja fast unlogisch ist, dass man hört, was man singt, wenn man nicht weiß, was man singen soll. Na, ich glaube, das ist mal wieder einer von meinen seltsamen Gedankengängen, die ich unbedingt für mich behalten sollte.

Als plötzlich alle Leute aus dem Foyer in den Innenraum drängten, war die Pause vorbei und es ging mit Wenn sie tanzt weiter. Leider mussten die letzten Leute noch schnell ihr Gespräch zu Ende führen, so dass es während der ersten Takte ganz flüsterig-unruhig war, aber es wurde schnell gut. Die Lichter der Notausgangschilder leuchteten viel zu hell und es wurde nicht schön dunkel im Saal. Schade, denn da blieb man optisch ein bißchen in der Realität. War trotzdem schön. Die ersten Worte von Dän nach dem Applaus: “Eins zu Null. Wir haben telefoniert. 1:0 für den 1. FC Köln, aber Freiburg drückt.”

Ich freute mich auf die Chocolate Chip Cookies und grinste breit, als Dän in der Anmoderation davon sprach, dass ‘Frauen von den Konzerten etwas nach Hause mitnehmen wollen.’ Klar, ich weiß auch was: Einen Wise Guy. Oder zwei! *grins* Nur die Entscheidung war schwierig, denn bei den ‘Cookies’ waren alle sehr verführerisch. Clemens drehte sexy seine Hüften, Eddi wackelte sinnlich mit dem Becken, Dän machte sich ‘ne schöne Nacht, Sari rührte mit allem, was er hatte und Ferenc sang prickelnd von seinem luftdichten Behälter. Wow! Das Rezept habe ich mir übrigens noch nie mitgeschrieben. Lauter Jubel beim backbegeisterten Publikum, und als sich endlich alles beruhigt hatte, machte Dän ausnahmsweise mal Werbung für die neue CD.

Bei When I’m 64 zeigte sich die gute Laune innerhalb der Gruppe noch stärker. Es begann alles wie üblich, Eddi deutete in seiner Strophe ein Kind an, und Clemens haute dem ‘Kind’, als Eddi wegsah, fest an den Kopf. Kurze Zeit später stellte Eddi wieder ein ‘Kind’ vor Clemens, und diesmal griff dieser nach einem fiktiven Baseballschläger und haute zu. Allerdings musste er dabei schon heftig grinsen. Nur wenige Takte später schob Eddi erneut ein ‘Kind’ zu Clemens, streichelte dabei liebevoll über den Kinderkopf, und genau als Clemens an diese Stelle sah, hielt Eddi Daumen und Zeigefinger zu einem Loch, durch das Clemens gucken musste. Beide lachten sofort los, denn das war das Spiel der Amerika-Tour, wo jeder versuchte, den anderen durch das ‘Katzenauge’ gucken zu lassen. Eddi fing sich schnell wieder, aber Clemens konnte nicht mehr singen, weil er so lachen musste. Die meisten Zuschauer hatten nicht verstanden warum, aber sie lachten vergnügt mit. Mit Mühe schaffte Clemens seine kölsche Strophe einigermaßen ernsthaft zu singen, doch als er danach neben Eddi stehen und Begleitung singen musste, fing er wieder an zu lachen. Er konnte sich nur noch zur Seite drehen, um Eddi nicht ansehen zu müssen, grinste aber trotzdem immer wieder los. Sehr, sehr witzig.

Sing mal wieder war sehr kraftvoll, aber nach der Zeile “außer, wenn du Dieter Bohlen heißt” blieb es sehr ruhig. Fand in Hürth scheinbar keiner witzig. Gab es da vielleicht einen  Modern Talking Fanclub?
War am Ende von ‘Sing mal wieder’ etwas doppelt? Irgendwie war der Schluß anders, er kam mir eine Runde länger vor, als ob einer nicht früh genug auf das Ende zugesteuert hätte, aber es hörte sich nicht falsch genug an, um richtig aufzufallen. Ich stutzte sofort, konnte den Grund aber nicht sicher herausfinden. Also: Vielleicht war etwas falsch, vielleicht auch nicht. Eher aber doch.

Clemens sagte Träum vom Meer an und es wurde schon vor dem Lied so ruhig, dass man im stillen Saal nur die Stimmpfeife von Sari hörte. Bis auf ziemlich viele Räusperer blieb es ruhig, auch wenn ich persönlich bei diesem Lied nie irgendwelche Laute abgeben könnte. Allerdings atme ich ja auch vom ersten Ton an nicht mehr. *grins* Übrigens gab es bei dann  doch auf einmal ganz viel Hall vom Mischpult und es war fast schon etwas zu viel. Der Saal machte weiterhin Probleme, denn trotz Hall klang es nicht ganz rund.

Von den musikalischen und schriftstellerischen Erfolgen des Dieter Bohlen und den vielen Leuten, die solche Ergüsse käuflich erwerben, ging es folgerichtig zum Lied Du Doof. Eddi quiekte und machte so dumme Ähhh’s, dass ich nur breit grinsen und mich darüber freuen konnte. So ein blödes Lied. Aber klasse!!

King of the road folgte, der Bass von Dän kam über die Anlage etwas dumpf und leise rüber, und da der musikalische Unterbau des Liedes ja sowieso schwach besetzt ist, war es etwas dünn. Allerdings war Ferenc dann schön kräftig eingestellt und konnte etwas vom fehlenden Volumen in den Begleitstimmen ablenken. Am Ende gab es natürlich Jubelrufe für Ferenc und extra viel Applaus. Die anderen vier diskutierten in der Ecke und warteten betont gelangweilt ab. Ferenc strahlte ins Publikum und zeigte plötzlich auf seine Kollegen, um auch ihnen vom Applaus abzugeben, aber da versiegten die Klatscher ganz schnell. Witzig. Ich hatte selber blitzschnell überlegt, ob ich überhaupt klatschen DARF, wenn ich das nicht für Ferenc, sondern für die beleidigten Kollegen mache, und kam auf ein konsequentes Nein. Dabei meinte ich das doch gar nicht so. Mit mir meinten das aber die meisten Anwesenden nicht so. Oh, es wird kompliziert. Jedenfalls hörte der Applaus ganz schnell auf und es wurde gelacht.

Dän betonte, dass es ihm in der Pause verboten worden war, Werbung für die CD zu machen, darum verwies er auf die Homepage, wo alles über die neue CD stand. Er sagte den “kulturellen Höhepunkt” des Abends an, “das Beste, was wir je gemacht haben.” und fügte hinzu: “Ist nicht von uns.” Schlag mich baby fing umjubelt an und überzeugte vor allem bei den hochgradig schwierigen Tanzszenen. Ein Nebelstoß kam theatralisch von der Seite und stellte sich dann so vor den Jungs auf, dass eine Weile lang nur er, rot beleuchtet, im Bild war, dann zog er unerwartet schnell in den Saal ab. Jubel, Pfiffe und rhythmisches Klatschen begleiteten die Wise Guys beim Abgang und hörten erst auf, als sie sich zu Rasier dich wieder aufstellten. Sehr schön übrigens, dass es bei den Zugaben keine Ansagen gab. Früher hatte man als Zuschauer manchmal das Gefühl, das Programm gehe wie vorher weiter, inzwischen gibt es eine klare Trennung zwischen Programm und Zugabenteil. Es sind eindeutig ‘Extras’, die nach dem eigentlichen Konzert gemacht werden.

Zu GoldenEye kam Dän mit silberglänzendem Handy am Ohr auf die Bühne und verkündete freudig: “1:0 für Köln!”, aber die Reaktion im Publikum blieb ruhig. Ganz enttäuscht fragte er: “Wusstet ihr alle schon? SMSs bekommen?” Er steckte das Handy weg und freute sich trotzdem: “Also, Köln hat gewonnen. Wir sind also praktisch schon wieder in der Champions-League!” Nach einem umjubelten GoldenEye kam noch Jetzt ist Sommer, die Leute standen dazu alle auf, auch wenn ich glaube, dass die meisten nicht von alleine auf die Idee gekommen wären, und es wurde laut mitgeklatscht. Allerdings verließen schon während der Zugaben einige Leute den Saal, um den Stau an der Garderobe durch frühzeitiges Erscheinen zu vermeiden. Ein letzter, begeisterter Applaus, dann verließen die Wise Guys die Bühne und das Publikum hörte mit dem Klatschen schon auf, ehe es im Saal richtig hell war.

Es gab noch einen kleinen Afterglow mit Getränken, der nette Hallenbetreiber freute sich, dass das Konzert nun doch glücklich stattgefunden hatte, obwohl der Abend vor drei Wochen auch sehr schön war, und ich beklagte mich über die blöde Tonlage beim Refrain vom deutschen Meister. Eddi und Ferenc fanden, dass ich es mit Frauenstimme singen können MUSS und glaubten mir nicht, dass es zu hoch oder zu tief sei. Zum Beweis gab Eddi den Ton an und Ferenc wandelte seinen Bass in eine erstaunlich hohe Stimme, um mit mir gemeinsam den Refrain in der hohen Lage zu singen. (Wieso kann der Ferenc eigentlich genauso hoch wie ich singen, dafür aber auch noch drei Oktaven tiefer??) Es klappte, wenn auch nicht unbedingt atemberaubend schön. Immerhin ließ es das Gespräch der letzten Besucher stocken und Dän einen fragend-verzweifelten Blick zu uns rüberwerfen. So ganz überzeugt war ich allerdings nicht, denn die Stimmlage kam mir nicht so hoch wie im Konzert vor und ich befürchte, dass Eddi den Ton falsch angegeben hat. (Eine unwahrscheinliche Theorie, die mir bestimmt nur einfällt, weil ich es auf einmal doch singen konnte und das nicht einsehen will.) Jetzt habe ich drei Möglichkeiten. Ich könnte Eddi’s Tipp befolgen: “Trink dir einen an und sing einfach los, dann klappt das schon!”, oder ich verlange, dass ab jetzt Ferenc im Konzert neben mir sitzt und den Refrain mit mir zusammen singt, oder ich übernehme beim nächsten Deutscher-Meister-Refrain den Ton und brumme ihn halblaut bis zum Ende des Konzertes vor mich hin, bis ich ihn beim Afterglow mit dem von Eddi angegebenen Ton vergleichen kann. Am besten mache ich alles zusammen. Zuerst Alkohol trinken, dann mit Ferenc zusammen Refrains singen und am Schluß Eddi anbrummen.

Fazit: Der Klang war etwas trocken, aber akzeptabel,und die Töne waren nicht immer genau getroffen, wurden aber durch die sehr gute, ansteckende Laune auf der Bühne ausgeglichen. Es machte viel Spaß, es wurde viel gelacht und die Energie und positive Stimmung der Gruppe übertrugen sich auf den ganzen Saal. Ich weiß immer noch nicht wie Architekten Betongitter machen und finde den richtigen Ton beim deutschen Meister nicht, aber es hat mir wieder mal viel Spaß gemacht. Seltsamerweise habe ich seitdem totalen Hunger auf Apfelkuchen....
 

Showtime
Frühlingslied
Deutscher Meister
Du bist dabei
Das wär’s gewesen
Kinder
Was für eine Nacht
Sonnencremeküsse
Powerfrau
Mädchen lach doch mal

Wenn sie tanzt
Chocolate Chip Cookies
When I’m 64
Sing mal wieder
Träum vom Meer
Du Doof
King of the road
Schlag mich baby
Rasier dich
GoldenEye
Jetzt ist Sommer

Zum Bericht über das drei Wochen
vorher ausgefallene Konzert in Hürth

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