Samstag, 18.Januar 2003
Die WISE GUYS in der Stadthalle, Limburg

Limburg war der Ort, an dem ich bei vielen Fahrten auf der Autobahn vorbeifuhr. Auf der Hinfahrt sagte ich dann: “Ah, da ist der Limburger Dom!”, wenn er rechts an mir vorbeiflitzte, auf der Rückfahrt sagte ich es, wenn er an meiner linken Seite vorbeiflitzte. Wobei ich betonen möchte, dass der Dom immer stehen blieb, und ICH es war, die am Dom vorbeiflitzte, was umso verwirrender war, weil ich dabei ganz ruhig und fast bewegungslos im Auto saß. Naja, ich bin zwar blond, aber ich glaube nicht, dass ich mich in ein Auto setze und die Welt sich unter dem Fahrzeug dreht, bis ich am Ziel bin. Es wäre logisch, aber es muß irgendwie anders funktionieren.

Der 18. Januar war ein guter Tag, um einfach mal bei Limburg von der Autobahn abzufahren. Aber auch diesmal war nicht der Dom mein Ziel, sondern die ‘Stadthalle’, in der die Wise Guys auftraten. In Limburg gab es zwei Hallen, und wir folgten an einer Ampel den Schildern zur ‘Stadthalle’ nach links, während es zur ‘Josef-Kohlmaier-Halle’ geradeaus ging. Boah - zwei Hallen in Limburg! Netterweise war die ‘Stadthalle’ aber gleichzeitig auch die ‘Josef-Kohlmaier-Halle’, es schien nur darauf anzukommen, ob man den Eingang auf der einen oder auf der anderen Seite nahm. Sehr geschickt ausgedacht, und für Ortsfremde extrem beeindruckend.

Josef Kohlmaier hing als plattes Metallportrait an der Wand im Foyer und war 20 Jahre lang der Bürgermeister von Limburg gewesen. Wahrscheinlich konnte er nichts dafür, dass der große Saal unsymmetrisch gebaut war. Die Galerie war an der einen Seite viel näher an die Bühne gebaut, zog sich an der anderen aber bis weit nach hinten, und ich guckte eine ganze Weile hin und her, bis mir klar war, dass das unsynchrone Bild nicht an mir und plötzlichen Kreislaufstörungen lag. An beiden hinteren Ecken waren Schiebewände geöffnet, so dass zwei unterschiedlich große Räume an den Saal angeschlossen waren, die ebenso wie der Saal mit Reihen von rot gepolsterten Stühlen zugestellt waren. Der Hausmeister, der im Gespräch betonte, dass er KEIN Hausmeister sei, antwortete auf meine Frage: “Sie wissen doch bestimmt, wieviele Stühle hier aufgestellt wurden?” mit einem klaren: “Ja.” Erst nach weiteren Nachfragen rückte er gnädig mit der Zahl ‘1300’ heraus. Es gab zu Beginn des Konzertes also 1300 Besucher in der ausverkauften Limburger Stadthalle.

Die Wise Guys kamen fast ganz pünktlich auf die Bühne und wurden mit viel Jubel und Applaus begrüßt.  Showtime begann und die ersten Zuschauer klaschten sofort begeistert mit, wurden aber zum Glück dann doch wieder leiser. Ein komplett durchgeklatschtes Konzert wäre nicht gerade mein Wunschtraum. Die Zuschauerlaune war jedenfalls prima, und der Blick auf die Wise Guys äußerst angenehm. Nicht, dass er das sonst nicht wäre, aber sie strahlten gute Laune aus und wirkten, als ob sie seit Wochen keinen Auftritt mehr gehabt und auf diesen Abend in Limburg hingefiebert hätten. Strahlend, grinsend und locker brachten sie ihre Show und es war überhaupt nichts von Routine, Alltag und Arbeit zu bemerken. Es war ihr Job, aber er schien ihnen verdammt viel Spaß zu machen! An der Stelle “Heut simmer hier!” brandete der Jubel im Publikum hoch und das Mitklatschen war nicht mehr aufzuhalten.

Beim anschließenden Applaus flogen zwei kleine Stofftiere auf die Bühne, die Dän danach Clemens und Sari zuordnete. Schräg vor der Bühne saßen zum Teil ziemlich junge Kinder, die ein Schild “Diez grüßt die Wise Guys” schwenkten, und Dän erwähnte, dass Clemens früher mal in Diez bei der Bundeswehr war. “Aber nur sechs Wochen.” Auch Dän hatte Vorfahren aus der Nähe von Limburg. Er nannte zwei Orte, und ein undefinierbares Raunen ging durch den Saal. “Ist das schlimm?” erkundigte er sich verblüfft. Er erwähnte sogar den Limburger Dom, “die Kirche von der man denkt: Boah ist die groß!, aber wenn man dann hinkommt, wird die immer kleiner.” Ach so. jetzt wußte ich auch, warum ich den Dom nicht mehr gesehen hatte, seit ich in Limburg war! Das war wohl eine Art Scheinriese. Jim-Knopf-Kenner wissen, was ich meine.

Zwei Nachkömmlinge schoben sich durch die dritte Reihe auf ihre Plätze und waren dabei natürlich voll in Dän’s Blickfeld. “Ach, schönen, guten Abend!”, begrüßte er sie freundlich. “Sie haben ein Lied verpaßt, Showtime, aber das ist auch schon etwas älter”. Er erläuterte ein wenig den Ablauf, und ich grinste und wußte, dass ich niemals zu spät in die ersten Reihen gehen würde, wenn Dän das sehen könnte. Nee, lieber bis zur Pause am Saalende stehenbleiben. *grins*

Als nächstes kam das Frühlingslied, vor dem es im Publikum unruhig wurde, weil sich viele Leute über das Gesicht von Clemens amüsierten. Schon der erste Refrain wurde im Publikum leise mitgesungen, und die Grundschulkinder aus Diez sangen textsicher alle Strophen durch. “...da hat sie ihre Tage...” saß genauso gut wie “...Do it yourself - nee, das will ich nicht...”, und ich bezweifel stark, dass ihnen ihre Mama erklärt hatte, was sie da sangen.

Der Deutsche Meister fing wieder schön sanft an, und an der Stelle “Karnevalsverein” gab es quietschendes Gelächter wie auf einer Damensitzung. Der Refrain wurde sofort mitgesungen, es gab viele Schunkler, und am Ende wurde temperamentvoll und immer schneller mitgeklatscht. Limburg, die Karnevalshochburg. Pfiffe und Gejohle zeigten am Schluß die Begeisterung der Zuschauer deutlich an.

Dän startete die Umfrage, vermutete, dass sie zum drittenmal in der Limburger Stadthalle waren, war sich aber nicht ganz sicher, und aus glaubhafter Quelle hieß es später, dass sie erst zum zweitenmal dort waren. Eine andere glaubhafte Quelle sprach noch später aber vom dritten Besuch in der Stadthalle und einem weiteren in einer Schulaula. Na, egal. Dän wies auf die beiden geöffneten Saal-Ecken hin: “Dieser Bereich war früher immer zu, und es war trotzdem nicht voll.” Zufrieden grinste er: “Jetzt ist doch OK. Limburg ist im Sack.”

Als in der nächsten Anmoderation von “modernen Frauen” gesprochen wurde, freuten sich einige Zuschauer sofort auf die ‘Powerfrau’, aber es war Du bist dabei. Schön, wie Eddi am Anfang den Text verfremdete, aber doch einen Wiedererkennungswert schaffte, indem er fröhlich mit: “Dabdabdabeiiii.” startete. Von “Dab-dab-dabei” bis zu “Du-bist-dabei” ist es nicht weit, und der ahnungslose Zuhörer hat das Gefühl, die Zeile schon mal irgendwo gehört zu haben. Geschickt. Der Text war gleichzeitig liebevoll und witzig, die Musik mitreißend und Eddi charmant, ansteckend gut gelaunt und totaaaal nett. Er blickte intensiv ins Publikum, spielte mimisch vor, was er sang, und war einfach schnuckelig. Da würde es schwer fallen Nein! zu sagen.

Die Aufstellung bei Das wär’s gewesen kam mir anders vor, und es lag wohl nicht an der unsymmetrischen Halle. Vielleicht war es ein Zufall, weil die Bühne so groß war, aber mir gefiel es optisch sehr gut. Vorher hatte Clemens immer rechts vorne gestanden, und die anderen Vier in einer Reihe etwas hinter ihm. In Limburg hatten die Vier einen nach hinten versetzten Halbkreis gebildet, so dass Clemens zwar einerseits optisch mehr von ihnen umgeben war, aber durch den großen Abstand zu seinem ‘Hintermann’ noch weiter in den Vordergrund rückte.  Es sah intensiver aus und hatte mehr Spannung. Dazu war der Klang sehr gut (Ich saß weit vorne und kann es nur dort beurteilen. Keine Ahnung wie es in den angebauten Ecken war.) und der Bass war wunderbar voll und tief. Das Publikum wurde immer ruhiger, Clemens sang sehr einfach, klar, perfekt passend und treffend, der Background begleitete und Ferenc gab einen schönen Bass dazu. Sehr, sehr schön.

Bei Kinder knallte die Stimmung wieder hoch, die Zuschauer quietschten lachend, und eines der mitsingenden Diezer Kinder stockte verwirrt, als es überzeugt: “Was mir auf die Nerven geht” sang, von der Bühne aber laut “Eier” ertönte. Da Kinder aber lernfähig sind, hatte es im nächsten Refrain den neuen Text schon drauf. Das ist schon etwas verwirrend, wenn es auf der CD nur die brave Studio-Version gibt. Meine eigenen Kinder, die endlich mal wieder mit auf einem Konzert waren, lachten, als hätten sie das ‘Kinder’-Lied nie zuvor gehört, was eindeutig falsch war. Aber der Blick auf die Bühne und die verrückten Wise Guys faszinierte sie einfach.

Supercool sah es bei Was für eine Nacht aus. Das Licht war cool blau, Sari, Eddi und Clemens standen cool herum und hatten coole Sonnenbrillen an, nur der Sound zog sofort heiß ab. Wummernder Bass, der im Bauch kribbelte und den Boden unter den Füßen leicht vibrieren ließ. Yeah! So mußte es sein! Das war kein a-cappella-Gesang, sondern knalliger Rock, der eher an eine Band erinnerte. Klasse, klasse, klasse!!

Die Sonnencremeküsse waren nicht sanft und verträumt, sondern gut gelaunt und wie eine bunte Ferienpostkarte vom Meer. Auch schön, aber mir persönlich gefällt die ruhigere Version besser. Ich bin scheinbar hoffnungslos romantisch und liebe es, wenn die Stimmung dabei sehnsuchtsvoll und sentimental ist. Aber die Wise Guys waren sehr guter  Laune und schickten eben lieber eine fröhliche Postkarte, so dass alles etwas temperamentvoller und lebendiger war. (Ich will überhaupt nicht meckern, denn das Ergebnis war sehr schön.)

Sari und der Besen machten die Show bei der Powerfrau, und die Zuschauer lachten laut und jubelnd. Ich kann mich gut an meine erste Begegnung mit dem Refrain der Powerfrau erinnern. An der Stelle mit der langen Berufsbezeichnung wurde ich innerlich ganz starr und dachte entsetzt: “Muß ich das jetzt verstehen??” und lachte erleichtert los, als sofort danach klar wurde, dass das nicht nötig war. So wird es anderen Neuhörern auch gehen, darum ist das Gelächter nach dem ersten Refrain immer sehr entspannt und fröhlich. In Limburg wurde nach dem Lied heftig geklatscht und laut gejohlt, die Stimmung war super und stieg nach der anfeuernden Anmoderation von Mädchen lach doch mal noch weiter an. Ab dem ersten Refrain wurde mitgeklatscht, Eddi und Sari sprangen über die Bühne, kamen sogar später als sonst zurück, so dass sie erst während des letzten Refrains wieder an ihrem Platz standen, und es war temperamentvoll und witzig. Nach diesem Abschluß des ersten Teils konnte man eigentlich nicht auf die Idee kommen, den zweiten Teil freiwillig verpassen zu wollen. Unter Gejubel wurden die Wise Guys in die Pause verabschiedet, dann schoben sich etwa 1000 Leute in kleinen Schritten und eng aneinandergedrückt aus dem großen Saal in das viel kleinere Foyer. Dort war es eng, stickig und laut wie am Hauptbahnhof. Wäre ich bloß nicht rausgegangen. Mit Mühe konnte ich mich endlich in den wunderbar leeren Saal zurückkämpfen.  

Die Pause dauerte etwas, denn es brauchte Zeit, bis die Leute aus dem engen Foyer in den Saal gefunden hatten. Als alle Plätze wieder besetzt waren, wurde es im Saal dunkel, das Publikum begann sofort rhythmisch fordernd zu klatschen, und auf der schwach beleuchteten Bühne konnte man erkennen, dass sich dort fünf dunkel gekleidete Leute aufstellten. Ich vermutete sofort, dass es die Wise Guys waren, was sich auch als richtig herausstellte. Immerhin ein Vorteil der häufigen Konzertbesuche: Ich muß nicht lange überlegen und rätseln, wer das vielleicht sein könnte.

Im Publikum gab es da scheinbar mehr Fragen, denn es war ziemlich unruhig. Es wurde geflüstert, erklärt, kommentiert, und insgesamt war das ein unangenehm hoher Lärmpegel. Alles zwar halblaut, aber bei so vielen halblaut sprechenden Leuten, war es dann doch auffallend. Wenn sie tanzt begann trotzdem, um mich herum wurde geflüstert, meine Kinder hatten die Plätze getauscht und da einer mit dem Ergebnis nicht einverstanden war, bestand die Gefahr, dass es nach einem boxenden Ellenbogen einen wütenden Aufschrei geben könnte. Ich war überhaupt nicht in der Stimmung für das Lied und ärgerte mich über alle Nebengeräusche. Aber auf einmal wurde es im Publikum viel ruhiger, die Kinder saßen plötzlich still und friedlich nebeneinander, ich konzentrierte mich auf die Musik und versank in einen Raum voller Leute und Zigarettenqualm, Musik, Lärm, einer tanzenden Frau und den Blicken von Dän, der sie dabei beobachtete. Erst gegen Ende des Liedes tauchte ich wieder auf und war wieder in der Limburger Stadthalle. Auf der Bühne standen nur noch die Wise Guys und die ganze Szenerie war verschwunden. Da sage doch mal einer, ich hätte keine Phantasie.

Es paßt jetzt überhaupt nicht, aber bei den letzten Tönen dachte ich plötzlich: Warum hat Clemens eigentlich immer so ‘ne blöde Jacke an? Er sieht in einem eng sitzenden T-Shirt doch total knackig und richtig toll durchtrainiert aus. Ich beherrschte mich und brüllte nicht in den Applaus: “Clemens, Jacke aus!!!”, weil das, so neben meinem Gatten und inmitten der Kinderschar sitzend, sehr fragwürdig ausgesehen hätte, aber ich DACHTE es. Ehe es Gerüchte gibt: ‘Jacke aus’ würde mir zunächst einmal ausreichen.

Bei der Ansage zu den Chocolate Chip Cookies wurde eine große Erwartungshaltung aufgebaut, die polternd und unter lautem Gelächter in sich zusammenfiel, als der erste Satz heraus war. Das Publikum hatte Spaß, und als Ferenc nach seiner Solostelle laut umjubelt wurde, ging das Lachen aus den Zuschauer-Gesichtern überhaupt nicht mehr raus. Schon bei den letzten Tönen brandete der Applaus auf, es gab Riesenlärm und viel Begeisterung. Das Volk war nicht zu halten. (Der letzte Satz ist zwar total dämlich, aber in diesem Zusammenhang gefällt er mir. Außerdem krieg ich ja zum Glück keine Noten mehr für meine Aufsätze. *grins*)

Mit When I’m 64 ging es weiter und schon bei der Ansage “ein Song über das Älterwerden” gab es freudige Rufe. Als dann Ferenc dunkel und mächtig einsetzte, ging lautes Staunen durch den Saal. Eddi mußte warten, bis der Applaus leiser war, ehe er einsetzen konnte. Das Publikum lachte sehr laut und ganz locker an allen witzigen Stellen, und es war eine supergute Stimmung im ganzen Saal. Sofort danach ging es mit Sing mal wieder weiter. Es zog sofort kräftig ab, weil der Sound voll und laut war und einfach alles stimmte. Die Freeze-Stellen waren knallermäßig gut. Keine Bewegung, kein Ton, aber totale Spannung in der Luft. Wahrscheinlich bin ich ein völlig durchgedrehter Fan. Die Wise Guys machen absolut NICHTS und ich bin begeistert.

Ich wippte auf meinem Stuhl mit und wurde von der kommenden Einlage völlig überrascht. Eddi hörte plötzlich auf mit seinen Strophen, teilte den Saal mit einer Handbewegung in zwei Hälften und ließ beide Seiten abwechselnd singen. Er sang immer einen Break vor und die Zuschauer sangen ihn nach. Hey, das machte Spaß! Außerdem war es genau die richtige Tonlage, in der ich mit Begeisterung grölen konnte. Eine supergute Sache, die von den Zuschauern mit Freude angenommen wurde. Klasse! Unbedingt behalten und noch etwas ausbauen! Es könnte gegen Schluß sogar noch etwas komplizierter werden, damit man sich richtig anstrengen muß. Außerdem werde ich ab jetzt in allen Gesprächen so ganz nebenbei einfließen lassen können, dass ich “schon mal mit den Wise Guys zusammen gesungen habe.” Bei Nachfragen werde ich dann lässig “In Limburg beim Konzert” einwerfen und das Thema wechseln, ehe weitere Fragen kommen. *grins*

Träum vom Meer war das nächste Stück. Am Anfang wurde im Saal noch etwas viel gehustet, aber dann war es größtenteils ruhig. Die Wise Guys standen in blauem Licht, der Hall erzeugte eine ganz träumerische Stimmung, und es war einfach sehr, sehr schön.  Ich habe es ja schon oft gehört, aber an diesem Abend kam es mir ganz besonders gut gelungen vor. Superschön, zum Wegschmelzen.

Bei Du Doof kann ich gar nicht sagen wie es war, denn ich musste die ganze Zeit über lachen. Ich mußte über den Text lachen, über die Art wie Sari ihn sang, über den Blick, den Clemens zu Eddi warf, über die fassungslos amüsierten Gesichter meiner Kinder und am meisten über Eddi. Was dieses Lied jetzt so genau ausmacht, weiß ich nicht, aber es hat was. Am Ende musste ich mir aus jedem Augenwinkel eine Lachträne wischen und strahlte fröhlich in die Gegend.

Ferenc war der King of the road und zog seine obercoole Show ab. Der Begleitchor schnippte und hupte vor sich hin, nur einmal war ein zartes “Holi-jodi-lii” zu hören, was meiner Meinung nach von Eddi kam und Clemens loslachen ließ. Am Ende erhielt Ferenc den megadicken Applaus mit Getrampel, und die anderen Wise Guys zogen beleidigt von der Bühne ab. Als sie wiederkamen und der Applaus aufhörte, erklärte Dän mit ganz tapferem Gesichtsausdruck: “Wir freuen uns mit dem Ferenc.” Er betonte, dass sie gar nicht beleidigt seien, aber dabei zuckten seine Mundwinkel und er sah aus wie der kleine Daniel, der ein Spielzeug abgeben muß. Sehr süß und wirklich witzig! Supergut.

Danach auch eine kleine Szene, die ich sehr liebe. Dän zitierte wie üblich Huub Stevens mit dem Satz vom Aufhören, und am Ende legte er kurz seine Hand auf’s Herz und neigte in Ehrfurcht vor diesem Satz den Kopf. Eine kleine Geste, die total klasse ist und die ich immer wieder gerne sehe.

Zum Abschluß gab es Schlag mich baby. Dän sagte: “Ein Lied, es ist nie fertig. Wie der Kölner Dom”, woraufhin Sari sofort zu Eddi blickte und beide in Lachen ausbrachen. Das Publikum jubelte laut in Vorfreude auf das Lied, und Dän bat die Kinder einen Moment wegzuhören, da der Text nicht für Kinder geeignet sei. Es ging los, das Licht wechselte taktgenau, der Nebel setzte zischend zum richtigen Zeitpunkt ein, und die Tanzperformance war wieder überzeugend toll. Der Gesang auch, so dass am Ende laut gepfiffen und getrampelt wurde, bis die Wise Guys nach dem Verbeugen und dem Abgang wieder zur Zugabe auf die Bühne zurück kamen.

Dass Rasier dich mit schrillen Schreien und viel Vergnügen aufgenommen wurde, brauche ich wohl kaum zu schreiben. Auch die nächste Zugabe, GoldenEye, war umjubelt. Am Anfang waren die Wise Guys blau beleuchtet und sahen aus, als ob sie mit den Füßen in einem feuchten Sumpf standen, aus dem Nebelschwaden nach oben zogen. Das Licht wechselte passend, aber leider machte jemand ständig Blitzfotos, so dass die spannende Szenerie immer wieder hell aufleuchtete und alles unangenehm wurde. Mir tat es schon in den Augen weh, wenn die Schultern der vor mir Sitzenden hell aufleuchteten, wieviel mehr mußte sowas die Wise Guys stören, die den Blitz jedesmal voll ins Gesicht bekamen. Naja. Immerhin sah ich zu, als Ferenc auf Dän schoß, der den Treffer mit schmerzverzerrtem Gesicht aus dem Bauch zog, dann aber mit anklagendem Blick vor Ferenc hielt, der hinsah und dabei durch ein mit Daumen und Zeigefinger gebildetes Loch blickte. Hach, reingefallen, das alte Spiel! Ferenc musste lachen und Dän machte ihm blitzschnell ein Kreuz auf den Oberarm, schlug drauf und wischte ab. Alles, während sich vorne auf der Bühne Eddi lasziv und sexy durch die Gegend wand. Nach dem Lied gab es viel Beifall und Standing Ovations.

Noch einmal gingen die Wise Guys ab, kamen aber zurück um Jetzt ist Sommer zu singen. Vom Rhythmus angetrieben klatschten die Zuschauer los, und Dän schlug vor: “Wir probieren das auf die 2 und 4.” Die meisten Leute im Saal schafften das mit Hilfe der guten Anleitung von der Bühne, so dass Dän zufrieden: “Joh!” nickte, und lossang. Es groovte, die Zuschauer machten toll mit, und Eddi und Sari sprangen gut gelaunt und Luftgitarre spielend durch die Gegend. Ein schöner Schluß. Nach einem letzten, großen Applaus ging das Licht an, und die Zuschauer erhoben sich von den Stühlen.

Im Foyer gab es erst noch ziemlich viele Besucher, die Autogramme haben wollten, dann aber zum Teil doch schnell gingen. Die kleinsten Besucher, die mit Sicherheit nicht zu den kleinsten Fans gehörten, waren die beiden Kinder aus der vorderen Reihe. Etwas müde, aber mit dem Willen nichts zu verpassen, waren sie mit großen Augen beim Afterglow dabei. Sie hießen Maike und Niklas, und da Niklas der jüngste Besucher an diesem Abend war, ließen sich die Wise Guys noch zu einem Lied beim Afterglow überreden. Es sollte die Heiße Liebe werden. Es war dann auch so ähnlich wie die heiße Liebe, aber natürlich völlig ohne Percussions-Instrumente, die Eddi irgendwie mit rhythmischem Streichen seiner Handflächen ersetzen wollte. Zuerst kam Clemens sowas von total aus dem Text raus, dass er einen ganzen Teil wiederholte, danach bekamen Sari und Eddi einen Lachanfall, der auch Ferenc nicht verschonte und Dän zu breitem Grinsen hinriß. Sari versuchte Eddi zu signalisieren, dass sie falsch standen und die Plätze tauschen müssten, aber Eddi kapierte nicht und zeigte ihm immer wieder, wie er mit den Händen Geräusche machte. Daraufhin bekam Sari einen Lachanfall, sobald er nur zu Eddi blickte. Als Eddi endlich kapiert hatte, konnte er Sari nicht mehr ansehen, ohne sofort lachen zu müssen und einer von ihnen beugte sich immer lachend zur Seite weg und war nicht mehr zu hören. Ferenc hielt sich lachend die Hand vor die Augen, um nicht hinsehen zu müssen, und die Zuschauer lachten vergnügt über beide Backen. Es war ansteckend witzig und eigentlich schöner als im Konzert. Fünf Sänger, die sehr locker, extrem vergnügt und von Lachanfällen geschüttelt ein Lied sangen, und dabei großen Spaß an allen Pannen hatten.

Supergut gelaunt verließ ich Limburg nach dem Afterglow und fuhr mit lachendem Gesicht nach Hause. Den Dom hatte ich immer noch nicht richtig gesehen, aber ich wußte ja jetzt, dass er ganz klein ist, wenn man vor ihm steht. Das Konzert war prima gewesen, ich hatte nichts, über das ich meckern würde, die Stimmung war toll, der ganze Abend war rundum schön und lohnenswert. Super. Wenn ich noch kein Fan gewesen wäre, wäre ich einer geworden.

Showtime
Frühlingslied
Deutscher Meister
Du bist dabei
Das wär’s gewesen
Kinder
Was für eine Nacht
Sonnencremeküsse
Powerfrau
Mädchen lach doch mal

Wenn sie tanzt
Chocolate Chip Cookies
When I’m 64
Sing mal wieder
Träum vom Meer
Du Doof
King of the road
Schlag mich baby
Rasier dich
GoldenEye
Jetzt ist Sommer

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