Mittwoch, 13.November 2002
Die WISE GUYS in der Erfthalle, Kerpen-Türnich

Ich gebe zu, es hörte sich total unglaubwürdig an und war so seltsam, dass es fast immer mit der grinsenden Frage: “Echt?” kommentiert wurde, aber die Eintrittskarte für das Konzert in Kerpen hatte ich tatsächlich kurz vorher bei EBAY ersteigert - für 1 Euro. Aus purem Spaß hatte ich zwei Tage vor dem Endtermin ein geringes Gebot abgegeben und rechnete damit, ganz schnell überboten zu werden. Allerdings kam kein weiterer Bieter. Ich sah immer häufiger nach, und je näher der Endtermin kam, desto erstaunter guckte ich. Sollte das tatsächlich klappen? Sicherheitshalber versuchte ich mich nicht schon zu freuen, denn ein einziges höheres Gebot wäre sofort das Ende meines Kerpen-Konzertes gewesen. Die letzten Minuten vor dem Auktionsende saß ich dann total kribbelig vor dem Computer und jubelte los, als ich den Zuschlag bekam. “Hey!! Hurraaaaa! Ich gehe zu einem Wise Guys Konzert!!!!!” Völlig bekloppt, war mir klar, aber ich freute mich wirklich. Übrigens nicht so sehr über den außerodentlich günstigen Preis, der total witzig war, sondern tatsächlich über das Konzert.

Ticket Wise Guys 13. November 2002 Kerpen
Startpreis EUR 1,00
Menge 1                                        
Start 06.11.02 18:29:02 MEZ
Endet 09.11.02 18:29:02 MEZ
Gebote
1
Auktion beendet.
 Gebot EUR 1,00

Es paßte einfach alles. Für den Mittwochabend hatte ich noch nichts vor, mein Gatte befand sich auf Geschäftsreise und konnte nicht nölen, weil er keine Karte bekommen hatte, Kerpen war nicht weit weg und ein fahrbereites Auto stand vor der Tür. Alles keine wirklichen  Argumente für diesen erneuten Konzertbesuch, aber den Ehrgeiz eine sinnvolle Erklärung für mein Verhalten zu finden, habe ich überhaupt nicht. Ich freue mich immer noch sehr auf jedes Wise Guys Konzert und bin interessiert, konzentriert und mit viel Spaß dabei. Fertig.

Die ersteigerte Eintrittskarte hatte ich am Vortag abgeholt und fuhr ganz entspannt nach Kerpen-Türnich zur Erfthalle. Dort stand ich geduldig eine halbe Stunde in der Warteschlange vor den Saaltüren, bis diese um kurz nach Sieben zum Einlass geöffnet wurden. Überraschung!! Auf der anderen Seite des Saales gab es auch Türen. Und obwohl sich dort die erst viel später angekommenen Leute angestellt hatten, waren die früher geöffnet worden und der Saal schon im ersten Drittel voll. Super! Ich liebe so gute Organisation. Warum wohl verlasse ich mein gemütliches Heim so frühzeitig und stehe blöd vor verschlossenen Türen herum? Genau: Ich möchte mir einen netten Platz aussuchen können. Warum gibt es eigentlich so viele unfähige Organisatoren, die nicht einen Augenblick über sowas nachdenken? Meine schöne rote Eintrittskarte hatten sie auch einfach im unteren Drittel abgerissen, anstatt sie nur einzureißen.

Im Saal hatte ich noch eine Stunde Wartezeit vor mir, die aber durch Eddi aufgelockert wurde, der plötzlich auf die Bühne kam. Vorsichtig und freundlich bat er im lauten Saallärm um Aufmerksamkeit und es wurde sofort still. Alle guckten gespannt und mich durchfuhr ein leichter Schreck, ob nicht schon wieder jemand krank war und ein Konzert ausfallen musste. Er sagte aber nur, dass man die Getränkemarken für die Pause JETZT kaufen sollte. Ahja. Und für sowas schicken sie einen Wise Guy auf die Bühne? Getränkemarken passten allerdings zum Organisationsbild, und nur weil der Eddi es gesagt hatte, ging ich brav los und kaufte mir eine. Es ging ganz schnell, ich war am Getränkemarken-Verkaufstisch sofort dran, aber an der einzig offenen Theke war die Schlange zur Abgabe der Marken so lang, dass ich meinen Durst lieber auf die Pause verschob.

Um 20 Uhr war der Saal mit 600 Leuten wirklich knackevoll, das Licht ging schlagartig aus und ein freudiger Schrei durch das Publikum. Unter lautem Applaus kamen die Wise Guys auf die Bühne, die übrigens mit einem königsroten Vorhang richtig klasse aussah. (Das nur nebenbei, die Wise Guys sahen natürlich auch klasse aus. Wenn ich wählen müsste, wüsste ich, was ich nehmen würde. Was soll ich auch mit so viel Vorhang?) Das Programm begann mit Showtime und ich stutzte gleich am Anfang. Ein lautes “Showtime...!” und dann eine auffällig lange Pause. Gut! Eine Fanfare zum Aufwecken und erst danach der Liedbeginn. Der Klang war zwar noch etwas metallisch, aber schön laut und ich war optimistisch. Gegen Ende des Liedes setzten die Zuschauer im Mitklatschteil etwas zögerlich ein, aber der Applaus am Ende war kräftig und gut.

“Wir sind in Kerpen-TürniSCH und fragen uns. War’n wir schonmal hier?” begrüßte Dän das Publikum. “Sari sagt Ja, aber der hat auch Cargo-Aktien empfohlen.” woraufhin Sari lachend zusammenklappte. Das Publikum stimmte auch ein lautes “Jaaa” an und Dän guckte sich im Saal um: “Wir haben keine Erinnerung daran, obwohl der Saal eigentlich im Gedächtnis bleiben müsste.” Das Publikum lachte amüsiert, denn der Bau war nicht unbedingt hässlich, aber eben so, wie es eine Erfthalle in Kerpen-Türnich aussehen musste. Für Konzerte ebenso geeignet wie für Stadtfeste und Kaninchenausstellungen. (Ich wollte erst etwas von Zuchtrammlern schreiben, aber das könnte Assoziationen wecken, die ich nicht beabsichtigt hätte. Darum habe ich das jetzt geschickt, absolut jugendfrei und sehr damenhaft verschwiegen.)

Diesmal überraschte mich Dän mit einem neuen Hemd und hatte dazu seine Sandkastenhose an. Verwaschen blaue Jeans mit dreckfarbenen Ansätzen. Total in und aktuell, wie ich erfuhr, aber trotzdem im farblichen Aussehen so ungefähr wie meine Gartenhose nach der Arbeit. Liest sich jetzt etwas hämisch, ist aber reiner Neid, denn Dän’s Hose sah richtig gut aus und war dazu sowas von figurfreundlich - wow! Ich war so blöd und hatte mich extra vor dem Konzert umgezogen, dabei hätte ich mit meiner erdverkrusteten Gartenhose bestimmt viel mehr Erfolg haben können. Bewundernde Pfiffe, heiße Blicke, sobald ich staubend und lehmbröckchenverteilend mit meinen Gummistiefeln durch das Foyer gestampft wäre. Na, vielleicht beim nächsten Mal.

Clemens’ Bühnenoptik war beim Frühlingslied wieder bestechend gut. Beim ersten Refrain gab es vorsichtige, aber doch gut hörbare Mitsinger, die sehr schön in “Anna hat Migräne” einstimmten. Ach, da ging mir das Herz auf. Anschließend gab es viel Applaus und es war  schnell klar, dass das Publikum an diesem Abend sehr in Ordnung war. Locker, gut gelaunt, aufmerksam und immer lach- und applaudierbereit.

“Außer dass das berühmteste Steuerflüchtlingspaar aus Kerpen kommt, wissen wir nicht viel davon” begann Dän und startete bei hellem Saallicht die Zuschauerbefragung. Seltsamerweise gab es bei der Anspielung auf die Schumi-Brüder irgendwie keine Reaktion, weder positiv noch negativ. Von meinem Platz aus konnte ich bei der Umfrage auch keine großen Unterschiede in der Anzahl der gehobenen Hände erkennen, und die Kommentare zu den Neuhörern: “Das sind recht viele” und zu den Mehrfachhörern: “Aha” halfen mir nicht unbedingt weiter. Immerhin waren viele Kerpener im Saal und Dän ernannte den Abend zum “regionalen Ereignis”. Als sich ein Heidelberger meldete, grinste er: “Manche fahren ja gerne Auto” und ergänzte: “- auch hier!” Wieder keine bemerkbare Reaktion. Entweder waren die Schumachers ein Tabuthema, oder sie interessierten in diesem Stadtteil keinen. Seltsam. Eine einzelne, zaghafte Düsseldorfer Hand hob sich und ich glaube, manchmal meldet sich nur jemand, damit die Wise Guys nicht enttäuscht sind. *grins*

Bei Das Leben ist zu kurz war Ferenc viel zu leise abgemischt, dafür die Beatbegleitung von Dän dumpf und laut. Das tat schon fast am Trommelfell weh und war hart an der Grenze. OK, beim Konzert in Bad Münstereifel hatte ich gemeckert, weil mir der Sound oft zu wenig war, aber es musste ja nicht sofort an die obere Grenze gehen. Bis zum Ende des Stückes war es aber einigermaßen ausgeglichen, Ferenc plötzlich gut zu hören und Dän etwas abgemildert.

Die Ansage zu Deutscher Meister bekam schon viel Gelächter, es ging um das Schunkeln und damit war man in Kerpen vertraut. Sari gab den Ton an, es wurde still und plötzlich grummelte ein mittellautes, brummendes Geräusch los. Klimaanlage, oder was? Die Wise Guys guckten stumm an die Decke und das Publikum begann zu lachen. Das Geräusch verstummte und die Wise Guys begannen sofort zu singen. Trotz dieser Störung, die gerade noch zum Lachen gereizt hatte, war die Stimmung im Saal sofort sanft und ruhig. Außerdem war das Publikum so aufmerksam und interessiert, dass es nach den Worten “..nur rot und weißer..” ganz sanft singend und reimmäßig korrekt mit “Schaum” ergänzte. Superklasse und sehr schön anzuhören. Als der erste Refrain mit “Ich will einmal im Leben...” begann, war es absolut leise im Saal und der Gesang war ganz zart und klein. Nach den nächsten Worten “...deutscher Meister sein,” haute das laute Gelächter der Zuschauer voll rein und sie verpassten vor lauter Vergnügen die nächsten Zeilen. Dafür lachten sie auch an weiteren Stellen laut auf und sangen den Refrain wirklich gut mit. Ich fühlte mich fast wie auf einer Karnevalssitzung und fand es richtig klasse. (Allerdings ist die Tonlage für Frauen etwas ungünstig. Entweder brummt man tief mit oder quietscht ganz hoch. Na, ein Männerlied eben.) Am Ende gab es ein letztes lautes “Hey!!” und das knallte voll rein und ließ die Zuschauer sofort begeistert losklatschen. Dän sagte danach erfreut: “Dankeschön! Das war eine sehr schöne Gesangleistung Ihrerseits. Hat man selten. Sehr schön.” Das war es wirklich.

Bei Das wär’s gewesen hörte ich wieder fasziniert, wie leicht Clemens von Ton zu Ton hüpfte. Nicht mit festen Schritten auf der Tonleiter hoch und runter, sondern in federnden Sprüngen, klar und scheinbar schwerelos. Ferenc gab ein schönes Bassfundament dazu, das Publikum lachte bei “Sack und Besen” kurz auf und war dann wieder ganz andächtig, und die Soundmischung war perfekt. Super. Danach gab es natürlich keinen jubelnden, sondern eher etwas ergriffenen Applaus. Weil während des Liedes das brummende Geräusch einmal leise, aber doch vernehmbar eingesetzt hatte, fragte Dän, ob der Saal am Ende einer Rollbahn läge, oder draußen Rasenmäher oder sogar Ferraris wären. “Fährt hier ein Zug durch?” Er schüttelte den Kopf: “Das sind so Dinge, die einen Konzertsaal so bekannt machen, dass man sich später dran erinnert.”

Große Augen, offene Münder und ein breites Grinsen im Gesicht, das war danach die Haltung der Zuschauer, als Kinder gesungen wurde. Es wurde laut gelacht, es gab Zwischenapplaus und alle amüsierten sich sehr. Am Ende des Liedes blieb Sari allein in der Mitte der Bühne zurück, die anderen preschten mit viel Entsetzen im Gesicht nach hinten, und er sah so hilflos verzweifelt aus, dass ich laut loslachen musste. Dabei kannte ich die Stelle doch schon so gut, aber es war superwitzig.

Danach musste Eddi unbedingt ein Gedicht loswerden. Die anderen grinsten breit und er brachte sehr ..na, ungewöhnliche Reime über jemanden, der nachts in fremder Umgebung auf das Klo muss. Der Schluss war: “... fand die Tür nich in Türnich.” Alle lachten stöhnend los und Dän ernannte ihn zum “Heimatdichter”. ”Was für eine Nacht war etwas zu laut, aber doch schön fetzig. Vielleicht nicht ganz rund, es hätte noch etwas kraftvoller kommen können. Trotzdem nicht schlecht. Das Publikum blieb allerdings erstaunlich ruhig auf den Sitzen und fühlte sich nicht ganz mitgerissen. Vielleicht waren das noch die Nachwirkungen von Eddi’s Gedicht. Nicht ganz ungefährlich so was auf harmlose Zuschauer loszulassen.

In der Anmoderation von Du bist dabei ging es um Heiratsanträge, und als eine Zuschauerin im Laufschritt nach draußen eilte, grinste Dän:”Da geht schon einer auf die Flucht.” Beim ersten Ton war allerdings der Mann am Mischpult noch nicht dabei und so hörte man Eddi erst ab dem zweiten Ton. Dafür war es aber sehr schön abgemischt und Eddi machte es supergut. Er unterstützte seinen Text mit ausdrucksstarken Bewegungen und guter Mimik, blickte locker ins Publikum und war sehr mitreißend. Ich guckte ihm mit voller Aufmerksamkeit zu, fand ihn total sympathisch und wippte im Rhythmus auf meinem Stuhl. Da stand ein junger Mann auf der Bühne und gab den Zuschauern mit Augenzwinkern ganz persönliche Vorschläge für einen Heiratsantrag und die hörten alle hochkonzentriert zu. Wenn doch alle Vorträge so interessant wären!

Ohne Ansage ging es mit Sonnencremeküsse weiter. Von Dän sanft lächelnd und wie in schönen Erinnerungen versunken gesungen, und ich wünschte mir den nächsten Sommer, wo ich im Auto mit geöffneten Fenstern das Lied ganz laut hören möchte. Am besten auf dem Weg in den Sommerurlaub. (Wie wäre das Lied eigentlich bei einem anderen Urlaubsort ausgefallen? Schottland: Nieselregenküsse? Nordpol: Frostbeulenpflaster??) Am Ende des Liedes knallte sofort der Applaus los, weil es so schön und entspannend war.

Sari war wieder supersüß bei der Powerfrau. Er artikulierte sehr genau, die Textverständlichkeit war trotz der Schnelligkeit sehr gut und seine Mimik einfach klasse. Lässige, aber trotzdem genaue Bewegungen und sein eifriges Bemühen die Powerfrau zufriedenzustellen. Sehr, sehr gut. Ein witziges Lied, das beim Publikum immer sehr gut ankommt.

Mädchen lach doch mal war vom Sound sehr schön und brachte ein weiteres Stimmungshoch ins Publikum, das danach kräftig applaudierte und hochzufrieden in die Pause ging. Ich machte das auch und löste endlich meine Getränkemarke gegen eine Cola ein. Das ging wunderbar, das System Erst- Getränkemarken- am- Tisch- kaufen- dann- Getränk- an- der- Theke- holen hatte sich bewährt. Na, nicht ganz, denn mittlerweile gab es keine Getränkemarken mehr, aber noch viele durstige Besucher. Spontan änderten die Organisatoren ihre Regeln und es durfte an der Theke bezahlt werden. Allerdings nur mit passenden Münzen, denn das Wechselgeld war ja beim Getränkemarkentisch, wo aber keiner mehr war, weil es keine Marken mehr gab. Nur Kleingeldbesitzer konnten noch trinken, aber da in Kerpen die Frühansteher auf den hinteren Plätzen saßen, konnten auch die Scheinbesitzer durstig bleiben. Alles eine Frage der guten Organisation.

Die Pause war sehr lang und hörte gar nicht auf. Nach ewiger Zeit ging im Saal plötzlich das Licht aus und die Zuschauer versuchten ihre Plätze in den engen Reihen zu finden. Da es keine Quergänge gab, musste man zwangsläufig in den Reihen über Beine und Taschen der anderen Besucher stolpern. Im Dunkeln dauerte das natürlich noch länger und ich fragte mich, ob das nach einer kurzen Aufforderung und bei Licht nicht wesentlich schneller gegangen wäre. Zum Glück kamen die Wise Guys nicht sofort nach Erlöschen des Saallichtes auf die Bühne, denn bei dieser Unruhe hätte kein Lied ankommen können. Als endlich alle Zuschauer saßen, strahlte blaues Licht auf, tauchte den Vorhang in tiefes Lila und die Wise Guys stellten sich auf zu Wenn sie tanzt. Sehr schön ruhig, wirklich gut und extrem blutdrucksenkend.

Bei der nächsten Ansage sprach Dän davon, dass Frauen Texte brauchen, die sie intellektuell ansprechen, und mein Sitznachbar lachte schnaubend los. Ey! Was sollte das denn? Die Zuschauer waren jedenfalls neugierig gemacht und lachten kreischend, als ihnen beim ersten Satz von Chocolate Chip Cookies klar wurde, worum es ging. Es war so klasse! Clemens rührte nicht nur den Teig anschaulich mit den Fingern, sondern ließ auch seine Hüften lasziv kreisen, Sari machte sehr verführerische Beckenbewegungen, als er von dem “Teelöffel Natron” sang, und als Ferenc tief und kraftvoll einsetzte, flippte der Saal fast aus. Witzigerweise hörte ich nicht vom “luftdichten Behälter” sondern vom “lust-dichten”, aber lust-dicht war da nichts. Im Gegenteil, ich staunte wieder mal, was diese fünf Jungs für Sexappeal haben können. Da knisterte die Luft, auf der Bühne explodierte die Erotik und der Kontrast zum Text machte alles noch heftiger. Wer will nach solch einem Erlebnis noch was von den California Dream Boys wissen? Also ich nicht! Es gab anschließend superlauten Applaus und Dän motzte: “Anstatt mitzuschreiben lassen Sie sich ablenken!” Na, kein Wunder!

Bei When I’m 64 war der Anfang nicht gut abgemischt. Ferenc war zu laut, die anderen hörte man fast gar nicht. Es hörte sich nicht ‘rund’ an und erst im Lauf des Stückes wurde es gut. Am Ende dann Pfiffe, rhythmisches Klatschen und lautstarke Begeisterung des Publikums. Ohne Ansage ging es mit Sing mal wieder weiter, es war wieder hart an der oberen Lautstärkegrenze, aber damit immer noch besser, als zu leise. Die Stelle, an der hinter dem “Sing!” ein lautes “Tsch!” kommt, war mir aber etwas zu kurz geraten. Da war immer der Augenblick der absoluten Stille so beeindruckend gewesen, der bei einem etwas früherem Nachfolgeton nicht mehr eintreten kann. Ich habe keine Ahnung vom Arrangieren, aber ich meine, dass das “Sing mal wieder” etwas später einsetzen müsste. “Sing!” Pause, und dann genau auf den Schlag: “Sing mal wieder!” und nicht so mit Achtelnote vorgezogen. Es handelt sich nur um Bruchteile, aber irgendwie kam es mir anders und nicht mehr so beeindruckend gut vor. Auf diese Stelle werde ich also demnächst mal genauer achten. (Jetzt kritisieren schon die Laien an den vorgezogenen Achtelnoten erfolgreicher Musikgruppen herum.) Trotzdem war es toll und kam sehr gut an.

Träum vom Meer war sehr schön ruhig, hatte aber nicht nur eine entspannende Wirkung, sondern auf viele Besucher leider auch eine räusper- und hustenauslösende. Je stiller es wurde, desto ununterdrückbarer wurde der Reiz und ich empfand es als ziemlich störend. Schade. Am Ende des Liedes war es dann aber trotzdem ganz ruhig, als an der Stelle “Du schläfst...” die Stimmen wunderbar nacheinander einsetzten. Erst Dän alleine, dann Eddi dazu, Sari, Clemens und am Schluß mit festen Basstönen noch Ferenc. Traumhaft schön.

Auf das nächste Lied hatte ich mich sehr gefreut, denn ich kannte bis dahin nur den Titel: Du Doof. Dän widmete es “vielen Menschen” und ich war gespannt. Eddi scratchte quiekend los und Sari sagte seinen Kollegen mal die Meinung. Sehr witzig, durch Eddis Geräusche perfekt unterstützt und auch von der Choreographie, beziehungsweise Aufstellung her, ein neues Bild. Nur Sari bewegte sich, und als er an den ersten Refrain kam, platzte ich los. “Du Doof!” Er sang nicht viel mehr, aber WIE er es sang, war umwerfend. Dazu Eddis “Äääää.” Total klasse und wirklich witzig. Ich denke, dass das wieder mal ein feines, kleines Sahnestückchen geworden ist. Wie ich beim Hören der nächsten CD mein Gewicht halten soll, weiß ich bei so vielen Sahnestücken und Sonnencremetorte nicht. Na, egal. Wenn ich dann durch die Welt rolle sage ich: “Das liegt an der neuen Wise Guys CD!”

King of the road lief gut ab, Dän sang genauso lang wie vorgesehen und Ferenc bekam donnernden Applaus. Er konnte mal wieder den komplett tobenden Saal mit einer Handbewegung abwinken, und Dän sagte in das Gelächter beleidigt: “Is wirklich toll. Wir anderen haben auch Gefühle!!”

Die Tanzperformance von Schlag mich baby wurde umjubelt, zischender Nebel stürzte auf die Bühne und verteilte sich sanft schwebend im Raum, und das Publikum klatschte begeistert und rhythmisch, bis die Wise Guys wieder auf die Bühne zurückkamen. Ohne Ansage kam Rasier dich, die Zuschauer jubelten los, als Ferenc und Sari mit ihrem Tanz begannen und laute Schreie begleiteten die souveräne Todesspiralenhaltung von Sari. Vor lauter Begeisterung klatschten die Kerpener die Rumba bis zum Ende auf 1+2+3+4 mit, was die Feinheiten verschwinden ließ, aber die gute Laune zeigte. Die ersten Standing Ovations starteten und es gab Jubel, als die Wise Guys danach erneut zurück kamen.

Es wurde dunkel auf der Bühne, eine ungeduldige Zuschauerin rief laut: “Action!” und als gleichzeitig mit dem ersten “Diring ding ding” rotes Licht anging, stöhnten die Zuschauer begeistert auf. “Yeah!” GoldenEye war dran. Hinter mir hörte ich jemanden sagen: “Da ist das Original scheiße dagegen!” *grins* Es war fast unheimlich. Eddi sang total ernsthaft und mit gefährlichem Unterton, im Hintergrund sah man die schwarzen Schatten der Wise Guys auf dem roten Vorhang und als die Akteure sich nach vorne bewegten, wuchsen die Schatten in riesenhafte Höhen. Auch dass Eddi sich vorne auf den Monitorboxen räkelte, während hinter ihm ‘scharf geschossen’ wurde, war wirklich klasse anzusehen. Die meisten Zuschauer schnellten am Ende des Stückes wie von Federn gelöst nach oben und applaudierten stehend.

Mit laut skandierten “Hey! Hey! hey!”-Rufen wurden die Wise Guys auf die Bühne zurück geholt und begannen sofort mit Jetzt ist Sommer. Der Saal groovte mit, irgendwann klatschten sogar alle auf 2 und 4, nur ein Herr in meiner Nähe fand den Mut und die musikalische Lücke, um auf 1 und 3 zu klatschen. Er alleine gegen den Saal. Naja. War vielleicht der Organisator des Abends. Nach starkem Verbeugungsapplaus verschwanden die Sänger von der Bühne, das Saallicht flammte auf und alle Zuschauer standen sofort auf und drehten sich nach ihren Jacken um, die auf den Stuhllehnen hingen.

Fazit: Trotz der organisatorischen Seltsamkeiten ein wirklich schöner, witziger Abend mit  gutem Publikum. Es fiel kaum auf, dass der Root Beer Rag das Programm verlassen hatte, was ich zwar bedauerte, aber sofort akzeptierte. Mit ihm zusammen war auch der Nachtportier gegangen, den ich nie so sehr gemocht hatte, auch wenn die meisten anderen Besucher ihn sehr witzig fanden. Veränderungen zeigen Leben. Beim Afterglow gab es sogar noch Getränke, aber da ich keines mehr wollte, weiß ich nicht, ob auf abgezähltes Münzgeld oder selbstgebastelter Marke, war aber auch egal.

Übrigens: Die Karte hat über EBAY wirklich nur 1 Euro gekostet, aber - und jetzt kommt die Stelle, an der mein Gatte immer verzweifelt die Augen verdreht - ich habe freiwillig 10 Euro dafür bezahlt, weil das immer noch superbillig war und ich mich ansonsten sehr unwohl gefühlt hätte. Schließlich hatte die Verkäuferin 18 Euro dafür bezahlt. Mit Vorverkaufsgebühr sogar noch mehr. Jetzt kann man zwar “Du Doof!” zu mir sagen, aber so bin ich eben.

Showtime
Frühlingslied
Das Leben ist zu kurz
Deutscher Meister
Das wär’s gewesen
Kinder
Was für eine Nacht
Du bist dabei
Sonnencremeküsse
Powerfrau
Mädchen lach doch mal

Wenn sie tanzt
Chocolate Chip Cookies
When I’m 64
Sing mal wieder
Träum vom Meer
Du Doof
King of the road
Schlag mich baby
Rasier dich
GoldenEye
Jetzt ist Sommer

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