Freitag, 21.März 2003
Die WISE GUYS im Millowitsch-Theater, Köln

Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag - das waren die vier Millowitsch-Tage der Wise Guys im Jahr 2003. Natürlich alle schon lange ausverkauft, denn es hatte sich herumgesprochen, dass die Stimmung in dem altmodisch-hübschen Theater meistens sehr gut war. Außerdem war es eine Gelegenheit die Wise Guys mal wieder in einem kleineren Umfeld zu erleben. Etwa vierhundert Besucher passten in den Saal mit dem schmalen, umlaufenden Balkon eine Etage höher, und für jeden Zuschauer gab es einen dick gepolsterten, knallroten Klappsessel. In der Mitte der Saaldecke hing ein großer Kronleuchter, auf die Wand über der Bühne war ein altmodisches Theaterbild gemalt, und ich fand alles grundsätzlich nett und schön und wunderbar.

Das Licht ging aus, die Wise Guys kamen unter lautem Jubel des Publikums auf die Bühne, und Sari machte große Ausfallschritte nach rechts und links, um seinen Kollegen den Ton anzugeben. Kaum hatte er es gemacht, wurde das Klatschen rhythmisch, hörte kaum noch auf und verzögerte den Beginn des Liedes deutlich. Die Guys grinsten erfreut und schließlich mußte Sari erneut in der Hosentasche nach der Stimmpfeife kramen, um den Ton sicherheitshalber nochmal anzugeben. Clemens hob den Arm, das Publikum stockte leicht mit dem Beifall, und die Wise Guys legten sofort mit Showtime los. Der Klang war sehr gut, schön kräftig und von mir nicht zu beanstanden. Das Publikum ging gut mit, jubelte und klatschte an den dafür vorgesehenen Stellen und hatte von Anfang an eine richtig gute Stimmung.

(Ehe jetzt die ersten Leute die Stirn runzeln, die mich schon am Donnerstag im Millowitsch-Theater gesehen haben: Ja, ich war an beiden Abenden da, werde den Bericht aber über das Freitags-Konzert schreiben, weil es sich nur wenig vom Vortags-Konzert unterschied, die Stimmung im Publikum aber noch besser war. Außerdem grinse ich entschuldigend zu den Leuten, die regelmäßig die Anzahl meiner Berichte zählen und nun mit Erschrecken feststellen müssen, dass es nicht zu jedem Konzert einen Bericht gibt. Die durch Abzählen ermittelte Zahl der Konzertbesuche kann also nicht stimmen. Ob es nun aber mehr oder weniger Konzerte als beschrieben waren, muss jeder selber heraus finden.)

Dän begrüßte die Anwesenden zum vierten von vier Abenden im sechsten Jahr im Millowitsch-Theater. Ich hatte keine Lust zu überschlagen, wieviele Konzerte das wohl insgesamt waren und nahm das einfach unreflektiert zur Kenntnis. Waren auf jeden Fall eine ganze Menge. “Das Millowitsch hat genau die richtige Größe, es ist nicht zu groß und nicht zu klein.” In diesem Moment kam eine größere Gruppe Zuschauer verspätet in den Saal und natürlich hatten sie ihre Plätze sehr weit vorne. Dän freute sich: “Ach, da kommt noch jemand!” und säuselte ein: “Hallooooo! Das ist wahrscheinlich hier diese Reihe. Schönen, guten Abend! Hallooo!” Alle fünf Wise Guys beobachteten interessiert, wie sich die Gruppe durch die Reihe schlängeln musste, und Dän begrüßte jeden einzeln. Er winkte freundlich von der Bühne herunter, sagte: “Hallo, wie geht’s?”, “Hey!” oder: “Schönen, guten Abend!” und erkundigte sich dann fürsorglich interessiert: “Was war los?” Er wiederholte die Antwort laut: “Die Straßenbahn?” und fragte ungläubig: “Sie haben sich auf die KVB verlassen???” Es gab große Freude im Publikum.

Nach dieser Einlage wurde es wieder ernster, denn er sprach kurz das Thema Irak-Krieg an, der am Tag vorher begonnen hatte. Er vergewisserte sich ein wenig locker, aber trotzdem nicht lächerlich, ob die Zuschauer zum KONZERT gekommen wären, und NICHT, um politische Statements zu hören, und ging damit auf die Situation ein, ohne allzu ernst zu werden. Ich persönlich fand das eigentlich überflüssig, aber vielleicht waren einige Zuschauer im Publikum, die damit beruhigt wurden. Allerdings frage ich mich, warum von den Wise Guys immer wieder verlangt wird, sich über den Irak-Krieg zu äußern. Ganz sicher haben sie ihre Meinung zu den Vorgängen, aber sie sind doch keine Politiker, die öffentlich Statements abgeben müssen. Auch die Meinung, dass es im Kriegsfall keine Konzerte geben dürfe, bringt mich zum Kopfschütteln. Wie lange sollen im Kriegsfall Konzerte ausfallen? In der ersten Woche? Oder sogar 14 Tage lang? Und ab dann wieder lustig wie vorher? Es gibt ständig irgendwo auf der Welt Krieg, da dürfte es, wenn man es wirklich genau nimmt, eigentlich überhaupt keine Unterhaltungsbranche geben.

Dän’s Bemerkung dämpfte die Stimmung etwas, aber da er gleich weiterreden konnte, trauten sich die Zuschauer dann auch wieder zu lachen. Er erklärte: “Wir müssen die geliebte Heimatstadt immer wieder verlassen, um Konzerte zu machen in Orten wie München, Berlin oder...”  “Düsseldorf!!” ergänzte ein Zuschauer laut. Dän rief freudig: “Düsseldorf! Ja! Auch da!” und schob nach kurzer Pause hinterher: “Vertrag ist Vertrag.”

Mit dem Deutschen Meister ging es weiter, es war sehr schön, das Publikum sang den Refrain mit und schunkelte sogar in großen Gruppen. Dabei war das bei den hölzernen Armlehnen im Millowitsch-Theater nicht einfach, aber die Stimmung war so gut, dass die späteren blauen Flecken im seitlichen Rippenbereich einfach hingenommen wurden.

Sofort danach begann die Umfrage. Dän meinte: “Das ist wichtig für uns. Ein Konzert, das seit Wochen ausverkauft ist. Was sind das für Menschen, die heute abend das Konzert hier besuchen?” Bei den Erst-Konzertbesuchern meldeten sich nicht sehr viele Leute. “Oh, ja, das ist eine klare Minderheit”, erkannte Dän sofort. Die Mehrfachbesucher wurden nach der Häufigkeit der Besuche gefragt. “Wer war mehr als 10 mal? 20? 50? 100? 150?, nee, war Spaß!” Allerdings hatte bei 150 Igor vom Ton aufgezeigt, was Dän sehr erfreute. Nach einer kurzen Erkundigung über die weiteste Anreise wollte Dän enden: “Wir sind mit den Ergebnissen dieser Umfrage....”, blickte nach oben auf den Balkon, wo ein Mann ihm aufgefallen war, und fragte schnell: “...oder möchten Sie auch noch sagen, wo Sie herkommen? Wir haben Zeit.” Der Mann rief seinen Herkunftsort nach unten, Dän verstand “Spreewald”, andere “Bremen”, und er winkte ab: ”Schön. Ja. Wunderbar.” Er grinste ins Publikum: “Noch jemand, der sagen möchte, wo er herkommt?” Die Zuschauer lachten freudig und auch auf der Bühne grinsten mehrere Personen breit.

Eddi sagte das nächste Lied an, betonte, dass sie nicht die “Chippendale’s” wären, warf dann einen Blick zu Sari und sagte: “Obwohl der Sari mir heute hinter der Bühne gesagt hat, dass jeder seinen Preis hat. ....Also, ich weiß jetzt nicht .....” Sari lachte, und Clemens hielt sich fassungslos grinsend die Hand vor’s Gesicht. Dän, Sari und Clemens bereiteten sich mental auf ihre Choreographie vor, dann startete Du bist dabei. Es war locker und rhythmisch, und als die drei hochkonzentrierten Tänzer eine Rechtsdrehung machten, gab es leises Gelächter, bei der folgenden Linksdrehung dann schon lautes Gelächter, und beim Hüftwackeln waren die Zuschauer nicht mehr zu halten und johlten begeistert. 

Danach kam Das wär’s gewesen . Das Bühnenlicht zeigte sofort, dass es ernster wurde. Mit wenig Licht, viel Rot und kleinen Strahlern kam eine ganz entspannte Atmosphäre auf, die Wise Guys standen sehr ruhig, Clemens sang versonnen seine Leadstimme, und es war sehr still im Saal. Am Ende des Liedes gefiel mir sehr gut, wie sie nur langsam die Positionen auflösten und sehr zögerlich aus ihrer ruhigen Haltung herauskamen. Schön! Ein plötzliches Aufraffen und sofortiges Herumlaufen hätte die ruhige Stimmung zerstört. Den Kontrast zwischen dem laut applaudierenden Publikum und den wie aus einem Schlaf erwachenden Wise Guys fand ich richtig gut.

Mit Kinder ging es danach lautstark und temperamentvoll weiter. Der Lichtwechsel zu eisblau an den “Horror”-Stellen war superklasse, und Sari sah bei der Vorstellung von eigenen Kindern nicht gerade erfreut aus. Allerdings lag hier der Hauptunterschied zu dem Konzert zum Vortag. Genau genommen war die Vorstellung am Freitag für Sari sogar die Grenze zwischen allen jemals vorher gegebenen und allen später kommenden Konzerten, auch wenn man auf den ersten Blick nichts davon erkennen konnte. Dän verriet es nach dem Lied: “Tja, ‘Kinder’. Meine Damen und Herren, wie es der Zufall so will, ist der Sari heute tatsächlich Vater geworden. Heute morgen.” Das Publikum jubelte los und Sari strahlte über das ganze Gesicht. Dän ergänzte: “Mutter gesund, Vater völlig durchgeknallt. Er hat heute den ganzen Tag von nichts anderem geredet.”

Da die Laune sowieso richtig gut war, passte Was für eine Nacht perfekt. Bass und Rhythmus wummerten kräftig los, ab dem ersten Refrain wurde mitgeklatscht und am Ende wurde begeistert gejubelt. Clemens machte seine Mega-Substantiv-Beispiel-Ketten-Ansage für die Sonnencremeküsse , dann wurde das Bühnenlicht gelblich, sonnig und warm. Schön langsam und sehr sanft begann Dän zu singen, aber nach einigen Zeilen machte ich eine Entdeckung. Ob das Lied verträumt und ruhig wirkt, hängt nicht nur vom Tempo ab, sondern auch von der Art, wie Dän singt. Er hatte sanft begonnen, wurde dann aber immer kräftiger in der Stimme, so dass der softig-ruhige Eindruck verloren ging. Es war immer noch sehr schön, das ganze Lied ist einfach wunderbar, aber er sang es “erzählend” und nicht “in Gedanken versunken”. Gegen Ende des Liedes wurde er dann wieder zurückhaltender und die Stimmung war so, wie sie mir am liebsten ist. “Solch ein Urlaub hat ja mit der Realität herzlich wenig zu tun” sagte er, als der Applaus aufhörte. Es gab ein paar Lacher, aber mir war dieser Kommentar zu ernüchternd. Das ist, als ob am Ende eines ganz romantischen Romanes auf der letzten Seite fett gedruckt steht: “Ätsch, war gar nicht so!” Hey, das ist mir ja klar, aber ich will das dann nicht wissen!

Bei der Powerfrau gab es immer noch keinen Besen und Sari machte die Show locker ohne ihn. Ich habe echt nichts gegen Besen, aber er fehlte mir nicht. Auch wenn das Herumwirbeln des Gerätes immer anerkennendes Staunen auslöste, gefällt es mir besser, wenn Sari spontan und temperamentvoll alleine über die Bühne fegt. Ich habe aber keine Ahnung, ob das Teil auf Dauer entlassen, oder nur zu Hause vergessen wurde.

Zum Ende des ersten Programmteils gab es einen Höhepunkt des Abends. Bei Mädchen lach doch mal gab es keine Känguru-Trommeln mehr, sondern Dän sammelte vom Publikum Begriffe, von denen sich Eddi und Sari etwas für ihre Performance aussuchen konnten. Zunächst ging es um Sportarten. Skispringen, Sumo-Ringen und Synchronschwimmen lösten erste Heiterkeitsausbrüche bei Eddi und Sari aus. Bei den Berufen wurden Müllmann,  Zahnarzt und Schädlingsbekämpfer vorgeschlagen. Nach kurzer Beratung hatten Eddi und Sari den Sumo-Ringer und den Zahnarzt gewählt. Dän sagte: “Das werden die beiden gleich rhythmisch umsetzen. Es ist eine erbärmliche Darbietung, aber sie scheint den Leuten Spaß zu machen. Wir haben das jetzt zwei-, dreimal probiert und gestern hier schon einem dicken Elektrokabel Geburtshilfe verschafft. Ich musste grinsen, denn am Vorabend war es wirklich total abgedreht gewesen. Eddi war als “schwangerer Pfarrer unter Ecstasy” mit dickem Bauch auf die Bühne gekommen, hatte sich breitbeinig auf den Boden gelegt, und Sari als Hebamme hatte sich auf ihn gestürzt und triumphierend ein dickes, schwarzes Elektrokabel zur Welt gebracht.

Nach dieser Einleitung gab es im Publikum schon vor dem ersten Ton  Gelächter und supergute Laune. Alle waren gespannt, was es auf der Bühne geben würde.
Das Lied begann wie immer, der erste Trommelbreak kam, und Sari ging plötzlich breitbeinig leicht in die Knie, machte die Schultern breit und wirkte einen blitzschnellen Moment lang fast wie ein Sumo-Ringer. Allerdings war das nur ein erstes Aufblitzen, denn er mutierte blitzschnell zu Sari zurück, und es ging ganz normal mit der nächsten Strophe weiter.

Beim zweiten Break blies er die Wangen auf, stützte sich mit den Händen auf die gebeugten Oberschenkel und stampfte schwankend mit den Füßen auf den Boden, wie ein richtiger Sumo-Ringer vor dem Kampf. Währenddessen krempelte sich Eddi sorgfältig die Hemdärmel für die nächste Zahn-Behandlung hoch.

Sari ging schwankend ein paar Schritte zurück und wirkte trotz seiner schmalen Figur so massig und schwerfällig wie ein dicker Gorilla. Er stellte sich nach vorne gebeugt hin, hob den Kopf und öffnete den Mund. Eddi guckte konzentriert hinein, griff dann zu einem Riesenbohrer und bohrte mit lautem Bohrgeräusch los. Das Publikum lachte laut, da holte Sari plötzlich tief Luft, warf seinen Körper gegen Eddi, und beide flogen mit Schwung weit nach hinten auf den Boden. Es sah echt gefährlich aus. Sari lag halb über Eddi, sprang sofort hoch und riß den Arm jubelnd in Siegerpose. Die Zuschauer schrieen vor Lachen, und keiner guckte mehr auf Clemens, der das Lied tapfer und völlig unbeachtet bis zu Ende gesungen hatte.


Das Publikum jubelte laut und war in Hochstimmung, die Wise Guys gingen lachend ab, das Licht wurde eingeschaltet und die Pause begann. Noch beim Aufstehen konnte ich im Stimmengewirr aus allen Richtungen Gelächter über die letzte Nummer hören.

Im Millowitsch-Theater frage ich mich vor der Pause immer, wie die 400 Leute aus dem Saal in das viel kleinere Foyer passen können, und sehe dann in der Pause, dass es nicht klappt. Faustregel: Wenn man relativ gut bis zum Getränkestand durchkommt, hat es mindestens schon zweimal geklingelt und die Pause ist jeden Augenblick vorbei. Ist aber egal, denn das Theater ist auch im teppichbelegten Treppenhaus sehr gemütlich, und es gibt viele alte Bilder von ganz frühen Vorstellungen des Millowitsch-Ensembles an den Wänden zu betrachten. Ich finde es einfach schön.

Als zum zweiten Programmteil alle Leute wieder in ihre Sessel gesunken waren, gingen die Saaltüren zu und das Licht aus. Noch im Dunkeln kamen die Wise Guys auf die Bühne und begannen mit dem Dialog. Sanft, sehr interessant und schön klangen die ersten Akkorde durch den Raum, und ich fühlte mich in ein King’s Singers Konzert versetzt. Das Bühnenlicht ging vorsichtig an, aber die einzigen Bewegungen gingen von Clemens aus, der zwischen seinen Sätzen langsam über die Bühne wanderte. Zum ersten Mal fiel mir das mit der Stimme erzeugte Klacken auf, das wie ein Metronom klang. Es erinnerte mich an eine Wanduhr, die laut in der Stille zu hören ist, wenn man mal ohne Musik, ganz alleine und still zu Hause ist. Wunderbar. Es gab sehr kräftigen und langen Applaus dafür. Ein Lied, das in seinem Stil ein wenig aus dem anderen Programm rausfällt, aber trotzdem sehr gut paßt und ganz stark ist.

Bei den Chocolate Chip Cookies zeigte es sich, dass die Wise Guys Profis sind, denn Eddi setzte etwas verspätet ein, und das Lied wurde sehr souverän und fast unauffällig einen Takt länger gemacht. Die lauten Lacher nach den ersten beiden Zeilen zeigten, dass längst nicht alle Zuschauer wußten, um was es in dem Lied ging. Eddi war bei seiner Solostelle so aufreizend und sexy, dass es eigentlich nicht mehr jugendfrei war. Wenn er so weitermacht, werden Worte wie “Vanillepulver” und “Schüssel” demnächst gesperrt und nur noch ab 18 Jahren freigegeben. Bei Ferenc’ “luftdichtem Behälter” zitterte die Luft vor Sinnlichkeit, er strich sich sehr lasziv über den Kopf, und das Publikum johlte begeistert auf. Übrigens nicht nur die Frauen. Im Saal war die totale Begeisterung zu spüren, und man sieht selten Leute so toben, wenn sie ein Backrezept erfahren. Wenn ich sage: “Hier, ich habe ein leckeres Rezept für Käsekuchen mit Aprikosen”, ist es mir noch nie passiert, dass mein Gegenüber mich mit erotischem Blick, halbgeöffnetem Mund und schwer atmend ansah und laut “Yeaaaaaah!” brüllte. Ich mache was falsch. Auch immer schneller werdendes, rhythmisches Klatschen, so wie die Wise Guys es am Ende bekamen, gab es bei mir noch nie, dabei sind die Rezepte wirklich gut!

Auch When I’m 64 kam natürlich supergut an, und mir schien das Programm gut aufgebaut, denn die Stimmung steigerte sich immer weiter und es gab keine Absacker. Auch ein ganz ruhiges Lied wie Träum vom Meer paßte in den Ablauf, auch wenn der Saal kurz vorher nocht laut getobt hatte. Dän sang ganz leise, wurde natürlich über die Anlage laut genug verstärkt, aber man hörte, dass er keinen Druck ausübte, sondern sanft in Schlafzimmerlautstärke sang. Der Hintergrundchor war schön homogen, und die Zuschauer im Saal ganz still. Im Mittelteil gab es allerdings fast zuviel Hall vom Mischpult. Das muß gar nicht so stark sein, weil es dann fast künstlich wirkt und den Reiz der ruhigen, natürlichen Stimmen wegnimmt. Außer zwei kurzen, kräftigen Husten-Knallern war das Publikum außergewöhnlich ruhig. Als ob keiner atmete. Superklasse! Danke!
Es gab sehr langen und lauten Beifall für das Stück, der auch die Wise Guys erfreute.

Das laute Gelächter bei Du Doof begann schon, als Eddi sich hinstellte und mit blödem Gesicht ins Publikum stierte. Ich fand alles klasse. Den Background, den ungewöhnlich gestoßenen, fast gestöhnten Bass, Sari, der locker und lässig die Leadstimme sang, und natürlich Eddi, der auf höchstem Niveau blöde war. Bei seinem Anblick könnte ich mich fast weglachen. Super!


Am Ende des Liedes hatte sich Dän verschluckt, hustete und keuchte, und sprach dann von einer ganz dicken Nähnadel, die er im Hals hatte.

Bei King of the road hatte Ferenc eine richtig kräftige, tiefe Basstimme mit viel Volumen, und ich war fasziniert von dem Tempo, mit dem er in der Optik zwischen “sehr nett” und “äußerst unsympathisch” hin- und herwechselte. Gerade noch strahlend blaue Augen, dann ein brutaler, dunkler Blick. Super! Am Ende sang er ein langes, tiefes “Yeaaaaaah!” und bekam riesigen Beifall.

Er stand alleine auf der Bühne, von Scheinwerfern angestrahlt, von Applaus umbrandet, und nur Eddi kam irgendwann, brachte ihm ein Glas Wasser, aus dem er trinken konnte, und ging dann wieder. Mitten im Applaus hatte Ferenc plötzlich ein Handmicro und begann mit der Basseinleitung von Sing mal wieder. Bei den ersten Tönen kamen überraschend die anderen Guys dazu, und es ging sofort fetzig los. Der Mitsingteil lief sehr gut und es war verblüffend, wie das Mitsingen plötzlich beendet wurde, als die vier Kollegen gemeinsam nach hinten gingen und sich dort synchron umdrehen. Beim ersten Mal war ich total überrascht, wie sie sich überhaupt absprechen konnten, um wirklich gleichzeitig zu starten, aber schon beim zweiten Konzert hatte ich das “Schlüsselwort” raus. Sehr geschickt!

“Wir sind am Ende, nicht nur mit dem heutigen Konzert”, sagte Dän. Auch die Millowitsch-Reihe war beendet, und bis zu den beiden Open Air Konzerten im Mai würde es auch kein Konzert mehr in Köln geben. Letztes Lied im offiziellen Teil war Schlag mich baby. Es war gegen Ende ein bißchen langsam, wurde aber trotzdem begeistert bejubelt. Auch die Schlußaufstellung war immer noch anders als früher, aber eigentlich gefiel sie mir viel besser. Sah wirklich gut aus. Unter viel Gejubel verbeugten sich die Wise Guys und gingen ab.

Natürlich kamen sie zur Zugabe zurück. Rasier dich war wieder mal einfach süß gebracht und ich grinste verzückt. Allerdings fände ich es gut, wenn Eddi nach dem “Treffer” in der Tanzszene zunächst still in seiner gebeugten Haltung bleiben würde, und sich erst einige Takte später langsam wieder hochrappeln würde. Da Sari und Ferenc in diesem Augenblick vor ihm stehen, geht das für manche Zuschauer einfach unter, wenn es zu schnell ist. Eine sehr witzige Stelle, an der ich immer Angst habe, ob sie auch genug Abstand voneinander haben. Nach dem Lied gab es natürlich lautes Pfeifen, heftiges Getrampel, Rufen, Johlen, rhythmisches Klatschen - das volle Programm.

Mit GoldenEye ging es weiter. Die Bühne blieb lange dunkel, auch als die Wise Guys schon sangen, und auch danach waren die Gesichter zunächst nur schwach blau beleuchtet. Plötzlich kamen rote Schweinwerfer dazu, Nebel kräuselte sich blau angestrahlt und scharf begrenzt in der Mitte der Bühne, die Wise Guys tauchten daraus hevor,  und es war alles sehr effektvoll. Als ein heller Scheinwerfer einen Kreis auf dem rückwärtigen Vorhang bildete, begannen Dän und Ferenc mit simplen Schattenspielen, während sich vor ihnen am Bühnenrand Eddi sexy auf der Monitorbox räkelte. Genau diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Albernheit liebe ich einfach.

Es gab einen letzten Auftritt mit Jetzt ist Sommer, das Publikum sang und klatschte stehend mit, und am Ende gab es nochmal ganz großen Jubel. Was für ein schönes Konzert! Echt klasse, mit superguter Stimmung und einem frischen Papa-Sari, dem man seine neue Rolle nur am Strahlen ansah, nicht am Verhalten. Wer will schon einen Sumo-Ringer als Papa, der Zahnärzte über Bühnen schmeißt?

Der Afterglow war voller als am Vortag, wahrscheinlich, weil am letzten Abend mehr von den “harten” Fans dabei waren. Allerdings dauerte er nicht unglaublich lange, weil das Millowitsch-Theater ziemlich schnell leergeräumt und geschlossen wurde.

Schade, dass mich nach dem Konzert ein ansonsten eigentlich sehr netter Mensch brutal daran erinnern musste, dass es mein letztes Konzert vor dem Tanzbrunnen im Mai war. Ich will da nämlich überhaupt nicht drüber nachdenken!

(Ein großes DANKE! an Heidi, Werner und Inge, die guten Geister des Theaters, die sich total klasse um alles gekümmert haben!)


Showtime
Deutscher Meister
Du bist dabei
Das wär’s gewesen
Kinder
Was für eine Nacht
Sonnencremeküsse
Powerfrau
Mädchen lach doch mal

Dialog
Chocolate Chip Cookies
When I’m 64
Träum vom Meer
Du Doof
King of the road
Sing mal wieder
Schlag mich baby
Rasier dich
GoldenEye
Jetzt ist Sommer


Wegen der starken Nachfrage: So sah es am Donnerstag aus,
als Hebamme Sari einem Elektrokabel ans Licht der Welt half:


 

zurück zu  Konzertberichte