Sonntag,18.August 2002
Die WISE GUYS beim Ringfest, Köln                                

Es war alles ganz anders als sonst. Auf der Bühne fehlten die Monitore und Clemens erschien freundlich lächelnd zuerst und brachte mehrere weiße Kästchen mit. Danach kam Sari mit einem langen Gestell, das sich beim Aufbauen als Leinwand entpuppte, Ferenc stellte einen Diaprojektor davor und Dän erzählte, dass die Wise Guys frisch aus dem Urlaub gekommen wären und die Stunde auf der WDR 4 Bühne mal nutzen wollten, um den Fans ihre Urlaubs-Dias zu zeigen. Prima Idee, fand ich, und unter den hämmernden Techno-Rhythmen der umliegenden Bühnen schob Eddi den ersten Diakasten ein und begann mit schönen Bildern aus Vietnam, erläuterte die geographischen Verhältnisse des Landes und die landestypischen Trachten der Einwohner.
Ist natürlich völliger Quatsch, war gar nicht so, aber diese Vorstellung schwirrte mir den ganzen Vormittag durch den Kopf und ließ mich immer wieder blöd grinsen. Da ich das jedoch öfter mal tue, fiel das gar nicht weiter auf. Aber keine Panik: Hier folgt der richtige Bericht, völlig ohne Dias:

Das Programm begann eigentlich schon mit dem Soundcheck. Da man den normalerweise nicht mitbekommt, guckten viele Leute interessiert zu und fanden es richtig gut. Zunächst kamen die Wise Guys einzeln auf die Bühne und sangen ganz alleine ihre Stimme, damit die Leute am Ton Mikros und Monitore einstellen konnten. Natürlich gab es jedesmal am Ende Beifall, den der jeweilige Wise Guy mit ironischem Lächeln und manchmal verwundert hochgezogener Augenbraue nickend entgegennahm. Dän sang “Jetzt ist Sommer” an, wiederholte nach dem Refrain die erste Strophe und wollte eigentlich die zweite singen. Da er aber mit “Sonnenbrille auf...” begonnen hatte, half ihm das Publikum sofort mit dem richtigen Text der ersten Strophe aus, sobald er grübelnd stockte, aber er sagte nach jeder weiteren Zeile verzweifelt: “Das ist doch nicht die zweite Strophe?!?” Irgendetwas stimmte nicht, der Text reimte sich, war aber trotzdem nicht richtig. Tja, zu lange Urlaub gehabt, würde ich sagen, und sicher nicht jeden Tag mal alle Lieder durchgesungen. *grins* Das Publikum hatte jedenfalls Spaß, da Dän sehr lässig mit verzweifelten Blicken die Fans um Hilfe bat und trotzdem nicht auf die Lösung des Problems kam. Na, da hatte er nach dem Soundcheck wenigstens noch was zu tun: Text ansehen.

Als alle einzelnen Wise Guys durch waren, machten sie den Soundcheck für die Gruppe, um das Klangverhältnis untereinander in die richtige Mischung zu bringen.

Einige Fans hielten das dann schon für eine Shownummer der immer witzigen Wise Guys und lachten jedesmal fröhlich los, wenn nacheinander nur eine Zeile gesungen wurde, oder auch Sätze wie: “Ich höre ihn nicht!” fielen. Hey, das ist konzentrierte Arbeit, die vor dem Auftritt gemacht werden muß und die nicht einfacher wird, wenn das Publikum schon vor der Bühne steht und im schlimmsten Fall albern loslacht oder sogar blöde Kommentare abgibt!

Die Wise Guys versuchten die Störungen zu ignorieren und checkten ernst und konzentriert Sound. Mit ihrer sommerlichen Kleidung sahen sie richtig nach Freizeit und Urlaub aus, und ich fand besonders die Shorts von Clemens, Dän und Eddi nett. (Wirklich! Ist jetzt keine Ironie!) Auch das T-Shirt von Ferenc hatte die perfekte Farbe für seine blauen Augen, auch wenn man die hinter der Sonnenbrille eigentlich nicht sah. Die Sachen gefielen mir eigentlich alle besser als die Wise Guys Auftrittskleidung und ich freute mich, dass sie sich diesmal wohl nicht umziehen würden.

Der Soundcheck war fertig, ganz zufrieden erschienen mir die Wise Guys nicht, wie ihre ernsten Gesichter zeigten, aber sie gingen hinter die Bühne, während das Publikum auf dem jetzt schon sehr vollen Platz wartete und in der knalligen Sonne briet. Eine halbe Stunde später kam eine WDR-Ansagerin auf die Bühne, stellte fest, dass Petrus ein WDR4-Fan sein musste und kündigte die “Kölner Boygroup” an. Riesenjubel, die Wise Guys kamen auf die Bühne gelaufen und hatten doch wieder ihre Bühnenkleidung an. Schade! Wäre doch mal so schön sommerlich anders gewesen. An sich finde ich die Bühnenkleidung ja in Ordnung, aber Eddi im langärmeligen Pulli und Clemens in Jacke sah bei hochsommerlicher Hitze dann doch etwas blöde aus. Wie mit Jacke in der Sauna und irgendwie overdressed. Beim Ringfest, wo alles locker und nicht richtig konzertmäßig war, hätten sie das ruhig mal anders machen können und trotzdem wie Profis gewirkt.      

Ohne Ansage ging es mit ‘Showtime’ los und das Publikum klatschte sofort mit (auf 1 + 2 + 3 + 4) und die Stimmung war toll. Bei der Zeile “Heut simmer hier!” gab es lauten Jubel und es war klar, dass hier kein Publikum mühevoll überzeugt werden musste. Danach ging es sofort mit ‘Sing mal wieder’ weiter und ich konnte den Klang nicht richtig beurteilen, weil ich ganz vorne stand und es da ziemlich in Ordnung war. Wie es in der Mitte oder hinten auf dem großen Platz klang, kann ich überhaupt nicht sagen. Störend fand ich nur die Security-Leute, die sich vor die Bühne stellten, wichtig ins Publikum guckten um aufkommende Randale im Keim zu ersticken, und dabei voll im Blickfeld standen.

Dän begrüßte das Publikum nach den beiden Anfgangsliedern mit: “Hallo, wir sind die No Angels!”, freute sich über das Wetter, das schöne Panorama und fand, dass die kleine Brücke, die über den künstlichen See zum Mediapark führte, an die Golden Gate Bridge erinnerte. Weiter ging es mit einem Heimatlied, das Optimismus und Schunkeln in sich vereinte: ‘Deutscher Meister’. Das Publikum sang kräftig mit, schunkelte schwankend, und rein optisch passte das alles genau zur WDR4 Bühne. Es gab lauten Zwischenapplaus, Gelächter und einfach supergute Stimmung. Auch viele Leute, die eigentlich auf den danach auftretenden Götz Alsmann warteten, lachten vergnügt und schunkelten mit. Wirklich klasse.        

Danach erzählte Dän noch etwas über die diversen Wise Guys- FC-Lieder und unterbrach plötzlich: “Oh, das ist für mich! Da flog gerade ein FC-Tier durch die Gegend, das war bestimmt für mich!!” Ganz gespannt wartete er, bis es auf die Bühne geworfen wurde, hob es auf und reagierte enttäuscht: “Das ist ein Weihnachtsmann.” Er las von einem Zettel, der daran hing vor: “Düsseldorfer Weih....  (dann entsetzt:) DÜSSELDORFER WEIHNACHTSMANN????” und gab ihn zügig an einen Fotografen weiter, der ahnungslos vor der Bühne stand. “Danke. Sehr faire Geste!” grinste ihn Dän erleichtert an, das Publikum lachte laut und er machte sofort im Programm weiter.

Beim nächsten Lied mußte er nicht mal den Titel nennen, denn beim Satz “Schöne Frauen sind wirklich schöner, wenn sie mal lächeln....”, gab es Gejubel und anschließendes begeistertes Mitsingen und -klatschen von den Zuschauern. Super Stimmung danach bei ‘Kinder’, und ‘Was für eine Nacht’ zog kräftig mit, wenn mir auch die Choreographie an einigen Stellen etwas aufgeweicht schien. Eine Nachfolge-Erscheinung der Urlaubszeit und mal wieder eine Übungsstunde wert, würde ich sagen, denn ganz exakt wirkt das einfach am besten.

Da “Frauen etwas geboten kriegen wollen”, wie Dän eindringlich erklärte, gab es “ein Lied mit message”, die ‘Chocolate Chip Cookies’. Das Publikum reagierte genau richtig wo es reagieren sollte, und die Stimmung war bei knalliger Sonne und viel Publikum (der WDR schrieb nachher von 8000 Zuschauern) wirklich klasse. Auch bei ‘When I’m 64’ ging es ab, und auf ‘Jetzt ist Sommer’, das diesmal textlich weitgehend richtig war, wurde heftigst mitgeklatscht und laut gesungen. Anschließend gab Dän, mit der Hoffnung, dass die Ansage im Radio gesendet würde, die Homepage-Adresse bekannt und ergänzte: “Wiseguys.de, eine Homepage, auf der es allerlei zu entdecken gibt, und wo man sich auch im Gästebuch verewigen kann, sofern man nicht eine kleine Macke hat.” Mein Lachen platzte sofort raus, denn ich wußte, auf was er anspielte und auch bei den anderen vier Wise Guys auf der Bühne gab es dickes Gegrinse. Selbst um mich herum gab es vergnügtes Gelächter von Leuten, die hin und wieder Gästebuch und Forum der Wise Guys anguckten. Allerdings war der Satz von Dän nicht ganz richtig, denn im Gästebuch kann man sich sogar mit großer Macke verewigen. *grins*

Die Ansage, dass “das letzte Lied” dran wäre, brachte ein lautes “Ohhhhh!” vom Publikum und Dän ergänzte sofort: “Das letzte Lied des offiziellen Teils.” Es war ‘Schlag mich, Baby’ und noch im Endapplaus fingen laute “Zugabe!!”-Rufe an. Wie angekündigt verliessen die Wise Guys erstmal die Bühne, kehrten aber nach einer Minute zurück und legten sofort mit ‘Köln ist einfach korrekt’ los. Das war natürlich superklasse an diesem Ort, und ein riesengroßer Publikums-Chor sang laut mit. Die Währungsumstellung auf den Euro machte Dän dann allerdings zu schaffen, denn nach massenhaften Auftritten mit DM-Angabe hatte er den Text zwar am Anfang des Jahres in Euro geändert, aber nach der Urlaubspause war das irgendwie nicht mehr abrufbar. Er begann ganz locker mit: “Der Rhein schaut im Winter in der Altstadt vorbei, zwei Euro fünfzig..”, stockte, und sprach dann schnell und hoffnungslos abwinkend hinterher: “oder so, kostet jetzt ein Kölsch.” Vergnügtes Gelächter vom Publikum, das weiterhin laut mitsang, so dass Dän im Refrain aufhören konnte zu singen und vergnügt zuhörte. (Allerdings kam mir nicht nur am Ende des Liedes in den Sinn: “Wie war der Schlußakkord?” - “Anders!”, aber das ist mal wieder was für Insider.)

Danach gab es wieder laute Rufe nach einer Zugabe und unter Riesenjubel kamen die Wise Guys ein letztesmal auf die Bühne. Zu viert, Sari fehlte, und als Dän vom “Eis-Café Köln-Sülz” sprach, wurde begeistert geklatscht. ‘Marcello Sarini’ kam auf die Bühne und diesmal hatte Sari einen völlig freien Oberkörper. Nichts mit offenem Hemd oder wenigstens halbwegs kaschierender Bekleidung, und Dän stieß ein entsetztes “Oh, mein Gott!” aus, während Eddi, Clemens und Ferenc loslachten.

Die weiblichen Fans pfiffen gellend und kollabierten, und Sari zog die ‘Ich-will-keine-a-cappella” - Show’ durch. Mir fiel plötzlich auf, dass der berühmte Six-Pack, die wulstige Anordnung der trainierten Muskeln zwischen Brust und Bauchnabel, auch durch leicht hervortretende Rippen hervorragend imitiert werden kann. Spart das teure Bodybuildertraining und ist auch viel bequemer und sehr sympathisch. (Ich persönlich stehe sowieso mehr auf Waschbär-, als auf Waschbrettbauch.)

Unter viel Gejubel verbeugten sich die Wise Guys noch einmal gemeinsam, der Abgang wurde kurz verzögert, weil sie von einer WDR-Mitarbeiterin schnell noch blaue Stoff-Elefanten aus der ‘Sendung mit der Maus’ in die Hand gedrückt bekamen, dann war wirklich Schluß.

Fazit: Es war ein Konzert unter knallheißer Sonne, das Publikum hatte supergute Stimmung und es war einfach klasse so einen schönen Programmpunkt auf dem lauten Ringfest zu haben. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass die Wise Guys entgegen ihrer Angabe DOCH gemeinsam in Urlaub waren. Dort haben sie nämlich einige neue Akkorde geübt, die sie beim Ringfest gesungen haben und die ich bis dahin an diesen Stellen nie gehört habe. Auch das Tempo mancher Lieder hätte einen kleinen Tritt vertragen, und der arme Clemens kämpfte verbissen um jede Zehntelsekunde und sah manchmal gar nicht glücklich aus. Tat der allgemein sehr guten Stimmung auf dem Platz aber keinen Abbruch, denn die meisten Zuschauer werden das nicht bemerkt haben. Da lenkte die immer wieder schön anzusehende Bühnenshow eben doch ganz gut ab. Ich persönlich fand es auch nicht so schlimm und dachte nur bei manchem Akkord grinsend: “Na, den gab’s aber auch schon mal besser!” und war trotzdem gut gelaunt. Dem größten Teil des Publikum hat es Spaß gemacht, den Wise Guys vermutlich etwas weniger, aber gerade bei Freiluftveranstaltungen auf großen Plätzen kann es mit dem Klang und dem Selberhören auf der Bühne Schwierigkeiten geben.
Im Übrigen habe ich die Urlaubsfotos gar nicht vermisst und zu keinem Zeitpunkt gedacht: “Och, da hätte ich lieber Dias geguckt!”
 

Showtime
Sing mal wieder
Deutscher Meister
Mädchen lach doch mal
Kinder
Was für eine Nacht
Chocolate Chip Cookies
When I’m 64
Jetzt ist Sommer
Schlag mich baby
Köln ist einfach korrekt
Ich will keine a-cappella

Hier gibt es noch mehr
Fotos vom Ringfest

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